Die Pechsträhne von Oberhausens Timo Uster setzt sich auch 2008 fort. Während die Kollegen unter der türkischen Sonne malochen, um bestens präpariert in die Regionalliga-Restrunde zu gehen, muss der ehemalige Darmstädter in der Reha für das nächste Comeback schuften. RS unterhielt sich mit dem Verteidiger.

RWO: Uster nach Ermüdungsbruch wieder auf Eis

"Gesten, die wichtig sind"

Christian Brausch
26. Januar 2008, 09:44 Uhr

Die Pechsträhne von Oberhausens Timo Uster setzt sich auch 2008 fort. Während die Kollegen unter der türkischen Sonne malochen, um bestens präpariert in die Regionalliga-Restrunde zu gehen, muss der ehemalige Darmstädter in der Reha für das nächste Comeback schuften. RS unterhielt sich mit dem Verteidiger.

Timo Uster, was ist diesmal passiert?
Ich habe mir einen Ermüdungsbruch am unteren Schienbein zugezogen. Beim Training ist es geschehen, ich habe einen Schlag von unten bekommen.
Wie lange müssen Sie pausieren?
Das ist schwer zu sagen. Ich habe auch mit dem Doc gesprochen, er sagte, das kann drei aber auch sechs Wochen dauern. Man kann nichts machen, die Stelle wird stillgelegt und somit entlastet. Nebenbei mache ich die Reha.

Coach Hans-Günter Bruns sagte, wenn Sie wieder zurück sind, ist die Spielzeit fast vorbei. Ist dem so?
Ich bin von der Konstitution so, dass ich immer wieder recht schnell dabei bin. Grundsätzlich brauche ich nicht so lange, um wieder fit zu werden. Aber da ich nicht genau weiß, wann ich wieder mitmachen kann, wage ich auch keine Prognose.

Wenn immer wieder Rückschläge zu verzeichnen sind, kommt man irgendwann an den Punkt, wo man vor der ständigen Reha-Arbeit kapituliert?
Ich muss ehrlich sagen, die Diagnose war in diesem Fall ein echter Schock für mich. Ich habe mich in der Pause sehr ordentlich vorbereitet, um in der Rückrunde wirklich angreifen zu können. Körperlich fühlte ich mich top, es gab keine Zimperlein, dann die Blessur. Das kann eigentlich nicht wahr sein, so etwas ist schon deprimierend.

Der Rest ist in der Türkei und Sie können alles nur per Tagebuch von Daniel Embers verfolgen, oder?
Genau, das mache ich auch, eine lustige Sache. Aber allzu sehr schaue ich da nicht drauf, ich muss mich von der Situation auch etwas ablenken. Denn der Kopf spielt auch eine große Rolle. Der Frust, nicht dabei zu sein, ist schon recht groß.

Wie lenken Sie sich ab?
Die Reha ist natürlich ein Teil, um fit zu sein, wenn es wieder los geht. Aber ich versuche auch andere Wege zu finden, die mich neben dem Fußball weiterbringen. Denn wenn man so eine Verletzungsmisere erlebt, bringt einen das schon zum Nachdenken.
Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, wie geht es da weiter?
Das kann ich noch nicht beantworten. Ich konzentriere mich erst einmal darauf, fit zu werden. Wir haben ein Ziel, das verfolgen wir konsequent. Gedanken über die Zukunft mache ich mir noch nicht, es ist noch ein halbes Jahr hin.
Also ist alles offen?
Richtig, es ist alles möglich. Bleiben, gehen oder aufhören.

Gab es schon ein Gespräch mit dem Sportlichen Leiter Jürgen Luginger?
Nein, ich denke das wird nach dem Trainingslager passieren. Dann erörtern wir die Situation und man muss alles realistisch einschätzen, das wird gar nicht leicht. Wir werden offene Worte finden und dann schauen wir weiter.

Im Winter wurde in der Liga ordentlich nachgelegt. Denken Sie, RWO liegt weiter auf Augenhöhe mit dem Spitzenteams? Oder hat eine Verschiebung stattgefunden?
Das kann gut laufen, aber auch nach hinten losgehen. Wir werden sicher nur auf uns schauen, die Punkte angehen, die uns stark gemacht haben. Niemand darf das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.
Haben Sie schon einen Horror vor dem ersten Spieltag gegen Bremen II, wenn Sie wieder nur auf der Tribüne sitzen können?
Das ist kein schönes Gefühl, am liebsten würde ich die Partie vor dem Fernseher in der Kabine verfolgen und warten, bis die Truppe nach dem Sieg zurück kommt.
Wer ist bei der ganzen Pechsträhne die größte Stütze?
Generell denke ich sehr positiv und brauche nicht so viel Hilfe. Aber die Jungs sind schon klasse. Nach der Diagnose war die Anteilnahme der Spieler sehr groß. Vor der Partie in Uerdingen kam Dimi Pappas zu mir und gab mir sein Schweißband, seinen Talisman, damit ich schnell wieder gesund werde. Ich muss ihm das vor unserem ersten Match in der Liga aber wieder zurück geben. Das sind Gesten, die sind wichtig für einen. Das zeigt, wie es bei uns stimmt.
Sind Sie jetzt doppelt motiviert, um es nach den vielen Rückschlägen in dieser Spielzeit nochmals allen zu zeigen?
Nein, mein Ehrgeiz ist immer groß. Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich habe meine Laufbahn gehabt, es war nicht unerfolgreich. Und wenn ich jemandem etwas zeigen möchte, dann mir selber.
Stand heute, würden Sie trotz der vielen Probleme der letzten Monate sagen, dass Sie mit dem Wechsel zu RWO alles richtig gemacht haben?
Absolut. Es gab ein schwieriges erstes Jahr, dann habe ich meinen Teil dazu beigetragen, dass es mit dem Verein wieder aufwärts geht. Ich habe viele gute Leute kennen gelernt, Beziehungen geknüpft, für meine Zukunft einiges anschieben können, das alles in Oberhausen. Ich habe aus den guten und schlechten Zeiten einiges gelernt. Auch aus dieser Spielzeit habe ich Lehren gezogen, daher gehe ich auf jeden Fall gestärkt aus der RWO-Zeit heraus.

Autor: Christian Brausch

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