Beim VfB Hüls ist vieles anders. Das hat Neuzugang Sebastian Senger, der vom krisengeschüttelten Gladbeck an den Badeweiher kam, schnell gemerkt.

VfB Hüls: Sebastian Senger mit seiner Entscheidung zufrieden

"Fahre wieder gerne zum Training"

tt
13. Februar 2008, 09:21 Uhr

Beim VfB Hüls ist vieles anders. Das hat Neuzugang Sebastian Senger, der vom krisengeschüttelten Gladbeck an den Badeweiher kam, schnell gemerkt. "Mittelfeldspieler Ercan Kacar habe ich in den ersten Tagen gar nicht gesehen, weil er wegen seiner Schicht nicht zum Training kommen konnte. Ihn habe ich deswegen erst in meiner zweiten Woche kennengelernt", sagt die Winter-Neuverpflichtung.

Auch die Begegnung mit Coach Klaus Täuber in der Umkleide ließ Senger staunen. "Es ist schon beeindruckend, wie trainiert sein Körper mit 50 Jahren aussieht. So sehe ich noch nicht Mal mit 23 aus", zwinkert Senger. Was für ihn aber am wichtigsten ist: "Ich fahre wieder gerne zum Training, es macht richtig Spaß."

Genau dieser Faktor war bei ihm in Gladbeck wegen der ständigen Unruhe völlig verlorengegangen. "Es gab wirklich Tage, an denen ich gedacht habe: Warum tust du dir das überhaupt noch an? Bei mir waren die finanziellen Schwierigkeiten, die der Verein hatte, nicht ganz so gravierend, weil ich eine Arbeitsstelle bei Signal-Iduna in Dortmund habe. Andere Spieler, die nur auf Fußball angewiesen sind, hatten da viel größere Probleme. Auch die ständigen Negativ-Schlagzeilen nervten gehörig", blickt Senger zurück.

Das, was er vorher bereits vom Hörensagen kannte, hat sich nun in Hüls bestätigt. "Ein absolut seriös geführter Verein", freut sich der angehende Betriebswirt, "alles, was versprochen wird, tritt auch genauso ein. Die Mannschaft ist spielstark, hat richtig gute Leute dabei. Ich denke schon, dass wir die NRW-Liga schaffen können."

Senger ist keineswegs zum VfB gekommen, um ein bisschen mitzukicken. Er hat genug Ehrgeiz und ist erfolgshungrig. "Ich bin nicht nach Hüls gewechselt, um nur ein paar Spiele zu gewinnen, sondern will unbedingt meinen Teil zum Aufstieg beitragen. Die neue Spielklasse ist eine große Herausforderung."

Allerdings wäre sie auch mit Schwierigkeiten verbunden. Senger geht neben seinem Job in Sichtweite des BVB-Fußball-Tempels zur Abendschule, hat also einen vollen Terminplan. "Eigentlich habe ich gesagt, dass ich die Oberliga komplett ausschließe, aber wenn sich Fußball, Arbeit und Lernen vereinbaren lassen, wäre das sicher eine Überlegung für die neue Saison."
Der als Verteidiger eingeplante Akteur erläutert: "In Gladbeck konnte ich eine Einheit zugunsten der Schule auslassen. Wenn man trotzdem Leistung bringt, klappt das alles. Ist das nicht der Fall, muss der Trainer zwangsläufig reagieren. Aber noch steht die Entscheidung nicht an, jetzt konzentrieren wir uns erst Mal auf die Rückrunde."

Was seine eigenen Fähigkeiten angeht, kann Senger sich realistisch einschätzen. "Ich bin nicht der Filigrantechniker, sondern mehr der Kämpfer und Fighter. Du brauchst in einer Mannschaft ohnehin die richtige Mischung, nur mit guten Fußballern hat man es auch schwer. Was die Position betrifft, habe ich Mittelfeld, Manndecker und hängende Spitze gespielt, also eigentlich alles durch. Ich passe mich an und versuche dort Leistung zu bringen, wo der Trainer mich aufstellt."

Dass im Fußball auch gefrozzelt wird, versteht sich von selbst. Als ehemaliger BVB-Dauerkarten-Besitzer blickt Senger verständlicherweise gespannt auf das heutige Derby gegen Schalke. "Wenn Borussia gewinnt, lasse ich mir einen Spruch für Klaus Täuber einfallen", hat er sich vorgenommen. Siegt allerdings "königsblau", wird es hart für Senger. Der Großteil tendiert beim VfB zu Schalke...

Autor: tt

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