Es waren die beiden besten Leistungen in diesem Jahr, doch nach dem Aus in der Champions League beim FC Barcelona hat der FC Schalke innerhalb von nur vier Tagen den zweiten ganz bitteren Rückschlag erleben müssen.

1:5! Nach Aus in der Champions League der nächste Rückschlag

Slomka-Diskussion wird schärfer

Heiko Buschmann/Stefan Bunse
13. April 2008, 11:38 Uhr

Es waren die beiden besten Leistungen in diesem Jahr, doch nach dem Aus in der Champions League beim FC Barcelona hat der FC Schalke innerhalb von nur vier Tagen den zweiten ganz bitteren Rückschlag erleben müssen.

Beim 1:5 in Bremen, der höchsten Bundesliga-Niederlage seit 13 Jahren, verloren die Königsblauen gleich vier Punkte im Kampf um die erneute Qualifi kation für die europäische Königsklasse, denn gegenüber den wieder auf Rang zwei stehenden Hanseaten hat man nun auch das deutlich schlechtere Torverhältnis. „Wir haben uns wieder gesteigert und einen Schritt nach vorne gemacht“, fiel Thomas Schaaf dennoch nicht in Begeisterung. „Die erste Halbzeit war ganz schön unrund. Wir sind von der Leistungsfähigkeit her noch lange nicht da, wo wir hin wollen“, mahnte Werders Coach in der Stunde des fetten Sieges.[box_rsprint]

Dass die Schalker vor dem kommenden Wochenspieltag in der Tabelle nicht gleich weiter durchgereicht wurden, haben sie erneut dem MSV Duisburg zu verdanken. Wie schon vor zwei Wochen an der Weser leisteten die „Zebras“ den Schalkern auch beim 1:0 in Hamburg Schützenhilfe. „In der Halbzeit kamen wir uns in der Kabine wie im falschen Film vor“, staunte S04-Trainer Mirko Slomka über den kuriosen Spielverlauf. „Wir hätten 1:0 in Führung gehen müssen, stattdessen lagen wir plötzlich mit 0:2 hinten. Aber worüber reden wir? Wir sind auf des Gegners Platz mit 1:5 ganz schwer geschlagen worden.“

Und genau das könnte ihm in wenigen Wochen zum Verhängnis werden. Wenn nach dem Saisonende am 17. Mai das Erreichte bilanziert wird, soll neben einem der ersten drei Plätze in der Meisterschaft auch das hohe Lied vom guten Fußball gesungen werden. „Das Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen aller meiner Kritiker. Dass jetzt noch mehr Kritik aufkommt, ist klar“, weiß Slomka, der auch eine Stunde nach dem Abpfiff in Bremen reichlich angeschlagen wirkte. „Etwas überrascht war ich dagegen, dass es auch nach unserer guten Leistung in Barcelona Kritik gehagelt hat. Da haben mich schon die Spieler in der Kabine gefragt: Trainer, was ist eigentlich hier los?“, hat der 40-Jährige in seiner Mannschaft noch Profis ausgemacht, die hinter ihm stehen.

Einer aus dem Vorstand, der dies in den ersten zwei Jahren Slomkas fast bedingungslos getan hatte und diese Haltung erst in den vergangenen Wochen mit einem peinlichen Eiertanz aufgegeben hatte, ist Andreas Müller. Doch ausgerechnet nach den beiden bittersten Niederlagen in diesem Jahr wirkte der Schalker Manager, als ob er den Gang der Zeit noch aufhalten wolle. „Akzeptanz erreichst du als Trainer, wenn du eine klare Linie vorgibst. Die musst du in gute Arbeit umsetzen, das ist definitiv geleistet worden“, erkannte Müller einen Fortschritt im Wirken Slomkas mit seiner Mannschaft.[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/129-7428_preview.jpeg Bittere Momente: Slomka nach der höchsten S04-Niederlage seit 13 Jahren. (Foto: firo)[/imgbox]

„Ich habe in den letzten Wochen oft gefordert, dass es mir auf die sportliche Perspektive ankommt. Die sehe ich positiv. Wir haben schon in Barcelona guten Fußball gespielt und hier in Bremen auch. Jetzt kommt es darauf an, auch die entsprechenden Ergebnisse zu erzielen“, fehlt dem 45-Jährigen nur noch die gesunde Mischung aus Aufwand und Ertrag, um von der jetzigen Konstellation offenbar
nicht abrücken zu wollen. „Fußballerisch war das eine klare Steigerung. Werder hatte vor einigen Wochen nach der 3:6-Niederlage in Stuttgart eine ähnliche Situation und sie sind ruhig geblieben. Wir stehen weiterhin auf Platz drei und haben daher alle Möglichkeiten, unser Ziel zu erreichen. Deswegen sage ich zum Trainerthema jetzt gar nichts mehr“, ist Müller das Gerede um Slomka leid. „Im Verein müssen alle ihre Kräfte bündeln, um das Ziel zu erreichen und dann werden wir uns am Ende der Saison zusammensetzen und die Serie analysieren. Seitdem Mirko bei uns ist, gibt es immer Kritiker, die quer schießen, damit müssen wir leben“, stellt der Ex-Profi fest. „In den fast zwei Jahren, in denen ich jetzt verantwortlich als Manager arbeite, sind alle meine Ideen und Vorschläge umgesetzt worden. Sicher war das kein schlechter Weg“, hält Müller trotzig dagegen.

Er möchte denjenigen, die behaupten, die Entscheidung in der Trainerfrage falle in Rheda beim mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies und seinem
Verbündeten Josef Schnusenberg, den Wind aus den Segeln nehmen.

Auch Slomka selbst behauptet, er bräuche „keine klärenden Worte, wir müssen einfach unsere Ziele erreichen“. Er hat „keine Lust mehr mich zu verteidigen. Ob ich der richtige Trainer für Schalke bin, müssen andere Leute beurteilen“. Die Medien könnten aber „nur das schreiben, was sie erfahren haben“.

Eine klare Aussage, ob es mit Slomka noch weitergeht oder eben nicht, kam in den letzten Wochen weder von Tönnies noch von Schnusenberg und auch nicht von Müller. Das ist eigentlich deutlich genug.

Autor: Heiko Buschmann/Stefan Bunse

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