Am Ende war es für Preußen Duisburg traurige Gewissheit: Das 2:2 gegen die Spvgg Sterkrade-Nord reichte nicht. Die Kicker von der Futterstraße bleiben der Bezirksliga erhalten, allerdings mit einem neuen Mann an der Linie, der aber wiederum keine sprichwörtlich unbekannte Größe.

Bezirksliga 8 NR: Oliver Bähr (neuer Trainer DSC Preußen) im Interview

Erst trainieren, dann pokern

Heiko Gaeb
02. Juni 2008, 16:32 Uhr

Am Ende war es für Preußen Duisburg traurige Gewissheit: Das 2:2 gegen die Spvgg Sterkrade-Nord reichte nicht. Die Kicker von der Futterstraße bleiben der Bezirksliga erhalten, allerdings mit einem neuen Mann an der Linie, der aber wiederum keine sprichwörtlich unbekannte Größe.

Es ist Oliver Bähr, der insgesamt vier Jahre bei Preußen als Spieler verbrachte. Mit dem Team stieg er in die Kreisliga A auf und wurde in den letzten beiden Jahren jeweils Zweiter in der Bezirksliga. Gegenüber RevierSport online äußert der 39-Jährige Bedenken über eine erfolgreiche Zukunft im Verein, spricht darüber, was ihm trotz des verpassten Aufstiegs noch schlimmer traf und ob er sich eine Rückkehr auf den Platz vorstellen kann.

RevierSport online: Herr Bähr, Sie haben gestern ganz knapp den Aufstieg verpasst. Haben Sie diese Pleite inzwischen einigermaßen verdaut?

Oliver Bähr: Wir haben 1:0 geführt und haben dennoch alles verspielt. Das zeigt, dass wir zu nervös und [imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/133-7432_preview.jpeg Vom Spieler zum Trainer: Oliver Bähr, Preußen Duisburg[/imgbox]nicht frei im Kopf waren. Bei mir kommt hinzu, dass ich über 35 Jahre Vereinsmitglied bei TuRa 88 Duisburg bin. Als ich gestern vor der Partie vom Tod des dortigen ersten Vorsitzenden Hans-Walter Gerlach erfahren habe, war ich schockiert. Er ist über die ganzen Jahre ein echter Freund geworden und war immer für uns da. Während des Spiels wollte ich zwar den Kopf abstellen, aber es kann gut sein, dass es mir im Unterbewusstsein rumgespukt ist und ich deshalb nicht voll auf der Höhe war. Das trifft ja nun mal auf einen Großteil der Mannschaft zu, der schon bei TuRa war und damit gleichfalls betroffen war. Das ist aber keine Ausrede. Die Tränen nach dem Abpfiff haben jedenfalls ihm gegolten, auch wenn die gesamte Situation sehr traurig war. [infobox-right]Zur Person:

Name: Oliver Bähr
Geburtstag: 31. März 1969
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Beruf: Berufs-Kraftfahrer
Lieblingsverein: MSV Duisburg
vorherige Vereine: u. a. SV Schwafheim, Hamborn 07, TuRa 88 (Senioren und Jugend), Dinslaken 09
Trainerlizenz: Noch keine. Bisher nur Erfahrung durch Jugendarbeit bei TuRa 88 [/infobox]Diesen Tag würde ich am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen. Aber fußballerisch geht es ja weiter, auch wenn es fraglich ist, ob wir eine gute Mannschaft stellen werden.

RevierSport online: Sie sprechen den Verlust von Leistungsträgern an.

Oliver Bähr: Mit Andy Lausberg verlieren wir unseren erfolgreichsten Stürmer. Auch David Steindor zieht es zum DSV 1900. Thomas Strube verlässt uns auch. Das sind schon mal drei Stammspieler. Hinter anderen Leistungsträgern wie Hidir Kay oder Ludwig Asenso steht ein dickes Fragezeichen. Es ist zu befürchten, dass wir mit ganz anderen Zielen in die neue Saison gehen, wenn wirklich alle wichtigen Leute gehen. Ich habe gestern nach der Niederlage schon die Befürchtung geäußert, dass nun für uns der Abstiegskampf beginnt. In ein paar Tagen, wenn alles verarbeitet ist, werde ich das Gespräch mit einigen Wackelkandidaten suchen und sie zum Bleiben überreden. Wir haben ja auch etwas zu bieten.

RevierSport online: Meinen Sie finanzielle Mittel?

Oliver Bähr: Nein. Das ganz sicher nicht. Seit uns im November der Hauptsponsor weggebrochen ist, laufen wir diesbezüglich auf Sparflamme. Dabei ziehe ich auch den Hut vor der Mannschaft. Trotz der damit verbundenen massiven finanziellen Einschränkungen haben wir alle an einem Strang gezogen und alles gegeben. Unser Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Das möchte ich noch intensivieren. Vielleicht ist es dann so, dass wir freitags eine Stunde trainieren und danach gemeinsam Poker spielen. Außerdem ist der Kreis der Bezirksligisten in Duisburg überschaubar. Vielleicht bleibt dann der ein oder andere dann doch bei uns, weil er den Verein zu schätzen weiß.

RevierSport online: Wenn Lausberg geht und Sie nur noch Trainer sind, dann fehlen ja genau die Leute, die 36 der 66 erzielten Saison-Tore markierten. Kann es nicht sein, dass Sie dann doch auf dem Feld wiederzufinden sind?

Oliver Bähr: Aus der jetzigen Sicht sage ich zu 99% nein.

RevierSport online: Was wollen Sie ändern?

Oliver Bähr: In Sachen Trainingsbeteiligung hat sich dann doch der Schlendrian eingeschlichen. Das ist leider kein gutes Zeichen für diese Bezirksliga, dass wir dennoch erfolgreichen Fußball gespielt haben. Wir haben drei mal pro Woche Training. Wer nicht mindestens zwei mal erscheint, spielt am Wochenende nicht. Unser Druckmittel ist, dass dann die Auflauf- und die evntuell damit verbundenen Siegprämien wegfallen, denn ein Grundgehalt können wir aktuell nicht mehr zahlen.

Autor: Heiko Gaeb

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