Da wurde der Blick von Rolf Hempelmann scharf und beobachtend, als der Präsident von RWE konkret gefragt wurde, ob er am Sonntag, 29. Juni, auf der Jahreshauptversammlung verkünden wird, dass die Finanzierung für das neue Stadion steht.

RWE: Neue Arena ist sicher, kommt aber verspätet

Hempelmann in Mitgliederhand

og
20. Juni 2008, 09:09 Uhr

Da wurde der Blick von Rolf Hempelmann scharf und beobachtend, als der Präsident von RWE konkret gefragt wurde, ob er am Sonntag, 29. Juni, auf der Jahreshauptversammlung verkünden wird, dass die Finanzierung für das neue Stadion steht.

Der bis 2010 zum Boss gewählte Bundestagsabgeordnete musste antworten: „Nein.“ An den Aspekt Stadionrealisierung, gesprochen wurde vor knapp einem Jahr gegenüber den Mitgliedern symbolisch vom „ersten Spatenstich“, hatte er seinen Verbleib im Amt geknüpft. Und auch sein Berlin-Mandat hatte er angehängt, aus dem „Fall“ RWE somit ein Politikum gemacht. Am 29. Juni wird dementsprechend nicht nur der neue Europameister gekürt, die Mitglieder werden – das wird Hempelmann anstreben – auch über den Kopf des 60-Jährigen entscheiden. Einen Rücktritt gibt es vom Energiepolitikfachmann nicht.

Interessant sicherlich, dass Stefan Meutsch, RWE-Vorstandsmitglied und als Unternehmer (VVA Verlagsgruppe) mit kaufmännischer Kompetenz ausgestattet, sich wiederholt vehement für Hempelmann aus dem Fenster lehnt. Er bezeichnet ihn als „einende Persönlichkeit“, die dafür steht, die Klammer um „Moderne und Tradition“ im Verein zu sein, geradezu „ein Garant“ dafür. Meutsch erwähnt wiederholt die „Bündelung“ der Kräfte und legt sich bei einem möglichen Hempelmann-Abschied fest: „Ein Fehler.“

Hempelmann macht deutlich, dass das Stadionprojekt „an die Stadt abgegeben“ wurde, die Arena auf jeden Fall kommen wird. Der entscheidende Aspekt, somit die Zielerreichung – wenn auch verspätet und dann nicht verkündigt durch ihn. Es wäre filmreif gewesen, wenn alles auf einer städtischen Ratssitzung am 25. Juni abgenickt würde, was nicht passieren wird. Man wartet zum Beispiel noch auf die Lösung des „Problems“ Dr. Michael Kölmel. Klar, dass es natürlich auch die Vermutung gibt, dass der Ratsentscheid absichtlich verzögert wird, um Hempelmann endgültig ans Messer zu liefern.

Hempelmann: „Diese Taktik unterstelle ich niemandem, sonst würde ich mich zu wichtig nehmen.“ Außerdem nahm man der angekündigten Negativmeldung der Ratsitzung nun bereits den Wind aus den Segeln: Alles politische Taktirerei. Und weiter: „Das Präsidium hat den Club zehn Jahre durch schwierige Gewässer gesteuert, nie Bürgschaften gezogen. Wir haben es verdient, dass man uns die Hand reicht. Die nehmen wir auch gerne an.“ Für das hochrangige Interesse der Stadt nach einem Führungsanspruch sieht Hempelmann den Club auch als „Motivator“.

Die Prognose geistert: In zwölf Wochen könnte gebaggert werden. Dass die Liaison mit dem ehemaligen Rechteverwerter endlich der Vergangenheit angehören kann, dafür engagierte sich RWE. Man gab sogar die Federführung ab an die städtische Grundstückstochter GVE. Kölmel soll komplett abgefunden werden, Geschichte sein.

Die Hempelmann-Ära wird – auch im Rahmen eines politischen Machtspielchens, das nicht nur zwischen den Parteien „scharmützelt“, sondern SPD-intern – seziert. Ein Wirken von Rudi Assauer ist weiter Thema. Dazu kommt die Frage nach dem möglichen neuen Hauptsponsor RWE AG, die ihr Logo offenbar davon abhängig macht, wer tatsächlich im Club das Sagen haben wird. Nach zehn Jahren ist RWE wieder dort angekommen, wo ehemals eine Rettungsaktion begann – Vertrauen dürfte aufgebraucht sein.

Autor: og

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