Er ist definitiv ein absoluter Publikumsliebling: Wolfgang Amoussou begeistert in Bottrop Zuschauer, Kollegen und Trainer gleichermaßen. Am kommenden Samstag, 15. März, wird der 30-Jährige erneut auf der Matte stehen, um seinen Verein JC 66 Bottrop bei der ELE Judo Team Challenge möglichst weit nach vorne zu bringen.

EJTC: Publikumsliebling Amoussou kämpft weiter auf hohem Niveau

„Bis ich nicht mehr stehen kann“

Sarah Landsiedel
13. März 2008, 17:34 Uhr

Er ist definitiv ein absoluter Publikumsliebling: Wolfgang Amoussou begeistert in Bottrop Zuschauer, Kollegen und Trainer gleichermaßen. Am kommenden Samstag, 15. März, wird der 30-Jährige erneut auf der Matte stehen, um seinen Verein JC 66 Bottrop bei der ELE Judo Team Challenge möglichst weit nach vorne zu bringen.

RevierSport unterhielt sich mit dem gebürtigen Franzosen über seinen Sport, das anstehende Turnier und die Fehleinschätzung des Bundestrainers.

Wolfgang Amoussou, seit fünf Jahren leben Sie in Deutschland, geboren wurden Sie in Paris. Wie hat es Sie ins Revier verschlagen?
Ich hatte in Frankreich einigen Ärger mit dem nationalen Judoverband, denn ich durfte nicht bei internationalen Turnieren starten, obwohl ich französischer Meister war. Durch meine doppelte Staatsbürgerschaft, meine Mutter ist Deutsche, habe ich den Sprung nach Bayern gewagt, wo ich ein gutes Angebot des TSV Abensberg vorliegen hatte. Mittlerweile kämpfe ich im dritten Jahr für Bottrop.
Was Sie sicher auch Ihrer Frau Nicole zu verdanken haben, die in der Vergangenheit für Essen an den Start ging, jetzt noch für einen Gelsenkirchener Verein antritt.
Das ist richtig. Wir leben in Gelsenkirchen und ich leite ein Fitnessstudio in Duisburg, das Ruhrgebiet ist unsere Heimat.
Durch Ihren Job sind sie sehr eingespannt, da ist die Trainingsorganisation nicht immer ganz einfach!

Ich muss mich häufig mit anderen Kämpfern außerhalb der offiziellen Trainingszeiten verabreden, um meine Einheiten zu absolvieren. Oder ich kämpfe mit meiner Frau auf dem Dachboden, dann steht aber hauptsächlich Technik auf dem Programm, denn beim Werfen würden sich die Nachbarn über den Lärm wohl beschweren.
Wann haben Sie mit dem Sport angefangen?
Mein Bruder, der französischer Meister und EM-Dritter war, diente als mein größtes Vorbild. Mit zehn Jahren bin ich dann ebenfalls in einen Verein eingetreten.
Die ersten Erfolge stellten sich auch gleich früh ein!
Mit elf habe ich bei meinen ersten drei Wettkämpfen den ersten Platz belegt. Danach hat es natürlich noch mehr Spaß gemacht.
Was sind ihre größten Triumphe?

Ich bin in Frankreich U20-Meister und Senioren-Meister geworden, in Deutschland konnte ich ebenfalls zwei Mal den Titel gewinnen.

Konnten Sie Unterschiede zwischen der Judo-Szene in den beiden Ländern feststellen?
In Frankreich ist die Konkurrenz vielleicht noch etwas größer, obwohl sich das im Männerbereich mittlerweile sehr angeglichen hat. Aber in Frankreich ist man besser organisiert, der Verband hat enorme Mitgliederzahlen und der Sport ist einfach extrem populär. Die besten Judoka sind ebenso bekannt wie Fußball-Stars. So ist David Douillet, einer der erfolgreichsten Judoka, zwei Mal in Folge zum beliebtesten Franzosen gewählt worden.

Bereuen Sie es dann, den Schritt nach Deutschland unternommen zu haben?
Nein, absolut nicht. Ich bekomme immer noch Anerkennung aus Frankreich, fühle mich auch in Bottrop rundum wohl. Ich werde meine Linie jetzt hier durchziehen. Hier habe ich meine Frau, meinen Verein und meine Arbeit. Das passt!

Am Samstag steht die ELE Judo Team Challenge auf dem Programm. Was ist für Ihr Team drin?
In Vorjahren sind wir jeweils im Viertelfinale gescheitert und auch diesmal sind die Gegner sehr stark. Ich finde es schade, dass wir erneut gegen Witten antreten müssen, aber wie unser Trainer Frank Urban schon sagt: Es gibt keine schlechte Auslosung. Also müssen wir alle unser Bestes geben und sehen, was möglich ist.
Die Atmosphäre dürfte wieder glänzend sein, oder?
Ich denke, dass das Turnier erneut super organisiert ist und unser Publikum für beste Stimmung sorgen wird.
Obwohl Sie eine Reihe von Erfolgen vorweisen können, sind Sie nicht im Bundeskader, also auch kein Kandidat für die Olympischen Spiele in Peking. Wie kommt das?
Der Bundestrainer Frank Wieneke hat mich vor fünf Jahren aus dem Kader genommen, weil er meinte, dass ich zu alt sei und in ein paar Jahren sowieso kein Judo mehr betreiben würde. Heute bin ich 30 und habe ihm als amtierender Deutscher Meister das Gegenteil bewiesen. Da ist die Freude über Siege gegen aktuelle Kaderathleten natürlich doppelt so groß.
Wie lange wollen Sie noch aktiv sein?
Bis ich nicht mehr stehen kann. Mein Vertrag in Bottrop verlängert sich immer um ein Jahr und ich sehe keinen Grund, meine Karriere zu beenden.
Was macht die Faszination Judo für Sie aus?
Es ist durchaus ein harter Sport, bei dem es hart zur Sache geht. Aber alles läuft ohne Verletzungen ab, außer einigen Kleinigkeiten habe ich noch keine Schäden davon getragen.

Autor: Sarah Landsiedel

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