Wer die Tabelle der Kreisligen ansieht, merkt, dass mit dem FCR Duisburg und dem Rumelner TV zwei Teams aus dem Duisburger Vorort in der B-Liga vertreten sind.

Kaldenhausen:

"Verein ist eine soziale Instanz"

Moritz Rieckhoff
22. Februar 2008, 20:04 Uhr

Wer die Tabelle der Kreisligen ansieht, merkt, dass mit dem FCR Duisburg und dem Rumelner TV zwei Teams aus dem Duisburger Vorort in der B-Liga vertreten sind.

Klickt man sich durch die A-Liga, wird man nicht fündig. In höherklassigen Ligen taucht der Stadtteil erst wieder im Zusammenhang mit dem deutschen Frauenfußball auf. In der C-Liga aber, zwischen lauter Zweit- und Dritt-Vertretungen, findet sich der Ortsteil Kaldenhausen erneut. Hier, in der Staffel 2, kickt der TV Kaldenhausen 1905 als einzige "Erste".

Die Senioren-Abteilung existiert seit 1990. Seit dem ist der Verein nie über die C-Liga hinausgekommen. "Zum 100-jährigen Geburtstag hätten wir den Sprung in die B-Liga gerne geschafft", blickt Rüdiger Prause, erster Vorsitzender beim Club, zurück. "Leider", so der Offizielle weiter, "hat es auch damals nicht sollen sein." Die Gründe für die lange Verweildauer in Deutschlands unterster Spielklasse sieht der 69-Jährige vor allem in der besseren Finanzlage anderer Vereine: "Wir hatten oft gute Spieler im Kader. Leider waren die dann auch immer so schnell weg wie sie gekommen waren."[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/646-6814_preview.jpeg Ist beim TVK für die Fußballer zuständig: Manfred Wolters[/imgbox]

Die Beweggründe für das Verhalten der Kicker benennt Prause konkret: "Andere Vereine zahlen selbst in den untersten Spielklassen Geld. Wir sind, was dieses Thema anbelangt, ein konservativer Club. Bei uns bekommt der Trainer etwas, sonst keiner." Manfred Wolters, erster Geschäftsfüherer der Rot-Weißen, holt noch etwas weiter aus: "Unsere Seniorenmannschaft hat sich aus einer Thekenelf herausgebildet. Das war vor knapp 17 Jahren. Seit dem war bei uns jeder willkommen. Bei uns gibt es Zusammenhalt, Spaß und Gemeinschaftsleben, aber eben kein Geld." Dass dieser Fakt auf lange Sicht zu lasten des sportlichen Erfolgs gehen kann, wissen die Verantwortlichen.

Doch diese legen ihre Priorität eher auf die ursprüngliche Funktion eines Sportvereins. Und so sagt Vorsitzender Prause: "Der Verein ist vor allem eine soziale Instanz. Wir bieten die ganze Palette an Sportarten an. Auch hier muss man sehen, dass wir ein Verein sind, der extrem niedrige Mitgliedsbeiträge nimmt. Bei uns findet jeder für kleines Geld was er haben möchte und darauf sind wir stolz." Stolz ist man im Westen der Stahlstadt auch auf die Jugend-Teams des Clubs. "Wir haben zehn Nachwuchs-Mannschaften", erklärt Wolters, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftspartner auch noch erster Ansprechpartner in Sachen Fußball ist. Eine B oder A-Jugend sucht man allerdings vergebens.

"An dieser Stelle kommt dann ein weiterer Grund für unsere Erfolglosigkeit im Senioren-Bereich ins Spiel", betont MSV-Sympathisant Wolters und wird deutlich: "Der Begeisterung für den Ball-Sport folgt in diesem Alter oft das Interesse für Mädchen und Partys. Für die Leistung auf dem Platz ist das nicht förderlich." Das es mit der Disziplin nicht immer zum besten steht, glaubt auch Prause: "Ich bin aktiver Wasserballer gewesen. Wenn ich sehe, wie sich einige bewegen, dann würde ich sie erst einmal zehn Runden um den Elfrather-See scheuchen." Doch in Punkto Disziplinlosigkeit ist seit dem ersten Drittel der nun laufenden Saison Besserung in Sicht. "Wir haben seit diesem Zeitpunkt mit Nico Lukaswitz einen hervorragenden Coach an der Linie", quittiert Wolters die Arbeit des Kaldenhausener Linienchefs mit Lob.

Dennoch, der sportliche Erfolg lässt weiter auf sich warten. Auf Platz zehn, 20 Punkte hinter Klassenprimus ESV Hohenbudberg II, steht der TVK. Der Aufstiegszug ist für diese Saison also auch schon wieder abgefahren. Und im nächsten Jahr? "Da hoffen wir mit unserem Trainer weiterarbeiten zu können und dann eine bessere Runde hinzulegen", gibt sich Familienvater Wolters bescheiden und Funktionär Prause formuliert: "Aufzusteigen ist natürlich ein großer Wunsch von uns. Allein, erzwingen kann man nichts."

Autor: Moritz Rieckhoff

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