Sämtliche Rechnerei war für die Katz. Am Ende fehlten dem MSV, der auf 35 Rettungs-Punkte und ein ordentliches Torverhältnis spekuliert hatte, fünf Zähler zum Klassenerhalt.

MSV-Bilanz: Böcke, Bastelei und Bruchlandung

Vergebene Rettungs-Elfmeter

02. Juni 2008, 10:54 Uhr

Sämtliche Rechnerei war für die Katz. Am Ende fehlten dem MSV, der auf 35 Rettungs-Punkte und ein ordentliches Torverhältnis spekuliert hatte, fünf Zähler zum Klassenerhalt.

Nach nur einem Jahr in der Bundesliga geht es in der kommenden Saison gegen Ingolstadt, Oberhausen und Fürth. Letztlich reichte die Qualität bei den Zebras nicht, um über den ominösen Strich zu gelangen. In der Defensive, die erst im letzten Saisondrittel eine gewisse Eingespieltheit erlangte und zuvor etliche Male wegen Sperren oder Verletzungen umgebaut werden musste, war der MSV stets für einen Bock gut.

Im Mittelfeld haperte es mitunter krass an Schnelligkeit und Ideen, im Angriff hing fast alles an Manasseh Ishiaku. "Er war für uns einfach nicht zu ersetzen", stellte Trainer Rudi Bommer fest. Zehn Tore steuerte der ehemalige Brügger, der nach Doppelpacks gerne den Jubel-Flic-Flac präsentierte, bei. Doch viele Ausfall-Phasen brachten das Kraftpaket immer wieder aus dem Rhythmus.

Entscheidend für das Scheitern war vor allem die fürchterliche Heimbilanz. "Da haben wir zu viele Spiele in den Sand gesetzt", trifft Bommer den Nagel auf den Kopf. Gerade, als es darauf ankam, versagten die Nerven. Gegen Hannover stolperte man in über 80-minütiger Überzahl zu einem 1:1, gegen Cottbus rannte man 86 Minuten einem 0:1 nach. Vergeblich. Als es im KSC-Match lange Unentschieden stand, machte Duisburg auf.

Endstand: 0:1. So reihte sich ein Misserfolg an den anderen, die zwischenzeitlichen Überraschungen in Hamburg (1:0), Bremen (2:1) oder beim FC Bayern (0:0) ließen zwar Hoffnungen sprießen, doch letztlich hielten diese Husarenstreiche nur die Tür offen.

In Nürnberg stand für die Zebras drei Runden vor Schluss das Weichen-Spiel an, mit einer desolaten Vorstellung klappten Schlicke & Co. das Bundesliga-Kapitel zu. "Wir haben immer versucht, nach vorne zu spielen. Uns ist es nicht gelungen, mehrere Elfmeter zur Rettung zu nutzen. Meine Mannschaft hat einen guten Ball gespielt. Unter dem Strich kam leider zu wenig dabei heraus", bilanziert Bommer.

In der Tat waren Treffer von Blagoy Georgiev, der auf Schalke mit einem feinen Weitschuss über Keeper Neuer zur Führung traf oder gegen Leverkusen das 3:2 mit einem Hammer an Adler vorbei in den Winkel ballerte, schön anzusehen. Auch der Freistoß-Treffer von Claudiu Niculescu in Bochum oder der Direkt-Kracher von Michael Lamey im Hannover-Match zählten zur Kategorie "erste Sahne", doch in Sachen Effektivität mangelte es.

Die Verständigungs-Probleme im mit Rumänen, Holländern, Südamerikanern, Kroaten, Bulgaren und Franzosen gespickten Team bereiteten zusätzliche Probleme. Von der Bank aus musste immer wieder eingewirkt werden, so dass meistens nur die "beschallte" Außenbahn in der jeweiligen Halbzeit konzentriert agierte. Sobald die Seiten gewechselt wurden, schlichen sich Patzer ein. Bestes Beispiel: Pablo Caceres, der unheimlichen Schwankungen unterworfen war.

Das zum Teil blinde Anrennen gegen massive Deckungen kostete den MSV Kraft und Punkte. Auf den offensiven Außenbahnen gab es kaum Leute, die Löcher reißen und für Gefahr sorgen konnten. So mussten die Gegner eigentlich nur auf Fehler warten, um die Zebras aus dem Konzept zu bringen. Bis auf das lasche 2:4 in Frankfurt (Bommer: "Durch den feststehenden Abstieg war es da schwer, den Arsch noch Mal hochzubringen") und das 1:4 in Leverkusen wurde der Tabellenletzte kein Mal an die Wand gespielt, was das Verpassen des Saisonziels noch bitterer erscheinen lässt.

In Sachen Personalpolitik müssen sich die Verantwortlichen dringend hinterfragen. Die Verpflichtung von Ailton entpuppte sich in der Vorrunde als absoluter Rohrkrepierer und brachte mehr Unruhe als den gewünschten positiven Schub. Sich erst in der Winterpause von sogenannten "schwierigen Typen" wie dem redseligen Mo Idrissou und Youssef Mokhtari zu trennen, hätte man ebenfalls besser lösen können. Das Winter-Trainingslager fand ohne jeglichen Neuzugang statt, womit überhaupt kein Einspielen und Kennenlernen möglich war. Zu allem Überfluss sprang dann auch noch Hoffnungsträger Roque Junior ab, weil er sich körperlich nicht mehr in der Lage sah, zu helfen. Dass er mittlerweile ins Ausland abgewandert ist, um in Katar seine Dollars zu verdienen, steht auf einem anderen Blatt.

Bruno Hübner, seit Ende Januar neuer Sportchef, blieb bei der Verpflichtung neuer Kräfte wenig Zeit. Dass Bojan Vrucina keine Hilfe war und Fernando Avalos spät zündete, war kaum verwunderlich. Die Zusammenstellung der neuen Truppe muss allerdings passen, um im Unterhaus sofort Fahrt aufzunehmen.

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