Der WDR war da und filmte. Im Beitrag für die „Aktuelle Stunde“ ging es um Hooligans in den unteren Amateurklassen – und nicht um die Krise beim VfB Speldorf. Das 0:3 (0:0) gegen TuRU Düsseldorf war die vierte Niederlage in Folge. Am Blötter Weg beginnen bittere Zeiten.[i]Die Analyse.[/i]

Oberliga Nordrhein: Der Absturz des VfB Speldorf

Wütend waren nur die Fans

aer
23. Oktober 2006, 14:04 Uhr

Der WDR war da und filmte. Im Beitrag für die „Aktuelle Stunde“ ging es um Hooligans in den unteren Amateurklassen – und nicht um die Krise beim VfB Speldorf. Das 0:3 (0:0) gegen TuRU Düsseldorf war die vierte Niederlage in Folge. Am Blötter Weg beginnen bittere Zeiten.[i]Die Analyse.[/i]

Halbzeitpause am Blötter Weg. Es ist Sonntag, 15.50 Uhr, der Spätankömmling hat Hunger, stellt sich an der Pommesbude an. „Wie ist das Spiel?“ „Gut! 0:0 steht es, wir sind aber klar überlegen“, sagt ein VfB-Fan. „Ist nur eine Frage der Zeit bis zum ersten Tor.“ Dann bestellt er „einmal CPM“ und die Bedienung fertigt ohne einmal nachzufragen „Currywurst, Pommes, Majo“ an.

Dietmar Krippel, der Trainer der zweiten VfB-Mannschaft steht auf der Tribüne, er ist zufrieden. Durch das 5:2 beim TSV Heimaterde II hat die Reserve die Tabellenführung der Kreisliga B erfolgreich verteidigt. Die „Zweite“ hat gewonnen, die „Erste“ ist überlegen. So sieht ein perfekter Fußball-Sonntag an der „Blötte“ aus.

Doch dann die 51. Minute. David Müller flankt, Murat Aydin köpft, 1:0 für TuRU. Rumms. Danach bricht der VfB völlig zusammen. Florian Greve verwandelt nach erneuter Müller-Vorlage aus zehn Metern Entfernung zum 2:0. Erneut Aydin nutzt die totale Speldorfer Konfusion nach Weiß-Pass zum 3:0 (62.). Sechs Minuten später sieht Florin Nesimi Gelb-Rot, in Minute 72 muss Torwart Jonas Agen verletzt raus, doch auch in Unterzahl und ohne Stammkeeper schaukeln die Düsseldorfer den Sieg locker nach Hause.

97. Minute, Abpfiff. Keine Schlange vor der Pommesbude, die meisten der 750 Zuschauer sind längst auf dem Heimweg. „Mehr Wut“ hatte VfB-Trainer Piero Lussu im Stadionheft „BLÖTTE AKTUELL“ angekündigt. Doch wütend waren diesmal nur die Fans. Vier Niederlagen in Folge, der letzte Tabellenplatz ist nur noch vier Punkte entfernt. Am vierten Spieltag grüßte der VfB vom zweiten Platz, seitdem hat er gerade einmal vier Punkte geholt. Die Bilanz aus diesen acht Spielen: ein Sieg, ein Unentschieden, sechs Niederlagen. Ein Trend, der schwierige Zeiten erahnen lässt.

Doch woran liegt es? Zu viel hängt beim VfB von Sergii Tytarchuk ab. Seit Wochen fehlt der bisher beste Torschütze (fünf Treffer) aufgrund eines Muskelfaserrisses. Ohne den Ukrainer entwickelt der VfB keine Torgefahr. Vertreter Krzysztof Benedyk steht völlig neben sich, Torsten Jablonski rackert stets umsonst und Zugang Dennis Rommel hat sich noch nicht an die Oberliga gewöhnt. Spielmacher Marco Ferreira ist außerdem weit von seiner Form aus der Rückrunde der vergangenen Saison entfernt.

Liegt es am Trainer? Nein, denn die VfB-Elf spielt nicht gegen Lussu – sonst hätte sie beim MSV Duisburg II vor einer Woche (2:3) nicht so gut dagegengehalten. Glück hat der Coach im Moment aber nicht. In der 54. Minute wechselte er Abwehrchef Stefan Janßen aus und brachte Stürmer Rommel – Sekunden später fiel das 0:2.

Was ist mit den Fans? Nach dem Superstart waren sie viel zu euphorisch und träumten davon, dass ihr VfB sogar oben mitspielen kann. Nun reden fast alle Speldorfer vom Abstiegskampf. Ein stürmischer Herbst wartet auf Mülheims Fußballszene.

Im Internet-Forum des VfB wird der Ton rauer, einige fordern sogar schon „Lussu raus“. Dennoch denken die Speldorfer Anhänger auch an die Zukunft des Klubs. In Kooperation mit dem Verein luden die Fans Jugendliche des Kinderheims „St. Josefshaus“ zum Besuch des nächsten Spiels gegen den 1. FC Köln II ein (Sonntag, 15 Uhr). Dort existiert eine eigene Fußballgruppe von 10- bis 15-jährigen Kindern und Jugendlichen. Die Fans betreuen die Gruppe vor Ort, zeigen ihnen die komplette „Blötte“ und hoffen auf ein spektakuläres Spiel.

Dass es viele Tore für den VfB zu sehen gibt, ist aber seit gestern fraglich. Mehr als fraglich.
Auf Seite 2: Alle Stimmen, Zahlen und Fakten zum Spiel gegen TuRu Düsseldorf

Autor: aer

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