Der FC Schalke 04 scheint mittlerweile an seinen eigenen oder den von außen an den Club herangetragenen Ansprüchen zu ersticken.

Barcelona statt Cottbus: Fehlende Konstanz kostete Platz zwei

"Grand Slam" als kleine Genugtuung

hb
03. Juni 2008, 08:22 Uhr

Der FC Schalke 04 scheint mittlerweile an seinen eigenen oder den von außen an den Club herangetragenen Ansprüchen zu ersticken.

Platz drei in der Bundesliga und das Erreichen des Viertelfinals in der Champions Legaue genügten in der abgelaufenen Saison nicht, um ein wirklich zufriedenstellendes Fazit ziehen zu können. Denn Schalke spielen zu sehen, hieß in den zurückliegenden Monaten oft leiden. Die Schmerzen hatten in dieser Spielzeit einen anderen Auslöser als zum Beispiel noch 2001 bei der Vier-Minuten-Meisterschaft oder im Mai 2007, als die Truppe ausgerechnet in Dortmund die eine Hand an der Schale abgerissen wurde. Diesmal war es der oft nicht anzuschauende Fußball, den die Mannschaft unter dem im Nachhinein viel zu spät entlassenen Mirko Slomka ablieferte.

Dass am Ende in der Bundesliga das vor der Serie ausgegebene Minimalziel erreicht wurde und Schalke in Europa sogar für richtig Furore sorgte, ist dabei kein Widerspruch. Mit Rumpelfußball hielten sich die Königsblauen so lange im Rennen um die begehrten Champions-League-Ränge, bis die Konkurrenz aus Hamburg, Leverkusen und Stuttgart selbst den Faden verlor und deutlich abgeschlagen auf den Plätzen folgte. In der Abrechnung standen 64 Punkte und somit nur vier weniger als vor einem Jahr, ein durchaus ordentliches Ergebnis. Wie es zustande kam, das interessiert allerdings die Leute, die sich Woche für Woche die Spiele der Mannschaft antun mussten und eine sportliche Entwicklung vermissten.

Slomka fuhr taktisch wie personell einen selten nachvollziehbaren Schlingerkurs und baute zum Beispiel nach der Winterpause erst mal nicht die Neuzugänge ein, die der Verein auch auf seinen Wunsch hin für 6,5 Millionen Euro Ablöse verpflichtet hatte.

Mit dem Traumstart in die zweite Serie und der Revanche im Revierderby bei Borussia Dortmund schien die Aufholjagd auf die zu der Zeit schon etwas enteilten Bayern verheißungsvoll zu starten. Doch nach drei Niederlagen in Folge war die Meisterschaft schon kein Thema mehr und die Angst vor dem Verpassen der europäischen Königsklasse viel größer.

Schon nach dem 0:1 in Leverkusen diskutierte S04-Chef Josef Schnusenberg ganz offen über die weitere Tauglichkeit Slomkas für den Job auf Schalke. Doch erneut war es ein Glückserlebnis in der Champions League, das Weiterkommen in Porto, die ihm, wie einer Katze mit sieben Leben, den Job rettete. Erst weitere fast sechs Wochen später, nach der 1:5-Klatsche in Bremen, kam auch Manager Andreas Müller zu der Einsicht, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte.

Die richtige Entscheidung, aber eben zu spät, denn trotz der tollen Erfolgsserie des Interimsduos Mike Büskens und Youri Mulder, das in sechs Spielen 16 Punkte und damit ein Viertel der Saisonzähler holte, reichte es nicht mehr zur Vizemeisterschaft. Immerhin: Schalke sicherte sich mit sechs Siegen in den Partien gegen Bochum, Dortmund und Duisburg den Grand Slam im Revier. Nach den schmerzlichen Erfahrungen des Vorjahres eine späte Genugtuung.

Autor: hb

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