Während es gegen Polen vor allem spielerisch noch gut klappte, enttäuschte Jogi Löws Elf am Donnerstag gegen Kroatien. Torsten Frings These, dass einige Spieler wohl der Ansicht gewesen seien, auch ohne großen Einsatz zum Sieg kommen zu können, erhält Unterstützung von den Statistiken zum Spiel.

EM: Deutschland gegen Kroatien zu lauffaul

Deutsche Taktik ging nicht auf

Christopher Weckwerth
13. Juni 2008, 19:17 Uhr

Während es gegen Polen vor allem spielerisch noch gut klappte, enttäuschte Jogi Löws Elf am Donnerstag gegen Kroatien. Torsten Frings These, dass einige Spieler wohl der Ansicht gewesen seien, auch ohne großen Einsatz zum Sieg kommen zu können, erhält Unterstützung von den Statistiken zum Spiel.

Die Diskrepanz im Vergleich der absoluten Laufdistanz beider Teams ist gravierend. Bis zur Schlussviertelstunde war die kroatische Mannschaft fast zwei Kilometer mehr gelaufen als die deutschen Spieler. Erst am Ende investierte der WM-Dritte mehr und verkürzte nicht nur nach Toren auf 1:2, sondern auch in dieser Wertung auf einen Kilometer Unterschied. Das Aufbäumen kam zu spät und lässt die Frage offen, ob mach einer den Ernst der Lage zuvor verkannt hat. Denn auch die kroatische Gesamtleistung von am Ende 107,43 km ist eigentlich unter internationalem Niveau. Arsène Wenger, Trainer von Arsenal London, sieht die EM bis dato unter diesem Format: „In einem Champions-League-Spiel ist eine Laufleistung von 115 bis 125 Kilometer pro Mannschaft normal. Bislang konnte während der EM-Endrunde kein Team diese Erwartungen erfüllen“.

Einzig Kapitän Michael Ballack konnte in diesem Spiel mit den Kroaten mithalten, zumindest was den läuferischen Einsatz angeht. Wie schon im Polen-Spiel stellte er in dieser Kategorie mit 11.460 m den teaminternen Topwert auf. Gleiches gilt für die höchste Sprintgeschwindigkeit (30,88 km/h). Einen Turnierrekord stellte dabei der Hamburger Torschütze Ivica Olic auf, sein Maximum lag bei 31,76 km/h. Die weitesten Wege ging in seinem Team übrigens Ivan Rakitic von Schalke 04. Bei seinem ersten Turniereinsatz brannte er offensichtlich darauf, sich bei seinem Trainer Slaven Bilic weiterhin für die Startformation zu empfehlen.

„84 Prozent aller Spiele auf höchstem Niveau werden von der Mannschaft gewonnen, die das erste Tor schießt. Die Mannschaft im Rückstand muss ihre Taktik zwangsläufig ändern und ein höheres Risiko eingehen“, sagt Arsène Wenger und die Heatmap belegt das. Nach dem Rückstand durch Srna konnten die Kroaten Deutschland ihr taktisches Konzept geschickt weiter aufzwingen. Bester Beleg dafür ist die Aufzeichnung der Laufwege von Miroslav Klose, der im ersten Spiel gegen sein Geburtsland Polen noch mit Tempodribblings und zwei Vorlagen einer der Wegbereiter des Erfolgs war. Am Donnerstag musste er jedoch viel Laufarbeit nach hinten verrichten und war nicht nur am gegnerischen Strafraum zu finden.

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Autor: Christopher Weckwerth

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