[b]Aufsteiger:[/b] In dieser Rubrik tummeln sich nicht viele Kandidaten.

MSV: Auf- und Absteiger

"Babylonische Verhältnisse"ausschließen

tt
03. Juni 2008, 21:35 Uhr

[b]Aufsteiger:[/b] In dieser Rubrik tummeln sich nicht viele Kandidaten.

Dass Manasseh Ishiaku bei einem Absteiger zehn Tore erzielte, ist durchaus beachtlich. Allerdings nahm seine Verletzungsanfälligkeit zwischenzeitlich dramatische Züge an. Claudiu Niculescu entpuppte sich als brandgefährlicher Standard-Schütze und intelligenter Stürmer, wobei die Konstanz im Zieleinlauf abhanden kam.

Tobias Willi schaffte es in seinem dritten Jahr an der Wedau, seinen Ruf als Publikumsliebling noch zu steigern. Kapitän Ivica Grlic steuerte fünf wichtige Tore bei, die gegen Cottbus, Nürnberg, Bremen, Rostock und Hamburg umgerechnet 13 Punkte brachten. Olivier Veigneau hätte sicherlich öfter gespielt, wenn ihn nicht gleich zu Beginn ein Bänderriss aus der Bahn geschmissen hätte. Auf der linken Seite trumpfte er dennoch mit Herz und Leidenschaft auf. Die heftigen Zweifel, die Torhüter Tom Starke zu seinem Amtsantritt an die Wedau begleiteten, konnte der frühere Hamburger mit guten Leistungen widerlegen. In der Gesamt-Bilanz muss er sich nur einen Patzer, der tatsächlich zu einem Tor führte, ankreiden lassen. Starke entschärfte laut Datenbank die meisten Eins-gegen-Eins-Situationen.

Absteiger
In der Hinrunde konnte er zumindest zwei Ausrufezeichen als Torschütze setzen, aber nach dem Zoff zu Beginn des Jahres landete Klemen Lavric auf dem Abstellgleis. Seine Stammplatz-Forderung löste bei Trainer Rudi Bommer eine heftige Gegenreaktion aus, er verbannte den Kapitän der slowenischen Nationalelf aus dem Aufgebot. Nach einem einlenkenden Gespräch und dem Ablehnen eines Transfers Richtung Russland oder Südkorea, wo Lavric finanziell sogar besser gestellt gewesen wäre, kam es schließlich zu einer Art Gentleman-Agreement. Lavric hielt sich bedeckt, durfte noch einige Male auflaufen. Bäume riss er dabei nicht aus. Der Stürmer, für eine Million Euro aus Dresden losgeeist, brachte keine Rendite.

Völlig daneben lagen die Zebras bei Bojan Vrucina, der von Slaven Belupo geholt wurde, um die Alternativen in der Offensive zu erhöhen. Bei seinen Vorstellungen lieferte er allerdings wenig Überzeugendes ab, es gab weder einen Treffer noch eine Tor-Vorlage von ihm. Richtigerweise trennen sich die Wege nach fünf Monaten wieder.

Für Silvio Schröter war das Engagement bei den Zebras ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt, sondern ein Riesen-Schlag ins Wasser. Eigentlich verpflichtet, um das Vakuum auf der offensiven Außenbahn mit Leben zu füllen, meldete sich der Ex-Hannoveraner einige Wochen vor Saisonschluss wegen einer hartnäckigen Fußverletzung ab. So stehen nur drei Einsätze und immerhin ein Treffer in Bielefeld in seiner Statistik. Der Vertrag war nur bis zum Sommer befristet.

Christian Weber lernte nach einem erfolgreichen Jahr als Stammspieler erstmals die Schattenseiten des Profi-Geschäfts kennen. Bei seinen Ex-Vereinen Fürth und Saarbrücken spulte "Chris" stets ein Pensum von 30 Partien und mehr ab, doch nach der Winterpause kam er über die Reservistenrolle nicht mehr hinaus. Da die Sportliche Leitung von seinen Qualitäten nur unzureichend überzeugt war, wurde die zunächst in Aussicht gestellte Vertrags-Verlängerung doch wieder verworfen.

In der Verteidigung biss Fernando Santos nach seinem Jochbeinbruch zwar auf die Zähne, aber weder im Bereich Schnelligkeit noch beim Stellungsspiel oder bei der Zweikampfstärke konnte der Brasilianer Bonuspunkte sammeln. Trotz laufenden Vertrages zählt der Ex-Münchner zu den diskussionswürdigen Kandidaten.

Christian Tiffert, ehemals VfB Stuttgart, konnte die hochgesteckten Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen. Zwischenzeitlich fand sich "Tiffi" sogar draußen wieder, das unbedingte Aufbäumen in einer Mannschaft mit wenig Leadern war nicht seine Stärke. Schlimm die Szene aus dem Bochum-Spiel, als er alleine auf den Torwart zulief und ihn umspielen wollte, dann aber hängenblieb. Die Tür zur Rettung klappte auch deswegen zu.

Problem
Durch den Abstieg fehlen dem MSV etliche Millionen Fernseh-Geld, was sich zwangsläufig auf die Planungen für die neue Spielzeit auswirkt. Bei den unzufriedenen Fans, die zuhause von der Punktausbeute her nicht Mal Hausmannskost serviert bekamen, ist viel Kredit verspielt worden. Ein mäßiger Start in die neue Saison würde das Konzept, kontinuierlich ein neues Team aufzubauen, gefährden. Durch die frühe Ankündigung, sofort wieder hoch zu wollen, bleibt kaum Zeit zum Experimentieren. Wie schon in den letzten beiden Jahren steht Coach Rudi Bommer brutal unter Druck. Und das bei einer Beliebheits-Skala, die sich im "gelb-roten Bereich" bewegt.
Zukunft
Manager Bruno Hübner bastelt momentan am neuen MSV. Mit Chinedu Ede (Hertha BSC) und Mounir Chaftar (Eintracht Frankfurt) kommen zwei perspektivische Spieler für die linke Seite. Sie sollen ihren Beitrag zum Wiederaufstieg leisten und sich dann in der Bundesliga etablieren. Mit dem Binden von Adam Bodzek, Mihai Tararache sowie Tobias Willi hat der MSV früh ein Signal gesetzt.

Es soll wieder mehr auf deutsche oder zumindest deutschsprachige Spieler gesetzt werden, um "babylonische Verhältnisse", wie zuletzt aufgetreten, auszuschließen. Grundsätzlich haben die Zebras in der Nachbarschaft von Mönchengladbach, Köln und Schalke nur eine Chance, wenn sie in der Bundesliga sesshaft werden. Das zu erreichen, wird für Hübner, Hellmich & Co. eine Herkules-Aufgabe.

Autor: tt

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