Franz Beckenbauer wurde ein wenig wehmütig, als er am Dienstagabend als Premiere-Experte das Achtelfinal-Hinspiel zwischen Schalke und Porto kommentieren musste. Die Champions League ohne den FC Bayern, das ist für den Münchner Aufsichtsratsvorsitzenden schwer zu akzeptieren. Der UEFA-Cup sei mit der europäischen Königsklasse gar nicht zu vergleichen, zwischen den beiden Wettbewerben lägen Welten. Im Interview mit RevierSport erklärt der

Beckenbauer sieht auf Sicht Neuer im deutschen Tor und S04 auf Augenhöhe mit Bayern

"Schalke ist in den nächsten Jahren wahrscheinlich unser größter Konkurrent"

23. Februar 2008, 12:39 Uhr

Franz Beckenbauer wurde ein wenig wehmütig, als er am Dienstagabend als Premiere-Experte das Achtelfinal-Hinspiel zwischen Schalke und Porto kommentieren musste. Die Champions League ohne den FC Bayern, das ist für den Münchner Aufsichtsratsvorsitzenden schwer zu akzeptieren. Der UEFA-Cup sei mit der europäischen Königsklasse gar nicht zu vergleichen, zwischen den beiden Wettbewerben lägen Welten. Im Interview mit RevierSport erklärt der "Kaiser" nicht nur, warum er das so empfindet, sondern wieso er den Königsblauen eine goldene Zukunft prophezeit. Herr Beckenbauer, was trauen Sie dem FC Schalke nach dem 1:0 gegen Porto im Rückspiel in knapp zwei Wochen zu? Geht das königsblaue Märchen weiter?

Vor dem Spiel hätte man gesagt, 1:0 ist ein wunderbares Ergebnis, doch im Nachhinein muss man sagen, dass aufgrund der Spielanteile und besseren Möglichkeiten ein 2:0 besser gewesen wäre. Vor allem in der 1. Halbzeit hat man die Möglichkeit verpasst, ein noch besseres Ergebnis zu erzielen. Natürlich hat auch ein bisschen die Unsicherheit mitgespielt, dass noch etwas passieren könnte.

Weil Schalke in den letzten sieben Spielen nicht mehr zu Null spielen konnte und ein Gegentor fatal gewesen wäre.

Ja, man hat in der ersten Halbzeit ja sehr gut gespielt und mit dem 1:0 nach vier Minuten einen Traumstart gehabt. Die Schalker haben die erste Halbzeit total dominiert und die Möglichkeiten für ein 2:0 oder 3:0 waren durchaus vorhanden. Die Portugiesen haben da das Fußballspielen verweigert. In der zweiten Halbzeit haben die Schalker stark nachgelassen und nicht mehr mitgespielt, wodurch die Portugiesen besser ins Spiel gekommen sind. Die Defensivleistung war über die gesamte Spielzeit in Ordnung. Man hat sehr kompakt gestanden. In der zweiten Halbzeit hat man sich schwerer getan und sich zurückgezogen, wobei vielleicht auch Respekt und Angst im Spiel waren, wieder den Ausgleich zu kassieren.

S04-Präsident Josef Schnusenberg hat unlängst behauptet, Schalke könne und wolle in vier, fünf Jahren mit dem FC Bayern auf Augenhöhe sein. Ist Schalke mittelfristig Münchens Konkurrent Nummer eins in Deutschland?

Ich denke schon. Wenn sich die Schalker in 10 bis 15 Jahren von den finanziellen Fesseln des Stadions befreit haben, dann kann ich mir schon vorstellen, dass sie permanent die Spitze angreifen.

Kann Schalke auch in der laufenden Saison den Bayern noch gefährlich werden? Am übernächsten Wocheende kommt es schließlich zum direkten Duell der beiden Mannschaften in Gelsenkirchen.

Schalke hatte von den Mannschaften, die vorne stehen, den besten Rückrundenstart, ehe es gegen Wolfsburg nicht geklappt hat. Sie gehören nach wie vor zur Elite in der Bundesliga, aber da oben ist noch gar nichts entschieden. Es kommt darauf an, wer am konstantesten spielt, das hat bisher noch keine Mannschaft richtig geschafft.

Die Champions League ist eigentlich das Zuhause der Bayern. Nun vertritt Königsblau die deutschen Farben in der besten Liga der Welt und Ihr Club spielt nur im UEFA-Cup. Überkommt Sie da ein wenig Wehmut?

