Marathon: Wolfgang Ruppelt wagt sich an den Halbmarathon

„Ich versuch’ das in meinem Tempo“

02. Mai 2008, 23:34 Uhr

Im letzten Jahr ist er das erste Mal angetreten. Für zehn Kilometer. Einer von 22.000 Läufern auf den Strecken des Ruhrmarathons 2007. Seine Betreuerin hatte ihn angemeldet, zum Schluss wurde er 45. auf seiner Strecke. Dieses Jahr läuft Wolfgang Ruppelt die größere Runde: PREVIEWENDE]Der Halbmarathon (21,0975 Kilometer) von Gelsenkirchen nach Oberhausen ist sein Ziel. Im Team der Werkstatt Constantin ist der 32-Jährige der einzige Beschäftigte mit Behinderung, der auf die Strecke geht.

Inzwischen läuft Ruppelt jeden zweiten Tag. „Ganz entspannt. Überwinden muss ich mich nur, wenn es regnet“, sagt er. „Die Uhr nehme ich erst mit, wenn es auf den 18. Mai zugeht.“ Vornehmen möchte sich der ruhige Mann mit dem blonden Kinnbart aber nicht zu viel. Allerdings gibt er zu: „Unter zwei Stunden möchte ich schon bleiben.“ Aber so richtig hat Ruppelt noch nicht darüber nachgedacht. Eigentlich ist er noch bescheidener: „Ankommen und Dabeisein ist alles.“ Aber durchhalten ist Pflicht: „Ich will niemanden enttäuschen, der im Ziel auf mich wartet.“

Morgens ist Ruppelt einfach mal den Weg zur Arbeit gejoggt, statt den Bus zu nehmen. Sieben Kilometer von Bochum-Weitmar in die Hiltroper Straße. „Ich dachte, ich seh nicht richtig.“ Ein bisschen lacht Constantin-Werkstattleiter Herbert Schröer immer noch, wenn er daran denkt, wie er Wolfgang zur Arbeit rennen sah. Aber das Training organisiert jeder für sich.

Jeden Freitag sehen sich Ruppelt und Schröer im Lauftreff der Werkstatt Constantin. Seit zehn Jahren arbeitet Ruppelt, der eine Lernbehinderung hat, in der Abteilung Haustechnik und Vorrichtungsbau. Dann tüfftelt er mit seinen Kollegen zum Beispiel an einer Saugvorrichtung, die den Staub der Schleifmaschine schluckt, bevor er den Raum vernebelt. Jeden Tag was anderes.

Sechs oder sieben Mitarbeiter sind jeden Freitag nach Feierabend beim Lauftreff dabei. Die Mannschaft tritt auch bei der Teamwertung für den 18. Mai an. Einheitliche T-Shirts hat die Druckerei schon geliefert.

Von den Beschäftigten ist Ruppelt der einzige aus der Werkstatt. „Ich hab noch einen Kollegen gefragt, der beim Fußball immer unheimlich ausdauernd über den Platz rennt. Aber der hat gesagt, Ausdauerlauf sei nicht seins. Aber ich würde mir schon wünschen, dass mehr Kollegen mitlaufen.“

An der 20-Kilometer-Marke kratzt Ruppelt jetzt manchmal im Training. „Die Strecke muss ich schließlich drin haben.“ Wenn er das schafft, dann ist das einer der Tage, an denen er denkt, er könnte ewig so weiterrennen. Aber manchmal läuft es auch gar nicht. Dann ist nach sechs Kilometern Schluss. Ein absoluter Durchhänger. „Ich zweifle und denke, ich schaffe es nicht.“

Ob Ruppelt sich an der ganzen Distanz versuchen will? „Ich hab mal überlegt, wie viel ich da trainieren müsste. Da gibt es dann nur noch das Laufen. Und das Daneben hat immer weniger Platz“, denkt der Bochumer nicht ernsthaft über die 42-Kilometer-Strecke nach. Das „Daneben“ ist seine Freundin, mit der er in Weitmar zusammenwohnt, der Fußball, das Schwimmen und dann noch die Klettergruppe. „Ich kann nicht ohne Sport“, betont Ruppelt lachend.

Was die Profis für Zeiten laufen, interessiert den 32-Jährigen natürlich auch – von Fachmann zu Fachmann. „Mit einer Stunde und vier Minuten hat einer den Halbmarathon im vergangenen Jahr gewonnen. Das ist Wahnsinn.“ Ruppelt selbst hat andere Ambitionen: „Ich hab nicht den Ehrgeiz so schnell zu laufen. Das wird Quälerei. Ich versuch das mit meinem Tempo zu schaffen.“

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