Sie tragen die doppelte Verantwortung: Spielertrainer sind in den unteren Ligen ein weit verbreitetes Phänomen. Doch was kennzeichnet diesen schwierigen Job, der zugleich Leistung auf und neben dem Platz erfordert? Und welchen Vorteil hat der Spielertrainer gegenüber dem Coach, der „nur“ an der Seitenline zusieht?

Durchblick: Spielertrainer

Kickende Chefs

Felix Guth
18. April 2008, 18:37 Uhr

Sie tragen die doppelte Verantwortung: Spielertrainer sind in den unteren Ligen ein weit verbreitetes Phänomen. Doch was kennzeichnet diesen schwierigen Job, der zugleich Leistung auf und neben dem Platz erfordert? Und welchen Vorteil hat der Spielertrainer gegenüber dem Coach, der „nur“ an der Seitenline zusieht?

Für Thomas Drathen, seit knapp eineinhalb Jahren spielender Trainer beim Bezirksligisten TuS Stockum, steht fest: „Man braucht ein dickes Fell.“ Denn anders als in der Zeit, in der nur die Leistung auf dem Platz zählte, wird der Spielertrainer von mehreren Seiten beurteilt. „Da bekommt es einem nicht gut, wenn man auf alles hört, was geredet wird.“

Gleichzeitig habe er als Teil der Mannschaft und als Chef jedoch einen großen Vorteil. „Du bist näher dran an den Jungs“, meint Drathen. Doch auch hier gibt es Grenzen. Mitfeiern ist nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich, manche Diskussionen innerhalb des Teams muss ein Spielertrainer auch schon mal überhören. „Es ist wichtig, eine gewisse Distanz zu wahren“, sagt Drathen, der vor seiner erfolgreichen Tätigkeit in Stockum beim Türkischen SV Witten die Schattenseiten dieser Art von Trainerjob kennen lernte.

Doch was kann ein Spielertrainer, was der klassische Coach nicht kann? Drathen: „Man hat ein anderes Gespür für das Spiel. Manches bemerkt man eher, als wenn man nur draußen steht.“ Das Mitwirken auf dem Platz lasse daher direkte Rückschlüsse auf die Trainingsgestaltung zu. Letztlich funktioniere es aber nicht ohne einen verlässlichen Assistenten, der während des Matches und im Training Teile der Organisation übernimmt.

Das Spielertrainer-Dasein hat klare Leistungsgrenzen. In der Kreis- und Bezirksliga noch sehr verbreitet, finden sich schon in der Landesliga kaum noch solche Lösungen. „Der Aufwand wird dann einfach zu groß“, vermutet Drathen. Ein häufiges Argument für Spielertrainer-Modelle sind in den unteren Ligen außerdem die geringeren Kosten gegenüber eines „hauptamtlichen“ Übungsleiters.

Viele „alternde Stars“ suchen auch im Amateurfußball gerne den sanften Übergang in eine Trainerkarriere. Mit ihrer fußballerischen Klasse helfen Ex-Profis ihren Heimatvereinen und lernen zugleich, worauf es im Trainergeschäft ankommt – für beide Seiten eine meist fruchtbare Lösung. Schwierig wird es allerdings dann, wenn die Leistung der „Chefs“ auf dem Platz nicht stimmt.

Im deutschen Profi-Fußball wird es im Übrigen so bald wohl keine Spielertrainer geben. Dort ist die Betreuung eines Teams nur durch einen „anwesenden“ Trainer mit entsprechender Lizenz möglich. Mit dem bereits in der Nationalmannschaft bewährten „Teamchef“-Modell könnte dies in der Theorie allerdings umgangen werden.

Deutsche Trainerlegenden wie Hennes Weisweiler, Helmut Schön, Helmut Benthaus oder auch Bundestrainer Joachim Löw begannen ihre Karriere als Spielertrainer. Weltstars wie Ruud Gullit, Gianluca Vialli oder Romario hatten im Herbst ihrer Karriere ebenfalls für einige Zeit die Doppel-Funktion inne.

Autor: Felix Guth

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