Seine Bilder sind im „RevierSport“, „Kicker“, verschiedenen Lokalzeitungen oder auf „schwatzgelb.de“ zu sehen. Comichafte,
sehr detailreiche Darstellungen von bekannten Protagonisten aus Fußball und Politik, versehen mit einem hintergründigen Wortwitz, der auf ein aktuelles Thema Bezug nimmt. Den Karikaturen von Arnd Hawlina ist ein spezieller Charakter gemeinsam. Die Pointen zünden meist nicht auf ersten Blick und treffen doch den Kern der Sache. Doch wer ist der Mann hinter
den Bildern?

Im Porträt: Karikaturist Arnd Hawlina

Leidenschaftlicher Zeichner mit Fan-Blick

14. Februar 2008, 14:42 Uhr

Seine Bilder sind im „RevierSport“, „Kicker“, verschiedenen Lokalzeitungen oder auf „schwatzgelb.de“ zu sehen. Comichafte,
sehr detailreiche Darstellungen von bekannten Protagonisten aus Fußball und Politik, versehen mit einem hintergründigen Wortwitz, der auf ein aktuelles Thema Bezug nimmt. Den Karikaturen von Arnd Hawlina ist ein spezieller Charakter gemeinsam. Die Pointen zünden meist nicht auf ersten Blick und treffen doch den Kern der Sache. Doch wer ist der Mann hinter
den Bildern?

Die Kneipe „Barrock“, mitten im Dortmunder Kreuzviertel auf fast direkter Linie zwischen Innenstadt und Stadion. Der Ort, an dem Menschen heute an voll besetzten Tischen essen oder eine Runde Skat „kloppen“, atmet, Fußball-Atmosphäre, auch wenn der BVB gerade nicht spielt. Hawlina, ein groß gewachsener Enddreißiger mit zurückgekämmtem dunkelblondem Haar, ist nicht mehr allzu häufig in Dortmund, er wohnt und arbeitet im Sauerland.

Und dennoch ist gerade dieser Teil der Stadt mit seiner großen Leidenschaft verbunden. „Fußball hat mich mit seiner Ästhetik schon immer fasziniert, auch wenn ich kein guter Spieler war.
Und was ich gerade hier im Kreuzviertel mit dem BVB erlebt habe, vergisst man so schnell nicht“, erzählt der gebürtige Attendorner, der zwischen 1996 und 1998 in Dortmund wohnte.
Einmal begonnen, kommt die Suche nach Fußball-Erinnerungen bei ihm immer schneller in Gang: Champions-League, Meisterschaft, „gewaltige Verbrüderungsszenen“ in den Kneipen.
Hawlina, nach eigener Aussage ein Fan mit „Leib und Seele“, gerät ins Schwärmen, um dann wieder auf das eigentliche Thema des Gesprächs umzuschwenken.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/409-6495_preview.jpeg Karikaturist Arnd Hawlina[/imgbox]
Stilblüten der Profis als Vorlage

Denn der studierte Architekt blickt bisweilen aus einem anderen Blickwinkel auf seinen Lieblingssport, stets aufmerksam für Kommentare und Ereignisse rund um den Fußball. „Häufig entsteht aus einem Satz oder einem Sprichwort das Motiv“, sagt Hawlina. Es folgt die oft stundenlange Arbeit am Zeichentisch. „Es macht mir einfach Spaß. Und man kann sich als Fan ausleben.“

Der Zeichenstift begleitet Hawlina seit frühester Kindheit. „Wenn
ich den Stift in der Hand habe, bin ich absolut in meiner eigenen
Welt. Dann gibt es fast keine Ablenkung.“ Und wie er sich so über den Tisch beugt und seine Haltung beim Zeichnen demonstriert, kann man ihn sich plötzlich bildhaft vorstellen, den kleinen Arnd, wie er bei Familienfesten ganze Papierberge zeichnete oder sich „Comicschlachten“ mit dem großen Bruder
lieferte. Hawlina wuchs in Essen, Aachen und im Sauerland auf, lebte in Dortmund und Berlin. Immer hatte er „den guten alten Bleistift“ dabei, für ihn bei allen technischen Möglichkeiten ein unverzichtbares Instrument für seine Arbeit.
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Comics sind seine Fachliteratur

Das Arbeitszimmer seiner Wohnung im sauerländischen Kierspe
schmückt eine riesige Kollektion von Comicheften. Da sind die Klassiker: „Lucky Luke“, „Tim & Struppi“, „Asterix“. Und eine stattliche Anzahl an „MAD“-Ausgaben. „Das ist Fachliteratur“, meint Hawlina, der die bunt gezeichneten Geschichten als „Kunst“ bezeichnet. So erklärt sich der betont comicartige Stil seiner Karikaturen. „Ich gebe mir viel Mühe mit den Details, zeichne die kleinste Pore und das feinste Haar. Das ist aus der Zeit hängen geblieben, in der ich mich viel mit Comics beschäftigt habe.“

Er entdeckte sein Zeichentalent, entwickelte es im Wettbewerb mit seinem Bruder weiter und machte es schließlich zur Profession, als er sein Architektur-Studium in Berlin begann. Die anfangs noch als Hobby gezeichneten Karikaturen tragen zu seinem Lebensunterhalt bei, seit sich Hawlina 2003 als Grafiker und Architekt selbstständig machte. Wöchentlich erscheinen seine Karikaturen in den Titeln des „Märkischen Zeitungsverlag“, der fast das gesamte Sauerland abdeckt. Im eigen Hawlina-Stil kommentiert er zeichnerisch lokale Themen, stößt aber auch schon mal die große Politik an. Zudem illustriert er Kundenzeitschriften, plant Architektur-Projekte und zeichnet auf privaten Auftrag. „Karikaturen sind immer ein beliebtes Stilmittel, das besonders in der Werbung derzeit wieder gefragt ist“, meint der 39-Jährige. Seine erste satirische Zeichnung war eine politische, als er in den Zeiten der BSE-Skandale Mitte der Neunziger Jahre den damaligen britischen Premierminister John Major im Kuhfell darstellte.
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Sport-Karikaturen als zweites Standbein

Die politischen Karikaturen sind sein Alltag, der Sport immer ein bisschen Ablenkung. „Abgesehen davon, dass sie technisch etwas anders sind, müssen Sport-Karikaturen immer etwas plakativ sein. Bei politischen Karikaturen darf man auch einmal mehr überlegen.“ Nur beim BVB, den er seit Jahren mit seinen Bildern auf „schwatzgelb.de“ begleitet, will sich ihm derzeit kein richtig ausdrucksstarkes Bild aufdrängen. „Das ist im Moment weder Fisch noch Fleisch“, vermisst er ein wenig die Leidenschaft der Neunziger Jahre. Für einen Karikaturisten eine denkbar ungünstige Lage.

Sorgen um die Themenfindung muss er sich im
Sport aber nicht machen.„Es gibt immer Ansätze, etwas zu machen“, meint Hawlina. Und so wird er uns wohl noch einige unterhaltsame Bilder wie das vom schmerbäuchigen Ailton am
Gelsenkirchener Kiosk oder Marcio Amoroso als Diva im Damenkleid zu betrachten geben.

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