Vor der Partie gab es zwei grundverschiedene Sichtweisen auf das Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem Karlsruher SC.

Dortmund: Miller der Stürmer-Albtraum

KSC-Keeper verhagelt BVB das Osterfest

Matthias Dersch
23. März 2008, 17:59 Uhr

Vor der Partie gab es zwei grundverschiedene Sichtweisen auf das Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem Karlsruher SC.

Die eine offenbarte den Blick aufs absolute Liga-Mittelmaß, Platz 13 trifft auf Platz 9, wen soll das schon groß interessieren? Die andere, weitaus breiter vertretene Interpretation dieser Begegnung hieß jedoch „Pokalfinalist gegen Überraschungsteam“. Und so strömte am gestrigen Nachmittag
nicht nur der Regen vom Himmel, sondern auch stolze 74.300 Menschen in den prall gefüllten Signal Iduna Park, um sich ein sehr unterhaltsames 1:1 (1:0)-Unentschieden zwischen einem stark verbesserten BVB und einem leicht enttäuschenden
KSC anzuschauen.

Dass die Partie von Beginn an Fahrt aufnahm, lag vor allem an
den Dortmundern, die deutlich lockerer als noch unter der Woche im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Carl Zeiss Jena agierten und das umsetzten, was vor allem Sportdirektor Michael Zorc unter der Woche forderte: volles Engagement für den angestrebten Platz neun.

Gleich drei Baustellen in der BVB-Elf besetzte Trainer Thomas Doll, der bis auf die Rekonvaleszenten Roman Weidenfeller, Philipp Degen und „Kuba“ alle Mann an Bord begrüßen dürfe. Neben Nelson Valdez, der für Alexander Frei ins Team kam, setzte Doll auch auf Rückkehrer Florian Kringe, der nach seinem Kurz-Comeback gegen Jena nun von Beginn an ran durfte, und Bayern-Leihgabe Mats Hummels, der auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rückte. Dafür flogen der zuletzt schwache Delron Buckley und, etwas überraschend, Martin Amedick aus der erste Elf.

Die Änderungen fruchteten schnell, der BVB erarbeite sich früh eine optische Feldüberlegenheit und setzte sie auch in Torchancen um. Gleich dreimal (3., 5., 13.) scheiterte Valdez am starken KSC-Schlussmann Markus Miller, und auch Giovanni Federico fehlte es am nötigen Zielwasser, als er einen Schuss aus gut 20 Metern deutlich zu hoch ansetzte (5.). Erlösung brachte ein filigran geschossener Freistoß von Dortmunds erfolgreichstem Torschützen Mladen Petric (23.), der sich damit bereits zum zwölften Mal in die Torjägerliste eintragen durfte. Der Schweizer profitierte dabei jedoch von einer Unaufmerksamkeit in der KSC-Hintermannschaft: Miller hatte vier Mann für die Mauer gefordert, aber nur zwei Kicker folgten seinem Ruf. Eine Chance, die sich Petric nicht nehmen ließ.

Nach der Pause schien sich das Blatt jedoch gewendet zu haben, drückte doch auf einmal der KSC die Dortmunder weit in die eigene Hälfte. Und so kam es, wie es kommen muss, wenn man das Tor trotz weiterer hochkarätigen Chancen (49., 58., 61.) einfach nicht treffen möchte: Der Gegner trifft den Kasten.

Kringe hatte den Ball im Mittelfeld verloren, Hajnal erkannte die Situation am schnellsten, schickte Sebastian Freis steil, der dank der freundlichen Mithilfe von Dede das Leder über die Linie bugsierte (63.). Fortan rannte der BVB wie wild auf das Tor der Gäste an und erspielte sich weitere 100-prozentige Möglichkeiten. Dass der Tag für den KSC nicht in einem Debakel endete, lag einzig und allein an Miller, der sich als wahrer „Supermann“ zwischen den Pfosten erwies. Wie ein Magnet zog er die Schüsse von Petric (76., 80., 82.) an und hatte im richtigen Moment das Glück des Tüchtigen, als Wörns bei seinem Treffer in der Nachspielzeit um Zentimeter im Abseits stand (90.+2.).

„In der ersten Halbzeit haben wir guten Fußball gespielt und es hat richtig Spaß gemacht, zuzusehen. Nach der Pause hatten wir einen kleinen Blackout, der uns das 1:1 eingebracht hat. Doch wir haben nicht aufgesteckt und uns freigeschwommen, leider haben wir uns nicht selbst dafür belohnt“, trauerte Thomas Doll hinterher aufgrund der verpassten Chance, den Abstand auf den KSC zu verkürzen, sparte allerdings auch nicht mit Lob für seine zuletzt so gescholtene Truppe: „Ich habe gegen Karlsruhe gesehen, dass wir Fußball spielen können und das war eine wichtige Erkenntnis.“

Sein Gegenüber Edmund „Ede“ Becker verschwieg nicht, einen eher unverdienten Punkt eingefahren zu haben: „Für uns war es glücklich, dass wir nicht schon nach der ersten Halbzeit höher zurückgelegen haben. In den zweiten 45 Minuten haben wir es ein wenig besser gemacht, ohne das zu leisten, was wir können.“

Autor: Matthias Dersch

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