Eine Hymne auf den Fußball, radikal und parteiisch, die mit ihrer poetischen Kraft Schicksal und Träume eines Kontinents lebendig macht. Als ob der Dichter Pablo Neruda sich ins Mittelfeld der Königlichen aus Madrid der 1950er Jahre um Di Stefano und Puskás verirrt hätte. Aber Galeano schlägt auch kritische Töne an:

Eduardo Galeano: Der Ball ist rund und Tore lauern überall

"Eine traurige Reise von der Lust zur Pflicht"

Ralf Piorr
11. März 2008, 13:01 Uhr

Eine Hymne auf den Fußball, radikal und parteiisch, die mit ihrer poetischen Kraft Schicksal und Träume eines Kontinents lebendig macht. Als ob der Dichter Pablo Neruda sich ins Mittelfeld der Königlichen aus Madrid der 1950er Jahre um Di Stefano und Puskás verirrt hätte. Aber Galeano schlägt auch kritische Töne an:

„Die Geschichte des Fußballs ist eine traurige Reise von der Lust zur Pflicht.[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/834-7063_preview.jpeg Eduardo Galeano: Der Ball ist rund und Tore lauern überall, Unionsverlag, Neuauflage 2006, EUR 9,90. [/imgbox] In dem Maße, wie dieser Sport zur Industrie geworden ist, hat er immer mehr die Schönheit verbannt, die aus der reinen Freude am Spiel entsteht", schreibt er gleich zu Beginn – ohne jedoch die Freude an diesem universellen Sport zu verlieren. Vielleicht besitzt die Welt mit diesem Spiel längst den Traum von einer Sache, von der sie nur das Bewusstsein besitzen muss, um sie wirklich zu besitzen. Lauscht man Galeano, möchte man daran glauben. „Ich wollte etwas schreiben, das dieser großen heidnischen Messe würdig wäre, die so viele Sprachen zu sprechen vermag und so unterschiedliche Leidenschaften wecken kann. Schreibend wollte ich mit den Händen das tun, was ich mit den Füßen nie zu tun vermochte“, sagt er und auf den Spielfeldern um ihn herum herrscht ehrfürchtiges Schweigen.

Bewertung: 5 von 6 Bälle

Autor: Ralf Piorr

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