Ja! Wenn ich mir diese Spiele im UEFA-Cup anschaue, da liegen Welten zu der Champions League. Von der Atmosphäre bis zu den Plätzen sind das im UEFA-Cup viel schwierigere Verhältnisse. Deshalb tun sich die Bayern auch so schwer. Die haben jetzt drei, vier Jahre hintereinander Champions League gespielt, auf wunderbaren Teppichen und bei wunderbarer Atmosphäre, und jetzt plötzlich spielen sie auf einem holprigen Untergrund. Wenn ich mir das Spiel der Bayern in Aberdeen anschaue, dann denke ich manchmal, die Spieler nehmen das Ganze nicht so ernst. Aber man kann ihnen noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Das steckt im Unterbewusstsein drin.

Ab wann wird der UEFA-Cup denn für Sie überhaupt interessant, erst ab dem Endspiel?

Vielleicht auch schon früher, warten wir einmal ab.

In München ist es ja nie wirklich ruhig. In den vergangenen Tagen aber schlug die Kritik von Spielern wie Philipp Lahm, Willy Sagnol und Mark van Bommel an Ihrer Arbeit als Kolumnist hohe Wellen. Wie kam das bei Ihnen an?

Ich habe als Bayern-Präsident wenig direkten Kontakt zur Mannschaft. Das was ich öffentlich schreibe und sage ist das, was ich sehe. Ob ich dies im Rahmen einer Kolumne tue oder wenn ich auf Fragen im Interview antworte, das macht keinen Unterschied. Ich kann aus einem schlechten Spiel kein gutes machen.

Müssen Sie sich in Zukunft unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann, der sich in seine Arbeit gar nicht gerne hereinreden lässt, ein wenig zurücknehmen?

Auch dann kann ich nur das sagen und schreiben, was ich sehe. Das wird sich auch unter Jürgen Klinsmann nicht ändern.

In der Nationalmannschaft und beim DFB hat er etliche Neuerungen eingeleitet, aber auch unpopuläre Entscheidungen getroffen, zum Beispiel in der Torwartfrage. Jetzt gibt es vor der EM eine erneute Diskussion über die deutsche Nummer eins. Soll Jens Lehmann ohne voraussichtlich viel Spielpraxis das Tor hüten?

Wenn man die Absicht hat, im Tor noch etwas zu verändern, dann wird es langsam Zeit. So viele Vorbereitungsspiele hat man nicht mehr. Normalerweise ist Jens Lehmann, wenn er spielt, die Nummer eins. Aber er spielt nicht, und das macht die Aufgabe für Jogi Löw nicht gerade einfach.

Nach seiner überragenden ersten Saison in der Bundesliga haben viele Fußball-Experten Manuel Neuer zu Lehmanns Nachfolger auserkoren. Nun hat der junge Schalker in der laufenden Serie öfters gepatzt. Was halten Sie von ihm?

Das ist ein richtig guter Junge! Im Moment macht er zwar noch ein paar Fehler, aber auf lange Sicht und von der Figur her steckt bei ihm schon etwas dahinter. Wir werden auch in der Zukunft keine Probleme in der Torhüterfrage haben. Adler, Wiese und auch Rensing wären ebenfalls Kandidaten.

Und was ist mit Oliver Kahn, kann er kurzfristig noch einmal ein Thema werden?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Mental ist er dazu auch gar nicht mehr bereit, obwohl er in Deutschland nach wie vor der Beste ist. Wenn wir jetzt gar keinen Torhüter hätten - der eine krank ist, der andere Scharlach hat und einer Selbstmord begeht -, dann könnte man darüber nachdenken, aber so nicht.

Wird er nach der Absage von Klaus Allofs womöglich doch Uli Hoeneß' Nachfolger als Manager?

Mit der Entscheidung haben wir noch Zeit. Bis Uli aufhört, sind es ja noch eineinhalb Jahre hin und ich weiß nicht genau, was er vorhat, ob er Präsident wird oder nicht. Klaus Allofs wäre ein geeigneter Nachfolger gewesen doch er hat sich für Bremen entschieden. Und den Uli zu ersetzen, das ist ohnehin ganz schwierig, dafür brauchst du ja drei Leute, so viel wie der arbeitet. Das ist ja unmenschlich!

Sie selbst sind als Olympia-Botschafter für die Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 im Gespräch. Wird man Franz Beckenbauer demnächst als Skiexperten sehen?

Mit diesem Wunsch ist bisher noch niemand in offizieller Mission an mich herangetreten. Aber ich denke, dass diese Aufgabe ein Wintersportler übernehmen muss. Da haben wir doch genug Koryphäen wie Rosi Mittermaier, Christian Neureuther, Georg Hackl, Christa Kinshofer oder Kati Witt. Ich könnte Lobbyismus betreiben, aber nicht in einer offiziellen Funktion, höchstens im Hintergrund.

Interview: Heiko Buschmann

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