Jetzt ist der Fußball also angekommen in der Reihe „Wir in Nordrhein-Westfalen. Unsere gesammelten Werke“. „Seit den Zeiten von Szepan und Kuzorra, seit Rahn, Lippens und Szymaniak ist Fußball im Ruhrgebiet eine Grundkonstante, ein Symbol des Lebens“, schreibt Prof. Ulrich Borsdorf, Leiter des Ruhrlandmuseum Essen. Was er damit sagen will, drückte Elke Heidenreich mal etwas lebensnaher aus: „Fußball ist aus meiner Erinnerung ebenso wenig wegzudenken wie Gummibärchen, Onkel Dagobert, Sonntagskino, Eisdiele und Reibekuchen anne Bude.“

Hans Dieter Baroth: Jungens, euch gehört der Himmel. Die Geschichte der Oberliga West von 1947 bis 1963

„Die Odyssee“ der alten Oberliga West

Ralf Piorr
11. März 2008, 14:18 Uhr

Jetzt ist der Fußball also angekommen in der Reihe „Wir in Nordrhein-Westfalen. Unsere gesammelten Werke“. „Seit den Zeiten von Szepan und Kuzorra, seit Rahn, Lippens und Szymaniak ist Fußball im Ruhrgebiet eine Grundkonstante, ein Symbol des Lebens“, schreibt Prof. Ulrich Borsdorf, Leiter des Ruhrlandmuseum Essen. Was er damit sagen will, drückte Elke Heidenreich mal etwas lebensnaher aus: „Fußball ist aus meiner Erinnerung ebenso wenig wegzudenken wie Gummibärchen, Onkel Dagobert, Sonntagskino, Eisdiele und Reibekuchen anne Bude.“

Das „Sahnestück“ der Reihe ist die Neuauflage von Hans Dieter Baroths Klassiker „Jungens, euch gehört der Himmel.“[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/842-7071_preview.jpeg Hans Dieter Baroth: Jungens, euch gehört der Himmel. Die Geschichte der Oberliga West von 1947 bis 1963. (Wir in Nordrhein-Westfalen. Unsere gesammelten Werke: Bd. 20), Klartext-Verlag, Neuauflage Essen 2006, EUR 7,95[/imgbox] Baroths Grundidee war Ende der 1980er Jahre so einfach wie genial: Er fuhr mit Bus und Straßenbahn die alten Spielorte der Oberliga West ab, schaute hin, notierte, erinnerte sich, sprach mit den Leuten und recherchierte die Geschichte vergessener Vereine. Es entstand so etwas wie „Die Odyssee“ der alten Oberliga West, aus deren Motive und Zitatenschatz sich später unzählige Autoren – oft ohne Quellennachweis - bedienen sollten. Regionale Fußball-Geschichte auch als lebendige Sozialgeschichte und identitätsstiftende Kraft zu begreifen, autobiographische Elemente und Interviews einzubauen, dass war 1988 etwas neues. Selbst „Fever Pitch“, der berühmte Entwicklungsroman des Engländers Nick Hornby, der die Geschichte des Erwachsenenwerdens anhand von besuchten Fußballspielen erzählt und „das Schreiben“ über Fußball grundlegend veränderte, sollte erst vier Jahre später in England und ganze acht Jahre später als „Ballfieber. Die Geschichte eines Fans“ in Deutschland erscheinen.
Für „Wir in Nordrhein-Westfalen“ wurde „Jungens“ überholt und aufpoliert. Hans Dieter Baroth hat sich für die Neuauflage noch einmal auf den Weg gemacht, diesmal mehr mit der U-Bahn als mit der Straßenbahn. Er traf Gesprächspartner von damals wieder, die erneut von den Abstiegssorgen oder den Aufstiegshoffnungen ihrer Clubs berichteten. So mancher von ihnen war immer noch in Vereinsfunktion, aber so mancher „von früher“ war auch schon nicht mehr da. Dazu wurde das Buch mit neuen Bildern ausgestattet, die einen visuellen Eindruck von den alten Zeiten liefern, als noch die Zechentürme und Kohlehalden hinter den Stadiontribünen hervorragten. Auch wenn das Buchformat nicht mehr ganz so großzügig wie die Originalausgabe ausfällt, ist „Jungens“ für EUR 7,95 doch ein wahres Schnäppchen. Dafür kann man heute gerade Mal ein Verbandsliga-Spiel besuchen - und ob dann noch etwas für Reibekuchen übrig bleibt, ist fraglich.

Bewertung: 6 von 6 Bällen

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Autor: Ralf Piorr

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