Bisher fuhr das BMW-Sauber-Team den Spitzen-Teams der Formel 1 nur hinterher. Doch vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona am Sonntag (14 Uhr) hat sich Rollenverteilung gedreht, die Konkurrenz jagt BMW. Die Münchner führen mit 30 Punkten die Konstrukteurswertung vor Ferrari (29) und McLaren-Mercedes (28) an.

Formel 1: BMW erstmals Gejagter in Barcelona

Glock will "in die Punkte fahren"

sid
24. April 2008, 08:24 Uhr

Bisher fuhr das BMW-Sauber-Team den Spitzen-Teams der Formel 1 nur hinterher. Doch vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona am Sonntag (14 Uhr) hat sich Rollenverteilung gedreht, die Konkurrenz jagt BMW. Die Münchner führen mit 30 Punkten die Konstrukteurswertung vor Ferrari (29) und McLaren-Mercedes (28) an.

"Ein Gefühl, dass wir durch die dreiwöchige Pause seit dem Rennen in Bahrain ein bisschen länger auskosten durften", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Während BMW nach Podiumsplätzen in allen drei bisherigen Rennen, der ersten schnellsten Rennrunde durch Nick Heidfeld (Mönchengladbach) in Malaysia und der ersten Pole Position durch Robert Kubica (Polen) in Bahrain auf einer Erfolgswelle schwimmt und auf dem eigenen Wunschzettel für 2008 jetzt nur noch den ersten Sieg stehen hat, muss Rivale Mercedes zurück in die Spur finden. Nach dem mäßigen Wüsten-Auftritt in Bahrain sollen Vize-Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) und Heikki Kovalainen (Finnland) möglichst wieder mit um den Sieg fahren. Ferrari dagegen will mit dem Schwung vom Doppelsieg in Bahrain auch in Barcelona auftreten.

Alle Teams haben auf der Hauptteststrecke der Formel 1 in der vorigen Woche intensiv zahlreiche Verbesserungen an ihren Autos ausprobiert. "Ich bin gespannt, ob wir mit den Neuentwicklungen einen größeren Fortschritt erzielt haben als die Konkurrenz", sagt Heidfeld, der in der Fahrerwertung mit 16 Punkten hinter Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland/19) im Ferrari auf Platz zwei liegt: "Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir genauso stark sein werden wie in Australien, Malaysia und Bahrain."

Mercedes-Sportchef Norbert Haug geht davon aus, dass die Kräfteverhältnisse beim Europa-Debüt der Formel 1 "ähnlich den bisherigen Rennen sein dürften" - trotz der Anstrengungen aller Teams. Große Ansagen will Haug aber nicht machen. "Alle im Team wollen ein gutes Ergebnis für Lewis und Heikki. Das war in der Formel 1 schon immer eine bessere Aussage als die besten verbalen Erklärungen", sagte Haug.

BMW stimmte sich unterdessen mit einem echten Heimspiel auf das erste Rennen als Spitzenreiter ein. Im BMW-Stammwerk 1.1 in München sorgte Heidfeld mit einem F1.07 für viele leuchtende Augen und bescherte mehreren Tausend Mitarbeitern der Frühschicht einen unvergesslichen Tag.

Allerdings auch seinen eigenen Mechanikern: Denn bei einer Runde beschädigte er die Nase seines Vorjahres-Autos. "Die Mauer war schuld, sie wollte mich nicht vorbeilassen", sagte "Quick Nick". Theissen nahm Heidfeld den kleinen Crash aber nicht übel. "Wir werden die Nase jetzt unter den Mitarbeitern versteigern", sagte er. "Es war eine geile Stimmung und hat Riesen-Spaß gemacht", meinte Heidfeld, der auf der vorbereiteten Strecke im Werksgelände auch durch einen Tunnel raste: "Der Sound war besser als in Monaco", meinte er.

Die vier übrigen deutschen Fahrer erhoffen sich von dem Rennen in Barcelona einen Aufwärtstrend. Während Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) in Bahrain als Achter nach dem Rückschlag von Malaysia zumindest schon wieder in die Punkte zurückgekehrt war, warten Timo Glock (Wersau) bei Toyota, Sebastian Vettel (Heppenheim) bei Toro Rosso und Adrian Sutil (Gräfelfing) bei Force India noch auf ihr erstes Erfolgserlebnis.

"Ich möchte in die Punkte fahren", sagt Glock nach Platz neun zuletzt in Bahrain und fügt hinzu: "Ich habe ein gutes Gefühl für das Wochenende." Vettel kann am Wochenende in Katalonien nur auf sein neues Luxus-Wohnmobil zurückgreifen, auf der Strecke ist er zum letzten Mal im Vorjahres-Toro-Rosso unterwegs. Der Nachfolger, den Teamkollege Sebastien Bourdais in der vorigen Woche bei den Testfahrten heftig beschädigte, ist erst für das übernächste Rennen in Istanbul vorgesehen. Sutils Ziel ist es, erstmals in dieser Saison seinen neuen erfahrenen Teamkollegen Giancarlo Fisichella (Italien) hinter sich zu lassen.

Autor: sid

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