Der Himmel über Ascona weint. Das hat er übrigens seit unserer Ankunft vor fast 14 Tagen ausnahmslos gemacht.

EM-Tagebuch: Günther Pohl berichtet aus Österreich/Schweiz (Dienstag, 17.Juni)

EM ohne die Veranstalter

17. Juni 2008, 16:46 Uhr

Der Himmel über Ascona weint. Das hat er übrigens seit unserer Ankunft vor fast 14 Tagen ausnahmslos gemacht.

Aber irgendwas ist heute ganz anders. Es ist der erste Tag, an dem die EM ohne die Veranstalter Österreich und Schweiz auskommen muss. Sie haben sich wacker geschlagen und das Ausscheiden war fast schon tragisch. Ich denke da zunächst an die Schweizer! Erst wurde der sympathische „Köbi“ Kuhn von der schweren Krankheit seiner Frau getroffen, dann fiel Alexander Frei aus und zum Schluss kassierte man gegen die Türken noch einen Treffer in der Nachspielzeit. So ist Fußball!

Aber warum die Yakin-Brüder noch am Tag vor dem Portugal-Spiel dem armen Kuhn in den Rücken fielen und ihn in der Boulevard-Presse abbügelten, ist unverständlich. Treffender die Szenen auf dem Rasen des Baseler Stadions mit dem Transparent „Merci Köbi“.
[imgbox-center]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/940-8258_preview.jpeg Günther Pohl berichtet aus Österreich/Schweiz[/imgbox]

Sein Nachfolger Ottmar Hitzfeld, der zu Kuhn ein gutes Verhältnis pflegt, wird die verbalen Tritte registriert haben und sicher würdigen. Die Schweizer mögen sich nicht grämen. Sie haben toll mitgespielt, von Klassenunterschieden keine Spur. Wenn Hitzfeld einmal keine Lust mehr hat. In 15 oder 20 Jahren würde VfL-Coach Marcel Koller die „Nati“ sicher gerne übernehmen.

Und die „Ösis“ müssen sich an die eigene Nase fassen. Denn das junge Team hat immer dann Probleme, wenn sie alleine vor dem gegnerischen Torwart stehen. So etwas kann zu einem Trauma werden. So wie bei den Engländern das Elfmeterschießen.
Liebe Schweizer und Österreicher, obwohl ihr zu den Verlierern zählt, habe ich euch ins Herz geschlossen. Immer wenn jetzt ein EM- oder WM-Spiel für euch ansteht, werde ich euch ganz fest die Daumen drücken.

Denn ich weiß, dass Verlierer eine besondere Zuneigung verdient haben. Schließlich kenne ich das seit mehr als vier Jahrzehnten von meinem Heimatclub aus Bochum.

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