Sie haben mehr erreicht als geplant. Doch als am Sonntagnachmittag im Frankfurter Eisstadion am Ratsweg die Schlusssirene ertönte und sich die Lions-Spieler jubelnd in den Armen lagen, fühlten die Iserlohn Roosters nur endlose Leere.

Iserlohn Roosters: Enttäuschung überwiegt

„Das ist nicht die Normalität“

Michael Topp
03. April 2008, 22:02 Uhr

Sie haben mehr erreicht als geplant. Doch als am Sonntagnachmittag im Frankfurter Eisstadion am Ratsweg die Schlusssirene ertönte und sich die Lions-Spieler jubelnd in den Armen lagen, fühlten die Iserlohn Roosters nur endlose Leere.

Trainer Rick Adduono, der den Traum vom Titel so intensiv geträumt hatte, sank in sich zusammen und starrte minutenlang ins Leere. Aus im Viertelfinale! Eine Enttäuschung! Eine Enttäuschung? Die Antworten waren nahezu identisch. Natürlich waren die Sauerländer deprimiert, dass sie nicht die Vorschlussrunde gegen die Kölner Haie erreicht hatten. Natürlich waren sie enttäuscht, dass sie nach einer 3:1-Führung in der Serie gleich drei Matchbälle nicht verwandeln konnten.

„Ein Hundert-Meter-Läufer bremst ja auch nicht bei fünfundneunzig Metern ab”, so die plakative Reaktion von Roosters-Chef Wolfgang Brück nach dem 3:4 im siebten, alles entscheidenden Spiel, in dem die Sauerländer noch einmal eindrucksvoll ihre Tugenden herausgestellt hatten, als sie hundemüde und platt nach einem 1:4-Rückstand in der Schlussphase bei Überzahl vor dem Ausgleich standen!

Was diese Mannschaft bewerkstelligt hatte, drückte die Aussage von Frankfurts Coach Rich Chernomaz eindrucksvoll aus: „In neun Jahren als Trainer in der DEL war das für mich die schwierigste Play-off-Serie.” Und weiter: „Die Roosters haben mit nur acht Stürmern gespielt und Enormes geleistet.”
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/005/688-5772_preview.jpeg Michael Wolfs Resümee nach dem Play-off-Aus: "Uns fehlte am Ende die Kraft." (RS-Foto: firo)[/imgbox]
Tröstende Worte eines Siegers, die zwar vernommen wurden, aber nicht weiterhalfen. „Nach einer 3:1-Führung ist jetzt die Enttäuschung groß”, so Nationalverteidiger Chris Schmidt. „Wir konnten nicht mehr so viel Druck machen, weil uns die Kraft fehlte”, analysierte Torjäger Michael Wolf.

Aber es gab auch Anzeichen von Zufriedenheit, überhaupt so weit gekommen zu sein. Kapitän Robert Hock: „Das war eine gute Saison.” Verteidiger Collin Danielsmeier: „Die Mannschaft hat alles gegeben und in dieser Spielzeit gesundheitlich viele Opfer gebracht.” Damit sprach er die zahlreichen Ausfälle wichtigster Leistungsträger an, die allesamt immer wieder verkraftet wurden, wenngleich in der über die volle Distanz gehenden Viertelfinaleserie dieser „Blutzoll” dann doch zu spüren war.

Aber Manager Karsten Mende brachte schließlich die Serie aus Iserlohner Sicht auf den einzig richtigen Punkt: „Wir waren die Sensation der Saison.” Beim Blick in die Gesichter wurde jedoch deutlich: Alle hätten gerne an einer noch größeren Sensation weitergearbeitet.

Da dürften die aufmunternden Anfeuerungen der Fans nach dem Match in Frankfurt und bei der Ankunft am Abend in Iserlohn Balsam auf die Wunden gewesen sein. Und wenn am morgigen Freitag die Saisonabschlussfeier startet, werden die Roosters-Cracks noch einmal hautnah spüren, was sie Großartiges geleistet haben. Gleichwohl Brück völlig zurecht mit Blick in die Zukunft die Euphoriebremse tritt: „Das ist nicht die Normalität, was wir erreicht haben.”

Autor: Michael Topp

Kommentieren