Die meisten Vereinsvertreter, die der Einladung des WFLV am Mittwoch folgten und am NRW-Liga Informationsabend teilnahmen, dürften die Heimreise mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch angetreten haben. Statt auf die Belange und Nöte der ohnehin gebeutelten Amateurvereine einzugehen, hagelte es im Laufe des Abends „Totschlag-Argumente“. Statt der erhofften, sachlichen Diskussion wurden die Klubs vor vollendete Tatsachen gestellt.

RS-Kommentar zum NRW-Liga-Statut

Ohne Rücksicht auf Verluste

Christian Pozo y Tamayo
21. Februar 2008, 15:40 Uhr

Die meisten Vereinsvertreter, die der Einladung des WFLV am Mittwoch folgten und am NRW-Liga Informationsabend teilnahmen, dürften die Heimreise mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch angetreten haben. Statt auf die Belange und Nöte der ohnehin gebeutelten Amateurvereine einzugehen, hagelte es im Laufe des Abends „Totschlag-Argumente“. Statt der erhofften, sachlichen Diskussion wurden die Klubs vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das Statut, welches auffällig viele Parallelen zum aktuellen Anforderungskatalog der Regionalligen enthält, sorgte vielerorts für Fassungslosigkeit, führte teilweise sogar zu Resignation. Wenn aktuelle Oberligisten sogar ankündigen, auf eine Bewerbung zur NRW-Liga zu verzichten, obwohl die sportliche Qualifikation vorhanden ist, andere sogar einen Aufschub der Liga-Reform fordern, wird deutlich, wer Gewinner und Verlierer dieser „Verbands-Meierei“ sein wird. Die Funktionäre setzen ohne Rücksicht auf Verluste umfassende Reformen um, die im Lebenslauf der Amtsinhaber irgendwann sicherlich gut aussehen werden. Doch der Fußball bleibt auf der Strecke.

Das Thema Sicherheit ist ohne Frage sensibel zu behandeln, da waren sich alle Teilnehmer einig. Allerdings wurde deutlich, dass man sich mit der Ist-Situation in den Oberligen nur oberflächlich beschäftigt hat. Ein Indiz dafür ist der plakative Vergleich mit der Oberliga West (Vorläufer der Bundesliga, 1947 – 1963), die mit einer NRW-Liga enorm wenig Gemeinsamkeiten haben wird. DFB-Funktionär Harald Mayer ließ kaum ein Fettnäpfchen aus, gab zu, dass er die meisten Vereine bei der Tagung gar nicht kenne.

Auf seine Frage, wie weit denn Eintracht Rheine mit dem Bau der Haupttribüne sei, brach Gelächter aus: Die Tribüne steht seit zehn Jahren. Besser noch: Die Größe der Mannschaftskabinen beläuft sich auf 30 Quadratmeter – auf damalige Empfehlung des DFB. Zehn Quadratmeter zu wenig für die Teilnahme an der NRW-Liga. Horst Darmstädter, Geschäftsführer des VfB Hüls, erinnerte Mayer schon frühzeitig daran, seinen Zug bitte nicht zu verpassen - unter dem Applaus seiner Kollegen und Leidensgenossen.

Es läuft darauf hinaus, dass der Verband existenzbedrohende Entscheidungen fällt – über die Köpfe derer hinweg, die sich Tag für Tag mit den Folgen auseinandersetzen dürfen. Kritische Fragen und Anmerkungen werden teilweise ignoriert, Ängste geschürt. Eine beratende Kommission, die den Vereinen „jederzeit beiseite stehen wird“, ist Stand heute noch nicht einmal gegründet. Die Begründung, man wolle schon jetzt Probleme bei einer Qualifikation für die Regionalliga vermeiden, wird zur Farce. Klubs, die unter zum Teil widrigen wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen mit einem Kraftakt die sportliche Qualifikation zur NRW-Liga schaffen, planen sicherlich nicht den Durchmarsch.

Das Statut muss dringend überdacht und gelockert werden, ansonsten werden Wattenscheid 09, Velbert und diverse Zweitvertretungen den Aufstieg in die Regionalliga demnächst unter sich ausmachen. Dem Amateurfußball nimmt man den Charme, den kleinen Klubs die Existenzberechtigung.

Autor: Christian Pozo y Tamayo

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