Mit der Rekord-Pleite gegen Frankreich endete die EM für die deutsche Mannschaft unrühmlich. Bundestrainer Heiner Brand reagierte nicht nur durch Personalien, sondern nahm im RS-Interview auch kein Blatt vor den Mund und kritisierte nochmals die Leistung der Reservisten und die emotionslose Art des letzten Auftritts.

RS-Interview: Heiner Brand zieht ein zwiespältiges EM-Fazit

„Als ob die Gegner aus der Kreisliga kommen würden…“

Über die Handball-EM berichtet Kai Griepenkerl
01. Februar 2008, 10:06 Uhr

Mit der Rekord-Pleite gegen Frankreich endete die EM für die deutsche Mannschaft unrühmlich. Bundestrainer Heiner Brand reagierte nicht nur durch Personalien, sondern nahm im RS-Interview auch kein Blatt vor den Mund und kritisierte nochmals die Leistung der Reservisten und die emotionslose Art des letzten Auftritts.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/000/073-75_preview.jpeg Es war zum Haare raufen: Bundestrainer Heiner Brand. (Foto: firo)[/imgbox]Heiner Brand, hat sich Ihr Fazit durch die 26:36-Schlappe im Spiel um Platz drei gewandelt?

Das hat schon etwas verändert. Mit dem Erreichen des Halbfinales war ich unter den gegebenen Umständen zufrieden. Die Mannschaft hat sich sehr positiv präsentiert, auch bei der Niederlage gegen Dänemark war es okay. Aber wie sie sich im Spiel um Platz drei verhalten hat, das kann ich so nicht akzeptieren.

Was meinen Sie konkret?

Man kann gegen Frankreich verlieren, aber das Wie ist entscheidend. Ich habe Verständnis für die Spieler, die aufgrund unserer personellen Situation eine hohe Belastung hatten. Aber wenn man auf dem Feld ist, sollte man einen gewissen Stolz an den Tag legen und sich ordentlich zeigen – auch wenn es nur für zehn Minuten ist. Es fehlte ein wenig die Leidenschaft. Ich habe immer auf die Uhr gesehen und gehofft, dass die Zeit schnell umgeht.

Können Sie denn auch die Vorstellungen der Reservisten nachvollziehen?

Die Leute, die von der Bank kommen, sollten zumindest Feuer zeigen. Das war gegen Frankreich nicht der Fall. Für ein schlechtes Spiel habe ich Verständnis, aber man muss zumindest wollen. Pascal Hens war zum Beispiel nicht gut, aber er hat mit vollem Einsatz agiert und versucht, dem Spiel eine Richtung zu geben. Das verlange ich von jedem.

Darf man sich als Weltmeister so präsentieren?

Waren das denn Weltmeister, die am Ende auf dem Platz standen? Das war die Weltmeister-Nation, aber Leute wie Stefan Schröder, Rolf Hermann und Lars Kaufmann standen ja nur im erweiterten Kader. Wir sind nur durch den Kampfgeist und durch den Zusammenhalt ins Halbfinale gekommen. Am Ende hat das aber gefehlt.

Was für Erkenntnisse nehmen Sie von der EM mit?
Unser Thema des gesamten Turniers ist, dass man für Tore arbeiten muss. Es wurde immer wieder versucht, den Kreisläufer anzuspielen, als ob unsere Gegner aus der Kreisliga kommen würden. Das war im Zusammenhang mit der Müdigkeit der Hauptgrund, warum nicht mehr erreicht wurde. Wer zuletzt Zweifel hatte, welche Bedeutung Markus Baur für die Mannschaft hat, dem wurden im Spiel um Platz drei die Augen geöffnet. Da müssen wir nicht über seine Trainer-Tätigkeit diskutieren, sondern über das, was die anderen auf seiner Position leisten.

Wird Baur auch im Hinblick auf Olympia eine wichtige Rolle für Sie spielen?

Natürlich. Ich will in Peking die bestmögliche Auswahl aufbieten, da werde ich Markus offensichtlich brauchen. Ohnehin ist der Kreis an Kandidaten auf fast allen Positionen sehr überschaubar. Da fällt es schwer, so etwas wie eine Konkurrenz-Situation zu schaffen. Abgesehen von den Torhütern haben wir überall größere und kleinere Baustellen zu bearbeiten.
Was nehmen Sie sich für die Olympischen Spiele vor?
Für eine klare Zielvorgabe ist es noch zu früh. Aber wir haben gezeigt, dass wir mit den Spitzenmannschaften durchaus mithalten können. Allerdings muss bei uns schon alles stimmen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Das hat bei der EM nur teilweise gepasst.

Autor: Über die Handball-EM berichtet Kai Griepenkerl

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