Fernando Morientes wurde von Real Madrid abgeschoben und erlebt nun beim AS Monaco seinen dritten Frühling. Neben der Torjägerkrone will sich der Stürmer mit dem AS gegen Porto auch den Champions-League-Titel sichern.

Morientes: Vom Bankdrücker zum Prinzen von Monaco

26. Mai 2004, 11:28 Uhr

Fernando Morientes wurde von Real Madrid abgeschoben und erlebt nun beim AS Monaco seinen dritten Frühling. Neben der Torjägerkrone will sich der Stürmer mit dem AS gegen Porto auch den Champions-League-Titel sichern.

Bei Real Madrid wollte man ihn nicht mehr und Schalke 04 war er zu teuer: Fernando Morientes erlebt in dieser Saison dennoch ein wahres Fußball-Märchen: Heute kommt der Stürmer beim Endspiel der Champions League gegen den FC Porto als "wahrer Prinz von Monaco" (AS) in die Arena AufSchalke. Beim AS Monaco feierte der Stürmerstar eine "Wiederauferstehung" (Marca), griff zum vierten Mal nach der europäischen Krone und kann sich nun für die neue Saison seinen Klub aussuchen.

"Ich war verblüfft, dass nicht schon vor dieser Saison viele Vereine um ihn gebuhlt haben", sagte Jupp Heynckes: "Er ist ein Spieler, wie man ihn sich als Trainer nur wünschen kann." Heynckes gewann mit Morientes und Real Madrid 1998 die Königsklasse und wollte den Stürmer im Sommer nach Schalke lotsen, als er bei den "Königlichen" vor Weltmeister Ronaldo flüchtete: Zum Eklat war es beim Champions-League-Spiel in Dortmund gekommen, als der damalige Real-Coach Vicente Del Bosque Morientes als Joker bringen wollte und dieser sich angeblich mit den Worten "Spiel doch selbst, Du Hurensohn" geweigert hatte.

"Ich war der Erste, der ihn haben wollte. Monaco hat es realisiert, weil man dort keine Steuern zahlen muss", berichtete der Schalke-Chefcoach. Die Verhandlungen der Schalker mit "Moro" scheiterten an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen. Drei Millionen netto verdient Morientes, Real zahlt davon angeblich 65 Prozent.

Süße Rache im Viertelfinale

Kurios daher, dass der in Spaniens Nationalteam bei der EM gesetzte Angreifer die Madrilenen im Viertelfinale mit zwei entscheidenden Treffern aus der Champions League kickte. "Die süße Rache von einem der besten Stürmer der Welt", schrieb Marca damals. Markige Worte des Gefeierten erwartete man aber umsonst: "Das Schicksal hat mich gezwungen, gegen Freunde zu spielen", bekannte er.

Dennoch überschlagen sich seitdem auch die prominentesten Fürsprecher der Szene mit Lobeshymnen auf Morientes. "Wir sind sehr erfreut. Er ist Monacos bester Spieler und hat sich toll entwickelt", meinte plötzlich Real-Präsident Florentino Perez. Und auch der starke Mann in Monaco, Prinz Albert, ist großer Morientes-Fan: "Wenn er könnte, würde er bleiben, das wäre toll." Trainer Didier Deschamps ergänzte: "Er war ein Vorbild für alle. Ohne ihn wären wir nicht ins Endspiel gekommen." Monaco drückt trotz des Siegeszugs in der europäischen "Königsklasse" aber weiter ein hoher Schuldenberg.

Morientes´ Zukunft in London?

Der Umworbene selbst weiß angeblich schon, was er macht: "Ich bin mit einem Klub kurz vor einer Einigung", verkündete er. Der Verein, den er nicht nennen wollte, soll Medienberichten zufolge der FC Chelsea sein. Auch deren Londoner Stadtrivale FC Arsenal sowie Italiens Rekordmeister Juventus Turin und AS Rom bieten mit im Poker um den 28-Jährigen. Erst entscheidet aber wohl Reals neuer Coach Jose Antonio Camacho, ob er die Nummer "9" zurückholt.

Für Heynckes hat sich der Traum von einer Verpflichtung des Starstürmers erledigt. Dennoch kommt der Coach regelrecht ins Schwärmen, wenn die Rede auf Morientes kommt. "Er war immer mein Lieblingsspieler in Spanien. Er hat Torinstinkt, ein tolles Timing im Kopfball, ist ein intelligenter und sympathischer Junge. Trotz aller Erfolge ist er bescheiden geblieben und hat auch in Monaco nicht den Star rausgekehrt."

Dass der sensible Stürmer bei den Monegassen aufblühte, lag demnach nicht zuletzt am Teamgeist der Kicker aus dem Fürstentum. "Nach unserem 2:1-Sieg in Eindhoven lagen sich die Spieler in den Armen, sangen und feierten in der Kabine", erinnerte er sich: "So etwas kannte ich von Real nicht mehr. Duschen, in den Flieger, abhaken - das war dort die Realität."

Autor:

Kommentieren