Gerade wieder schwer in Mode: den Schiedsrichter beschimpfen. Doch wie motzt man in Vollendung? Profi-Wüterich Philipp Köster erteilt acht gute Ratschläge, damit am nächsten Morgen nicht das DFB-Gericht die Anklageschrift zustellt.

Motzen in Vollendung: Schiri-Schelte für Fortgeschrittene

DER ist schuld!

Philipp Köster
07. März 2008, 12:16 Uhr

Gerade wieder schwer in Mode: den Schiedsrichter beschimpfen. Doch wie motzt man in Vollendung? Profi-Wüterich Philipp Köster erteilt acht gute Ratschläge, damit am nächsten Morgen nicht das DFB-Gericht die Anklageschrift zustellt.

Schlusspfiff. Ihre Mannschaft hat verloren, nach desolater Leistung in der zweiten Halbzeit. Wütende Pfiffe der Anhänger begleiten die Spieler in die Kabine, auf der Tribüne tuscheln Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender mit ernster Miene. Die Reporter der Fernsehsender drängen heran, die fünfte Niederlage in Serie, seit Dezember kein Heimsieg mehr, erreichen Sie die Mannschaft überhaupt noch? Sie könnten nun die Thomas-Doll-Endlosschleife aktivieren, auf die zahllosen Verletzten verweisen und als Einziger im Stadion positive Ansätze in der ersten Spielhälfte gesehen haben. Oder Sie suchen sich einen Schuldigen für die ganze Misere. Und das machen Sie am besten so:

1. Das Schweigegelübde

Mimen Sie zunächst den tadellosen Sportsmann. Lassen Sie nicht den Eindruck entstehen, Sie suchten nur nach billigen Ausreden für das Versagen Ihrer Mannschaft. Schauen Sie also zunächst nachdenklich und stellen dann mit mokantem Lächeln fest: »Zur Leistung des Schiedsrichters sage ich nichts.« Dann schweigen Sie zwei Sekunden lang bedeutungsvoll. Die Zuschauer an den Bildschirmen werden Sie für einen Mann der vollendeten Selbstbeherrschung halten. Bevor nun aber der Reporter nach den Gründen für den Leistungsabfall fragen kann, fahren Sie fort: »Aber was sich der Unparteiische heute erlaubt hat, war eine Frechheit.« Dann zählen Sie all die Fehlentscheidungen auf, die Ihnen noch erinnerlich sind, vor allem natürlich das nicht erkannte Foulspiel, das elf Minuten später zum 1:0 für die Gäste führte. Lässt der Reporter schließlich erschöpft das Mikrofon sinken, fügen Sie noch gönnerhaft hinzu: »Das soll nicht davon ablenken, dass wir in der zweiten Halbzeit durchaus mehr hätten tun müssen.« Aber da sind Sie schon nicht mehr auf Sendung.
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2. Die Verschwörung (Klein)

Halten Sie sich nicht jedes Mal mit der Leistung eines einzelnen Referees auf, das wirkt dann doch kleinlich und provinziell. Zumal wenn die Fernsehbilder längst bewiesen haben, dass Ihr Stürmer bei dem nicht gegebenen Treffer tatsächlich etwa drei Meter im Abseits stand und sich somit Ihre spontane Analyse (»Gleiche Höhe!«) mittlerweile erledigt hat. Vermuten Sie stattdessen eine ebenso heimtückische wie groß angelegte Verschwörung ungenannt bleibend wollender Kreise. Bleiben Sie dabei möglichst unkonkret, um den Häschern des DFB keinen Anlass zu bieten. Geht doch auch so: »Was gegen uns passiert, ist unbegreiflich. Das hat Methode!« (Willi Reimann). »Langsam bekommt die Sache eine gewisse Tendenz. Es reicht!« (Dieter Hoeneß). »Es ist schon schlimm, was mit uns passiert« (Bernd Krauss). »Wir werden doch seit Rückrundenbeginn verarscht!« (Jens Lehmann). Genau! Musste mal so gesagt werden.

3. Die Verschwörung (groß)

Wenn Sie sich den ganz großen Auftritt zutrauen, dann greifen Sie ruhig zur Neutronenbombe. »Wenn ihr uns nicht in der Liga haben wollt, dann könnt ihr uns das auch sagen«, barmte einst Lauterns Trainer Wolfgang Wolf und ließ dabei geschickt offen, wen er denn mit »ihr« so alles meinte. DFB? CIA? DSF? ADAC? ACAB? Den gleichen bewährten Trick bemühte Peter Neururer in Diensten des VfL Bochum und grantelte nebulös: »Wenn einige Leute etwas dagegen haben, dass wir drin bleiben, können wir den Spielbetrieb auch einstellen.« Auch gerne gesehen: die »Aber«-Variante von Cottbus-Präsident Ulrich Lepsch: »Ich will an eine Verschwörung nicht glauben, aber angesichts der vielen Entscheidungen gegen uns geht die Tendenz eindeutig gegen den Klub.« Tja, da kann man schon mal an eine Verschwörung glauben. Aber nur, wenn man Ulrich Lepsch heißt.

Autor: Philipp Köster

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