Nach einer knappen Woche in der Schweiz mag ich es kaum glauben. Was sich da über dem Lago Maggiore zeigt, ist tatsächlich die Sonne.

EM-Tagebuch: Günther Pohl berichtet aus Österreich/Schweiz (Montag, 9. Juni)

Die Helden der EM

09. Juni 2008, 16:55 Uhr

Nach einer knappen Woche in der Schweiz mag ich es kaum glauben. Was sich da über dem Lago Maggiore zeigt, ist tatsächlich die Sonne.

Ich sitze an der Uferpromenade von Ascona und genehmige mir einen sündhaft teuren Kaffee und mein Blick pendelt zwischen dem See und der gleichnamigen schweizer Boulevardzeitung. Das erste EM-Wochenende liegt hinter mir und ich habe schon meine persönlichen EM-Helden. Der erste ist ohne Zweifel Alexander Frei von Borussia Dortmund. Die Tränen die der Kapitän am Samstag um 18.42 Uhr vergoss, als er sich einen Teilabriss des Innenbandes im linken Knie zuzog, haben auch mir fast die Tränen in die Augen getrieben. Die Stunde des Patrioten. Keiner verkörpert mehr Leidenschaft und Einsatz für seine Mannschaft als Alexander Frei. Während andere Spieler gleich in die Katakomben des St. Jakob-Parks verschwinden, kam Alexander Frei auf Krücken zurück und feuerte seine Mannschaft von der Bank aus an. Ein Spieler der nach dem EM- Aus nicht nur ein kaputtes Knie, sondern auch eine verletzte Seele hat. Aber er wird von der Bank aus bei den nächsten Spielen für seine Mannschaft da sein – vorbildlich.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/894-8212_preview.jpeg Günther Pohl berichtet für RevierSport von der EM[/imgbox]

Aber auch die deutsche Fußballnationalmannschaft hat schon einen Helden: Lukas Podolski. Nicht weil er mit seinem Doppelpack Deutschland zum ersten EM Sieg seit 1996 geschossen hat, sondern weil er sich ausgerechnet im Torjubel nicht als Prinz Karneval, sondern als nachdenklicher junger Mann mit Fingerspitzengefühl und Anstand präsentiert hat. Was aber zugleich eine Ohrfeige für die polnischen Fans war und es gab Pfiffe für den ehemaligen Landsmann. Und auch die polnische Presse hatte im Vorfeld mal wieder versucht aus einem Fußballspiel einen Krieg zu entfachen und so mussten 2500 Polizisten in Klagenfurt für Recht und Ordnung sorgen. Lukas aber hat sich in der Stunde des Erfolges zurückgenommen. Er hat bei beiden Toren kaum gejubelt und auf der Pressekonferenz verraten, dass sein Verhalten mit Respekt gegenüber seinem Vaterland zu tun hat – Mensch Poldi, jetzt bist du richtig erwachsen.

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