Das Derby Schalke gegen Dortmund hat eine Menge auf dem Kerbholz. Seit dem letzten Mai sind die Emotionen, mit denen beide Lager ihre Antipathien pflegen wie Kleingärtner ihre Kletterrosen, noch nicht erkaltet. Hier die pure Schadenfreude, höchstselbst dem Rivalen den Titelgewinn vermasselt zu haben. Da Tränen und Wut über die „Kopfprämie“ der klammen BVB-Vereinsführung, damit mit einem Sieg über Schalke am vorletzten Spieltag eine vollständig verkorkste Spielzeit vor den Fans noch als tolle Leistung verkauft werden konnte. Da ist vieles noch nicht aufgearbeitet.

RS-Kommentar: Derby am kommenden Sonntag sehr konfliktbeladen

Unvergessene „Kopfprämie“

Ulrich Homann
07. Februar 2008, 12:50 Uhr

Das Derby Schalke gegen Dortmund hat eine Menge auf dem Kerbholz. Seit dem letzten Mai sind die Emotionen, mit denen beide Lager ihre Antipathien pflegen wie Kleingärtner ihre Kletterrosen, noch nicht erkaltet. Hier die pure Schadenfreude, höchstselbst dem Rivalen den Titelgewinn vermasselt zu haben. Da Tränen und Wut über die „Kopfprämie“ der klammen BVB-Vereinsführung, damit mit einem Sieg über Schalke am vorletzten Spieltag eine vollständig verkorkste Spielzeit vor den Fans noch als tolle Leistung verkauft werden konnte. Da ist vieles noch nicht aufgearbeitet.

Auch hat es, zumindest was dieses Derby angeht, schon besonnenere Vereinsführungen auf beiden Seiten gegeben. Zwar hat das Spiel am kommenden Sonntag keinesfalls die Brisanz des letzten Aufeinandertreffens. Aber es ist trotzdem enorm konfliktbeladen, und die Sorge, dass die aufgeheizte Stimmung sich auf den Rängen entladen könnte, scheint berechtigter denn je.

Sportlich betrachtet hat Schalke derzeit schon wieder zehn Punkte mehr als der BVB auf dem Konto. Das ist eine Menge Holz, sagt schon einiges über das Leistungsvermögen beider Teams aus. Trotzdem kann die Borussia natürlich jederzeit Schalke schlagen. Die Aufholjagd zuletzt in Duisburg hat der Moral gut getan. Kehl und nun auch Frei zurück im Team, das ist qualitativ ein gewaltiger Satz nach vorne.

Schalke schickte die Fans nach der Winterpause direkt durch ein Wechselbad der Gefühle. Die Pokal-Niederlage in Wolfsburg ließ viele schon wieder verzweifeln. Der klare Sieg über den amtierenden Meister zeigte aber das andere blau-weiße Gesicht. Die Mannschaft verfügt, auch durch die drei neuen Offensiven, über enormes Potenzial. Muss es nur endlich mal auf Dauer abrufen. Dass Kevin Kuranyi ausfällt, wird da gar nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Auf mittlere Sicht müssten die beiden westfälischen Großklubs auch im bundesweiten Vergleich eine herausragende Rolle spielen können.

Gerade zehn Jahre ist es her, als beide sogar den europäischen Fußball dominierten. 1997 gewannen sie die ChampionsLeague und den UEFA-Cup - mehr geht nicht. Seither gab es Rückschläge, aber auch immer noch genügend Triumphe und Titel. Auch wenn nicht immer alles klappen kann. Aber Schalke und der BVB repräsentieren schon mehr als ordentlich die Region Ruhrgebiet.

Sie haben vieles geleistet, das identitätsstiftend gewirkt hat. Beide Seiten sollten nicht vergessen, dass sie Nachbarn sind. Jeder braucht irgendwie den anderen, obwohl er ihn manchmal auch zum Teufel wünscht. So ist das halt in den Siedlungen des Reviers. Für Sonntag wünscht man sich ein packendes Derby, eine Demonstration der Stärke des Revier-Fußballs. Einen verdienten Sieger. Und dass alles friedlich bleibt.

Autor: Ulrich Homann

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