Nein, ein Fussballfest war es nicht. Auch wenn das Verbandsliga-Derby ein Resultat lieferte, das an ein Elfmeterschießen erinnert. Stadionsprecher und  SV-Legende Herr Wehrenbrecht vergaß zwischenzeitlich sein Mikrofon auszuschalten und so war sein Kommentar

Verbandsliga 2 Westfalen: Torfestival in Sodingen

"Sechs Minuten Lehrgeld gezahlt"

15. Oktober 2006, 20:49 Uhr

Nein, ein Fussballfest war es nicht. Auch wenn das Verbandsliga-Derby ein Resultat lieferte, das an ein Elfmeterschießen erinnert. Stadionsprecher und SV-Legende Herr Wehrenbrecht vergaß zwischenzeitlich sein Mikrofon auszuschalten und so war sein Kommentar "Das ist doch Not gegen Elend" versehentlich im kompletten Stadion am Holzplatz zu hören. Wenig spielerische Klasse, aber umso mehr Tore und ein Spielverlauf mit Seltenheitswert. Da ist auch Kreativität bei der Suche nach Gründen gefragt. [i]Ein Ortstermin[/i]

Die bewies Gäste-Trainer Jörg Silberbach: "Ich weiß auch nicht, was los war. Ich glaube denen war das Wetter zu schön!" Da die Bochumer drei Punkte mit nach Hause nahmen, konnte der Coach auch verschmerzen, "dass die Mannschaft nicht so gespielt hat, wie ich mir das vorgestellt habe". Schon in der dritten Minute zeigte Vorwärts-Kapitän Sebastian Kleine, worauf es an diesem Nachmittag ankam: Auf den Fehler des Gegners lauern und vor dem Tor die Nerven bewahren. 1:0-Führung für Vorwärts Kornharpen.

Während sich die 150 Zuschauer noch fragten, ob es nun wohl so weiter ginge und die Bochumer sich in ähnlicher Geberlaune wie am vergangenen Wochenende beim 8:0 gegen Weißtal präsentieren würden, fiel schon der Ausgleich. Der Sodinger Sven Tönneßen hatte dabei Glück: Die direkt auf den Torwart gezielte Ecke ging in die Maschen. Tatkräftige Mithilfe erhielt er von Gäste-Keeper David Buchholz, der sich den Ball regelrecht selbst ins Tor schaufelte. Symptomatisch für die Unkonzentriertheit der beiden Abwehrreihen, die so für einen unterhaltsamen Nachmittag im Stadion am Holzplatz sorgeten.

Nach einer Viertelstunde Leerlauf fand schließlich eine verunglückte Flankein in der 24. Minute doch noch den Weg zu Guido Silberbach (Foto). Der hatte genug Zeit und Platz, um genau Maß zu nehmen und schlenzte die Kugel zum 1:2-Pausenstand gekonnt in den Winkel. Wäre nicht Andreas Teichmann gewesen, hätte man über die restliche Spielzeit der ersten Hälfte kein weiteres Wort mehr zu verlieren brauchen. Erst zeigte der Unparteiische Thomas Derbort Kornharpens Mittelfeld-Mann in der 39. Minuten den gelben Karton für ein Foulspiel. Auch für das Meckern vier Minuten später gab es Gelb, der Platzverweis für den Mann mit der Rückennummer 21 war die logische Konsequenz.

Sollte diese Szene spielentscheidend sein? Als Sascha Siebert nur vier Minuten nach Wiederanpfiff mit einem 17 Meter-Schuss den 2:2-Ausgleich markierte, sprach alles dafür. Jetzt, in Überzahl, konnten die Sodinger mithalten, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch zweier kampfstarker Mannschaften. Die nächste nennenswerte Torchance hatten aber die Gäste nach genau einer Stunde. Guido Silberbach vergab aus kurzer Distanz gegen SV-Torhüter Olaf Kalwa. Dass den Bochumern nicht die erneute Führung gelang, sondern den Platzherren aus Herne, gab der Partie weitere Dramatik. In der 74. Minute erzielte Kapitän Toni Kotziampassis das 3:2 für den SV Sodingen. Ein Tor Vorsprung, ein Mann mehr auf dem Platz und noch eine Viertelstunde zu spielen - das waren gute Aussichten für die Hausherren auf drei wichtige Punkte.

Doch es kam anders. In nur sechs Minuten kassierten die Grün-Weißen drei Gegentreffer und gaben das Spiel aus der komplett Hand. Erneut war es Kornharpens Stürmer Guido Silberbach, der mit seinem 30 Meter-Freistoßtreffer die Wende einleitete. Nur Sekunden nach dem Anstoß erzielte Daniel Gavranovic nach einem Abwehrfehler das 3:4. Er war es auch, der mit seinem Kopfball in der 79. Minute für die Vorentscheidung zum 3:5 sorgte.

"Tolle Moral" bescheinigte dann auch Vorwärts-Trainer Jörg Silberbach seiner Truppe für diese Energieleistung. "In diesen sechs Minuten haben wir Lehrgeld gezahlt" war hingegen die nüchterne Erkenntnis von Gegenüber Thomas Joachim."Die Spieler dachten wohl schon nach der 3:2-Führung, dass der Sack jetzt zu ist."

Die Sodinger steckten nicht auf und hatten in der 83. Minute doppeltes Pech: Der Schuss von Sven Tönnneßen traf nur die Latte, als der Ball zu Alex Homann prallte, stand dieser im Abseits und dem vermeintlichen 4:5 wurde die Anerkennung verweigert. Nach einer Ecke markierte Kevin Schulz in der 90. Minute noch den Anschlusstreffer. Der zehnte Treffer zum 5:5 wollte dann jedoch auch in vier Minuten Nachspielzeit nicht fallen und das Fazit vom Sodinger Übungsleiter, "dass vier Tore zu Hause doch eigentlich für drei oder zumindest einen Punkt reichen müssten" drückte die Enttäuschung bei den Hernern aus, dass sie im Tabellenkeller bleiben.

"Die besseren Einzelspieler" waren für Thomas Joachim ein Grund für den Auswärtssieg der Bochumer. Mangelndes taktisches Verständnins und eine viel zu hohe Fehlpassquote seiner Mannschaft weitere. Dass seine Mannschaft in Unterzahl einen Rückstand umbog, machte den Bochumer Kollegen stolz. Einen Spieler lobte Jörg Silberbach besonders: Bruder Guido, der als zweifacher Torschütze und Vorbereiter glänzte und mitverantwortlich dafür ist, dass Kornharpen im engen Kampf um die Spitze der Verbandsliga-Tabelle weiter mitmischt.

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