Manchmal macht brachiale Wortgewalt deutlich, was erreicht werden muss.

RWE: Bus sprang nicht an – Gespräche im Fan-Block

Kulm steht bewusst vor dem Team

ul
01. April 2008, 08:52 Uhr

Manchmal macht brachiale Wortgewalt deutlich, was erreicht werden muss.

Erfurts Trainer Carsten Baumann ließ sich nicht lumpen: „Ich habe meinen Jungs gesagt: Scheiß egal wie, aber ihr müsst gewinnen.“ Der Tenor bei der Team-Ansprache von Kollege Michael Kulm dürfte ähnlich gewesen sein, vielleicht etwas ausgesuchter bei der Formulierung.

Baumann meinte noch: „Nach der Pause hatten wir Glück und einen guten Keeper, so dass wir keinen Gegentreffer kassierten.“ Und Tore entscheiden nun einmal über Glücksgefühle oder Frust. Vom letzteren hatte Kulm eine Menge, allerdings betonte er bewusst positive Aspekte: „Wir haben uns gute Möglichkeiten erspielt, es lief über die Außen und durch die Mitte, diese Momente hatten wir. Leider schafften wir kein Tor.“ Wie gesagt, der entscheidende Aspekt.

Kulm ließ sich nicht beirren, stellte sich nach sieben Arbeitstagen mit seiner Truppe vor die Akteure: „Es war schon nach dieser Woche zu sehen, dass die Auswahl bemüht ist, Dinge umzusetzen. Ich habe vor dem Match gemerkt, die Konzentration und Anspannung war riesengroß, das macht Mut für die kommenden Aufgaben.“

Das Trainer-Prinzip ist klar und ein Muss – Kulm: „Wirkliche Klasse zeigt sich, dass man wieder aufsteht.“ Bis zum nächsten Sonntag hat der 42-Jährige Zeit, den Hebel umzulegen. Vor allem offensiv. Das sieht auch Sercan Güvenisik so: “ Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen. Wir haben schon seit Wochen diese Ladehemmung, wir kriegen die Kugel einfach nicht über die Linie gedrückt.“

Echte Maloche wartet. Güvenisik schreibt allen in das Gebetbuch: „Wir dürfen aber jetzt nicht aufgeben.“ Ein Blick in die vertraglichen Pflichten dürfte das ausschließen. Der Ex-Duisburger weiter: „Es wird schwer, es sind nur noch neun Spiele und die anderen schlafen auch nicht.“ Nicht wirklich. Der Stürmer ist absolut davon überzeugt: „Die Mannschaft kämpft und will alles in ihrer Macht geben, auch die Anhänger dürfen nicht aufgeben.“

Die waren noch lange im Block, auch dort machte sich pure Ernüchterung breit, dazu das Grauen vor einer langen Heimfahrt, jeder wohl mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt: Die Einsamkeit in der Gruppe. Michael Lorenz ging 20 Minuten nach Spielschluss aus der Kabine noch einmal zu den Reisenden, auch Paul Jans und David Czyszczon diskutierten. Lorenz: „Die Kulisse macht sich einfach Sorgen, genau wie wir auch.“

Wartezeit war zwar nicht vorprogrammiert, jedoch unvermeidlich, vor allen Dingen deshalb, weil auch der Team-Bus nicht ansprang. Wie passend! Die Truppe saß so lange draußen auf einer Steintreppe und aß die obligatorischen Nudeln. Der ADAC kam mit einem Überbrückungskabel – irgendwie hat das Symbolcharakter.

Autor: ul

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