Die dritte Profiliga und die Auswirkungen auf den Amateurfußball: Ein Pro und Contra

Grundwerte in Gefahr?

11. Oktober 2006, 14:07 Uhr

Pro:

Von Florian Ziegler

Endlich! Was in der Praxis längst Alltag ist, schlägt sich nun auch in den Strukturen nieder: Die dritte Liga wird zur Profiliga. Was in anderen Ländern längst Alltag ist, muss in Deutschland noch um seine Anerkennung buhlen. Vor allem aus dem Oberliga- und Verbandsligabereich schlägt den Funktionären Skepsis entgegen. Was wird aus Sponsorengeldern, wenn man nur noch in der fünften statt in der vierten Liga spielt? Werden die Zuschauereinahmen nicht gravierend wegbrechen? Die Realiät dürfte weit weniger dramatisch aussehen, als es sich die Vereinsfunktionäre derzeit gespenstisch ausmalen. Sponsoren, zumindest im Amateurfußballbereich, interessiert oft weniger die Ligazugehörigkeit, als die Tatsache, in einer bestimmten Region präsent zu sein. Die „tote“ Verbandsliga ist hier das beste Beispiel. Warum als Sponsor aus dem Ruhrgebiet in eine Mannschaft investieren, wenn diese zu ihren Auswärtsspielen bis nach Weißtal, Menden oder Erndtebrück fährt, wenn der Landesligaklub direkt vor der Haustür ist? Auch die Befürchtung, die Vereine könnten an Zuschauern verlieren, ist wohl nicht mehr als heiße Luft. Die Anzahl an Klubs erhöht sich schließlich nicht und dass die Formel „höhere Liga = mehr Zuschauer“ im Amateurfußball oftmals ein Trugschluss ist, dürfte sich herumgesprochen habe. Ziemlich sicher ist dagegen, dass das sportliche Niveau in einer neuen dritten Liga durch den Status einer Profiliga und mehr Fernsehgelder weiter steigen wird. Und die Regionalligen, als neue, vierte Ligen, werden wieder das, was sie nach ihrem Wortlaut auch sein sollten – regional. Eine Tatsache, die vor allem die Kassierer freuen wird.

Contra:

Von Felix Guth

Zum vierten Mal im letzten Jahrzehnt kam beim DFB und seinen Vereinen Unzufriedenheit über den Zustand des Amateurfußballs auf. Nach Amateur-Oberliga, viergleisiger und zweigleisiger Regionalliga ist nun eine dritte, wahrscheinlich nach einem Sponsor zu benennende Profiliga das neue Konstrukt der Verbandsfunktionäre. Zu wenige bekommen ein Stück von dem viel zu kleinen Fernsehgeld- und Sponsorenkuchen und das will man ändern - so weit, so verständlich die Argumente für eine dritte Profiliga. Doch das Problem ist: Der Kuchen wird nicht in dem gleichen Maße größer, wie die Zahl der Esser, die an ihm teilhaben wollen. Und so hängt eine bedenkliche Entwicklung am Horizont, zumindest dann, wenn man mit Amateurfußball so etwas wie die grundlegenden "Werte" dieser so geliebten Sportart verbindet. Denn der Drang, mit aller Macht nach oben zu streben, birgt Gefahren. Die Beispiele für "Bundesliga-Verhältnisse" auf unterster Ebene sind zahlreich. Vereinsvorsitzende, die verrückt spielen. Trainer, denen nach zwei Niederlagen eisiger Wind entgegen bläst. Mannschaften, die sich nach sechs Saisonwochen im Nichts auflösen. Sponsoren, die bei ausbleibendem Erfolg schnell die Lust verlieren. Nicht unbedingt eine Entwicklung, wie man sie sich wünscht. Bleibt zu hoffen, dass sich letztlich die positiven Aspekte des großen Drittliga-Plans durchsetzen. Und dem Amateurfußball bei allem berechtigten Erfolgstreben eine seiner Grundeigenschaften erhalten bleibt - die nötige Lockerheit, die ein Freizeitvergnügen eigentlich ausmachen sollte.

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren