"Frage der Ehre" im Giuseppe-Meazza-Stadion

ar
12. April 2005, 08:45 Uhr

Wenn sich heute im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League Inter und der AC gegenüber stehen, stellt sich für viele Mailänder zum insgesamt 262. Mal die "Frage der Ehre".

Für die Bewohner der Modemetropole Mailand stellt sich am heutigen Dienstag erneut die "Frage der Ehre". Zum insgesamt 262. Mal geht für einige Stunden ein Riss durch Familien, Freundeskreise und Stadtteile. Denn der Fußball, der in Italien wie eine Religion verankerte "Calcio", erregt besonders intensive Emotionen. Inter empfängt heute Abend im Giuseppe-Meazza-Stadion zum Derby den Ortsrivalen AC (20.45 Uhr/live bei Premiere). Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League stehen die "Schwarz-Blauen" nach der 0:2-Niederlage in der Vorwoche gegen Milan an gleicher Stelle mit dem Rücken zur Wand und machen sich mit pathetischen Prognosen Mut.

Inter hofft auf Fußball-Wunder und frühes Tor

"Es hat im Fußball schon viele Wunder gegeben", meinte Trainer Roberto Mancini. Lieblingsbeispiel von Inter in dieser Kategorie ist das spektakuläre Scheitern des Erzrivalen in der "Königsklasse" im Vorjahr. Einem souveränen 4:1-Heimsieg gegen Deportivo La Coruna folgte beim blamablen 0:4 in Galizien eine der dunkelsten Stunden des AC Mailand. Nun soll unter Leitung des deutschen Unparteiischen Markus Merk (Kaiserslautern) ein weiteres Kapitel Derbygeschichte geschrieben werden.

Angespornt vom eigenen 1:0-Erfolg in der Serie A in Bologna und dem 1:1 des Ortsrivalen gegen Brescia, setzt Inter auf Offensive. "Wir brauchen ein frühes Tor. Dann läuft das von ganz allein", mutmaßte Cristiano Zanetti. Hoffnungsträger für alle Fans und Inter-Boss Massimo Moratti ist Rückkehrer Adriano. Der zuletzt verletzt fehlende Brasilianer, der acht Champions-League-Treffer auf dem Konto hat, soll für die notwendigen Tore sorgen. "Wenn Adriano dabei ist und wir eine Einheit bilden, haben wir eine Chance. Vielleicht fühlt sich Milan zu sicher", sagte Moratti.

AC ohne große Personalsorgen

Doch von Lässigkeit oder gar Überheblichkeit war auf Seiten des Tabllenführers in Italien nicht zu spüren. Der mit Problemen am Oberschenkel geschonte Kapitän Paolo Maldini kehrt zurück in die Startelf, und der Brasilianer Kaka forderte maximale Konzentration: "Wir müssen das 2:0 einfach vergessen. Physisch und psychisch ist das Derby eine ganz besondere Herausforderung. Und wir haben aus den Erfahrungen des Vorjahres gelernt." Auch personell gibt es bis auf die Gelb-Sperre für Gennaro Gattuso und den am Knie verletzten Filippo Inzaghi keine Sorgen.

Zudem spricht der Blick auf die Statistik zu Gunsten des AC Mailand. Inklusive der Premierenpartie am 18. Oktober 1908 im schweizerischen Chiasso in einem Freundschaftsspiel verließ Milan in 102 Spielen als Sieger den Platz. Inter gewann nur 87-mal und in 72 Fällen trennte man sich Unentschieden. Die besondere Emotionalität dieses lombardischen Derbys hat durch die Tradition nur zugenommen. Ob zu Hause in Mailand oder beim bisher am weitesten entfernt ausgetragenen Derby im Jahr 1969, als die Teams im Baseball-Stadion der New York Yankees im Stadtteil Bronx aufeinandertrafen.

Autor: ar

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