Der Kreuzbandriss: Ein schwerer Schlag für jeden Fußballer. Noch vor Jahren stand man mit dieser schwerwiegenden Diagnose vor dem Karriere-Ende, doch die Schulmedizin scheint im Stande Großes zu leisten. Die Fußballfans staunten zumindest nicht schlecht, als die Nachricht kam, dass Markus Miller nur 82 Tage nach der Ruptur seines Kreuzbandes wieder für den KSC zwischen den Pfosten stand.

"Warum habe ich jetzt ein kaputtes Knie?"

Kreuzbandriss! OP oder konservative Therapie?

29. Januar 2008, 18:03 Uhr

Der Kreuzbandriss: Ein schwerer Schlag für jeden Fußballer. Noch vor Jahren stand man mit dieser schwerwiegenden Diagnose vor dem Karriere-Ende, doch die Schulmedizin scheint im Stande Großes zu leisten. Die Fußballfans staunten zumindest nicht schlecht, als die Nachricht kam, dass Markus Miller nur 82 Tage nach der Ruptur seines Kreuzbandes wieder für den KSC zwischen den Pfosten stand.

Seine Verletzung wurde konservativ behandelt. Die neue Therapie, die der Angst vor dem Kreuzbandriss ein Ende bereitet? Eher nicht! „Kunstfehler“ nennt es der Sportmediziner Dr. Joachim Schubert, der zehn Jahre Mannschaftsarzt beim VfL Bochum war, und zudem die Nationalmannschaft Togos bei der WM 2006 medizinisch betreute. „Wenn man ein Knie mit gerissenem Kreuzband nicht operiert, wird es als Kunstfehler gewertet und ich würde als Vereinsarzt von einer konservativen Behandlung abraten.“

„Ohne einen operativen Eingriff kann man natürlich auch wieder nach vier Wochen auf dem Platz stehen, denn der Grund für die lange Pause ist der, dass die Operation gut ausgeheilt sein muss“, nimmt Dr. Schubert Bezug auf den KSC-Keeper. „Doch es gibt Statistiken, die beweisen, dass der Knorpelabrieb ohne Kreuzband beschleunigt wird. Aber aus der Ferne ist es natürlich schwer zu beurteilen, warum Miller nun so und nicht anders gehandelt hat.“

Ohne einen entsprechenden Ersatz, der die Gleitbewegungen im Gelenk führt und das Knie stabilisiert, ist die Gefahr einer Kniearthrose ungleich höher als mit einem Kreuzbandimplantat.
Durch die ohne Kreuzband unphysiologischen Bewegungsabläufe im Kniegelenk wird der Verschleiß beschleunigt. Die Gelenkknorpel zwischen dem Schienbein- und Oberschenkelkopf nutzen schneller ab, was eine schmerzvolle und gestörte Beweglichkeit zur Folge hat.

Trotzdem muss die einzuleitende Therapie nach der Diagnose Kreuzbandriss von Patient zu Patient sorgsam gewählt werden. Denn „einer Couchpotato, die hundert Kilo wiegt, jeden Tag bei McDonalds isst, und für den Sport ein Fremdwort ist, würde ich auch nicht empfehlen, ein neues Kreuzband zu machen“, räumt der Arzt ein, bekräftigt aber, dass „ein junger Sportler mit einem gerissenen Kreuzband und gewissen sportlichen Ambitionen, egal ob im Amateur- oder Profibereich, ein neues Kreuzband bekommen muss.“

Nun ist der KSC-Profi aber nicht der erste Profisportler, der seine Karriere ohne Kreuzband fortsetzen wird, höchstwahrscheinlich aber auch nicht der Einzige, der in den kommenden Jahren mit den schmerzhaften Folgen zu kämpfen hat. „Es gibt Einzelfälle, die sich durchgekämpft haben“, bemerkt Dr. Schubert „aber die kommen dann in ein paar Jahren zu ihren Ärzten und fragen, ´warum ist das damals nicht gemacht worden? Warum habe ich jetzt ein kaputtes Knie?´ Aber wenn jemand sagt, ich will es trotzdem nicht operieren lassen und die Risiken sind mir egal, weil ich gerade einen Lauf habe, dann ist es seine Sache.“

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