Essen: "Masterplan Sport" sieht die Schließung von neun Essener Sportplätzen vor

Die Amateurfußballszene tobt

Aaron Knopp
26. Oktober 2006, 21:43 Uhr

Mit der Bezirksliga-Auswahl des VfB Essen-Nord ist nun bereits die erste Mannschaft dem Masterplan Sport zum Opfer gefallen. Marian Chacinski, VfB-Geschäftsführer, sah nach der geplanten Schließung der Sportanlage Altenbergshof keine Perspektive mehr für die erste Mannschaft und zog sie vom laufenden Spielbetrieb der Bezirksliga 4 zurück. „Aufgrund der Tatsache, dass wir zu einer anderen Anlage verfrachtet werden sollen, haben einige Spieler ihren Wechsel zur Winterpause angekündigt. Ich habe Verständnis dafür, aber sehe so keine Möglichkeit mehr, den Spielbetrieb fortzuführen.“[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_117.jpg Fußball statt Straße?: In Frohnhausen macht die Realität wohl eine 180°-Wende, sollten die Pläne umgesetzt werden.[/imgbox]

Kein Verständnis zeigt Chacinski im Interview mit revierkick.de dagegen für Teile des Masterplans. „Wenn ich arbeitslos werde, kann ich nicht weiter meinen Hobbys frönen, während meine Familie spart. Dann müssen alle zusammenrücken. Daher habe ich kein Verständnis, wie man 7,5 Millionen zum Bau eines neuen Zweitliga-Stadions für Rot-Weiß Essen einplanen kann. Wenn die wieder absteigen, dann fehlen den Kindern noch immer die Sportangebote.“

Doch es gibt nicht nur Verlierer: Auch wenn es das Gros der betroffenen Vereine es gänzlich anders empfindet – der Masterplan Sport will sich nicht als reiner Streichplan verstanden wissen. Neben dem Neubau eines modernen Zweitligastadions sind weitere Investitionen geplant. Auch der Amateursport bleibt hier nicht gänzlich außen vor. So soll nach langwierigen Planungen in Burgaltendorf nun der Neubau der Sportanlage “Im Vaeste“ realisiert werden - moderner Kunstrasen inklusive versteht sich.

Burgaltendorfs erster Vorsitzender Frank Heuer hat folglich wenig am Masterplan auszusetzen. „Sicherlich ist es immer schwer, von der Heimat wegzugehen, aber – ohne den betroffenen Vereinen zu nahe treten zu wollen - muss man sagen, dass zum Beispiel in Überruhr ein Überangebot an Sportanlagen herrscht.“ Die Notwendigkeit des Neubaus in Burgaltendorf sieht Heuer hingegen von jeher gegeben. „Burgaltendorf gehörte ja früher noch zu Hattingen und nach der Eingemeindung war schon seit Jahrzehnten die Rede von einem Neubau. Durch Anwohnerproteste und andere Komplikationen ist es aber immer wieder nach hinten geschoben worden. Für uns ist deshalb natürlich klar, dass wir den Plänen offen gegenüber stehen. Auf der jetzigen Anlage stoßen wir ohnehin an unsere Grenzen.“

In einer Ratssitzung am 29. November soll der Masterplan abgesegnet werden. Vor dem Hintergrund zu- und ernstzunehmender Proteste scheint es jedoch mehr als fraglich, ob es noch in diesem Jahr zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Essener Sportlandschaft kommt.

Autor: Aaron Knopp

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