Die Pokalfestspiele sind vorbei, der Ligaalltag befindet sich auf der Zielgeraden, der schwarz-gelbe Blick muss nun in die Zukunft gerichtet werden.

RS-Kommentar: Dortmunds Trainer kämpft um seinen Job

Entscheidung muss schnell fallen

Randolf Kaminski
24. April 2008, 10:52 Uhr

Die Pokalfestspiele sind vorbei, der Ligaalltag befindet sich auf der Zielgeraden, der schwarz-gelbe Blick muss nun in die Zukunft gerichtet werden.

Neben den personellen Veränderungen im Spielerbereich, die - wie ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht – unvermeidbar sind, steht bei den Borussen die Thomas Doll-Frage ganz oben. Kommentare dazu sind der Führungsetage nicht zu entlocken, höchstens die wenig aussagekräftige Anmerkung, dass der Club keine Trainerdiskussion führt.

Doch damit ist den Borussen im Moment und auch weiterhin nicht geholfen, denn die Entscheidung, ob die Dortmunder mit dem jetzigen Fußballlehrer in die neue Saison gehen oder nicht, sollte so schnell wie möglich verkündet werden. Das verlangt schon der Anstand gegenüber Doll. Der hatte zu Recht vor dem Finale in Berlin von „Stillosigkeit“ gesprochen, als ausgerechnet vor dem Match gegen die Bayern Namen wie Frank Pagelsdorf oder Jürgen Klopp ins Gespräch gebracht wurden.

Spekulationen, die von Boss Hans-Joachim Watzke ins Reich der Fabel verwiesen wurden, ein eindeutiges Bekenntnis zum aktuellen Coach blieb aber aus. Ebenso beim anschließenden Mitternachtsbankett, bei dem die Mannschaft für ihren großen Kampf gelobt wurde. Nach warmen Worten für den 42-Jährigen lauschten die rund 500 Gäste, zu denen auch das gesamte Team gehörte, vergebens.

Doch genau dieses Schweigen ist absolut fehl am Platz. Das sportlich enttäuschende Bundesligaabschneiden des BVB, das durch den Hintertür-Sprung ins internationale Geschäft aufgepeppt wird, rechtfertigt eine vorzeitige Trennung vom Chefcoach durchaus, ist aber nicht zwingend notwendig. Wenn sie dennoch vollzogen wird, sollte sie nicht erst am Saisonende verkündet werden, weil die anhaltende Diskussionen sowohl dem Ansehen von Doll als auch von Borussia Dortmund Schaden zufügen.

Schon jetzt wird jede Kleinigkeit registriert und auf die Negativ-Waage gelegt. So plauderte Watzke aus, dass er am vergangenen Samstag eine flammende Rede an die Auswahl gerichtet habe, weil er der einzige sei, auf den sie noch höre. Außerdem wurde plötzlich bekannt, dass der Trainer bei einem Abschied vor dem Vertragende im Juni 2010 eine Abfindungssumme von lediglich 450.000 Euro erhalten soll. Eine Indiskretion, die wohl eher dem Verein als dem Trainer passen dürfte.

Nach den Trainerwirren der Vorsaison ist es auch vorstellbar, dass die Führungsetage mit Doll weitermacht, damit endlich mehr Kontinuität einzieht. Die Bundesliga-Erfolgsskala spricht klar dagegen, die Pokalbilanz dafür. Es liegt bei den Verantwortlichen, welcher Wettbewerb mehr Gewicht hat. Doll weist auf die Rückkehr in den UEFA-Cup hin und kämpft um seinen Job. Eine vorzeitige Trennung ist im Sport Normalität, sie sollte allerdings sauber vollzogen werden. Wenn sie nicht gewollt ist, muss dem Trainer öffentlich der Rücken gestärkt werden. Egal für welchen Weg sich die Borussen entscheiden, er muss nur ganz schnell beschritten werden.

Autor: Randolf Kaminski

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