Vor sieben Jahren hat Thomas Ernst den VfL verlassen, schlug damals sogar ein Angebot des damaligen Coaches Ralf Zumdick aus, im Trainerstab mitzuwirken.

Bochum: Thomas Ernst sucht Wege zur Stabilisierung

Nachwuchsbereich im Blick

sala
23. Mai 2008, 08:42 Uhr

Vor sieben Jahren hat Thomas Ernst den VfL verlassen, schlug damals sogar ein Angebot des damaligen Coaches Ralf Zumdick aus, im Trainerstab mitzuwirken.

Stattdessen wechselte der heute 40-Jährige zum VfB Stuttgart, bevor er 2006 seine aktive Karriere beim 1. FC Kaiserlautern ausklingen ließ. Jetzt kehrt „Gustl“ an die Castroper Straße zurück, ab dem 1. Juli soll sich der neue Vorstand für Sport und Medien um den Profikader, das Scouting, aber auch den Nachwuchsbereich kümmern. Bei seiner offiziellen Vorstellung gab Ernst einen ersten Einblick in seine zukünftige Arbeit, seine Verbundenheit zum Club und seine Ziele in der Bundesliga.

Thomas Ernst, Sie sind ein alter Bekannter in Bochum. Hat das Ihre Verpflichtung positiv beeinflusst?
Meine Freude über die Rückkehr ist enorm groß, denn die Gradlinigkeit und Offenheit der Leute im Verein und in der Stadt hat mich immer beeindruckt. Meine Familie hat sich hier wohl gefühlt, und bis auf den Abstieg hatte ich hier eine rundum schöne Zeit.
Mit dem FSV Frankfurt, derzeitiger Tabellenzweiter in der Regionalliga Süd, können Sie noch den Aufstieg schaffen. Noch sind Sie also nicht beim VfL eingebunden!
Für den FSV ist das eine historische Chance, deshalb fange ich auch erst zum 1. Juli in Bochum an. Ich wollte zum Saisonabschluss beim FSV keine Unruhe reinbringen, alle sollen sich auf das große Ziel konzentrieren, der VfL hatte dafür sofort Verständnis.
Auch die Verantwortlichen bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber?
Natürlich gibt es den ein oder anderen Spruch, aber alle wissen, dass der Sprung in die Erste Liga eine riesige Möglichkeit für mich ist. Ich habe mir beim Amtsantritt in Frankfurt auch zwei, drei Jahre gegeben, obwohl die Bundesliga immer mein Traum war. Dass es so schnell ging, ist auch für mich überraschend.

Operativ können Sie noch nicht einwirken, wie halten Sie Kontakt zum Club?

Ich habe mit Trainer Marcel Koller und meinem Vorstandskollegen Ansgar Schwenken schon ein persönliches Gespräch geführt und telefoniere mit beiden regelmäßig. Ich bin über alle Geschehnisse informiert und gehe mit den bisherigen Entscheidungen konform. Es wurde schnell klar, dass die menschliche Chemie stimmt und wir vernünftig miteinander arbeiten können.
Haben Sie schon einen Vorschlag für die Besetzung der Torhüter-Position unterbreiten können?
Als ehemaliger Keeper kann ich die Kandidaten natürlich ganz gut beurteilen. Ich habe mit dem Trainer auch schon ein paar Gedanken ausgetauscht. Wir kamen da schnell auf einen Nenner, aber der ist nicht zu realisieren.
Auch in der Abwehr wird noch gesucht.
Ganz klar, dies sind die beiden Positionen, auf denen das Hauptaugenmerk liegt.

Auch in Frankfurt wurde nicht mit großen Etats gerechnet, eine Parallele zum VfL?
In der Bundesliga habe ich natürlich eine andere Verantwortung, aber auch in Bochum braucht man charakterlich gute Jungs, die ins Team passen. Wir müssen versuchen, günstige Spieler zu verpflichten. Deshalb ist auch die Arbeit im Nachwuchsbereich von großer Bedeutung. Wir müssen dahin kommen, dass die Talente den Verein nicht sofort wieder verlassen und zu den großen Clubs wechseln. Wenn wir mit Geld nicht locken können, müssen wir andere Argumente in die Waagschale werfen.
Zum Beispiel?
Dass man sich in Bochum entwickeln kann, immer mit der Perspektive sich auch im Profibereich zu etablieren.
Das möchte der VfL auch im Oberhaus. Ist das Ihr primäres Ziel?
Nürnberg hat gezeigt, dass das Eis für alle Mannschaften, die nicht zu den Top acht gehören verdammt dünn ist. Der VfL soll sich langfristig stabilisieren, damit die Gefahr immer geringer wird, dass es den Club einmal erwischt. Mittelfristig setze ich mir andere Ziele, dann möchten wir in der Tabelle zumindest etwas weiter nach oben schauen.
Haben Sie den VfL in der abgelaufenen Saison verfolgt?

Da ich einen full-time Job in Frankfurt habe, war nicht viel Zeit für eine genaue Analyse. Als mein Entschluss feststand, habe ich das Team natürlich bewusster verfolgt.
Hatten Sie in den vergangenen sieben Jahren Kontakt zum VfL?
Das schläft mit der Zeit alles etwas ein. Zu Funny Heinemann und Martin Meichelbeck hatte ich losen Kontakt, Werner Altegoer habe ich zuletzt 2006 im Trainingslager in Spanien getroffen. Aber wir haben noch Freunde in Bochum, fünfeinhalb Jahre sind ja auch eine lange Zeit.
Ziehen Sie mit der kompletten Familie zurück ins Revier?
Ja, meine Frau Kerstin und meine Söhne begleiten mich. Tjark kommt bald in die Schule, da passt ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt ganz gut.

Autor: sala

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