Wie die Jungfrau zum Kind! So oder so ähnlich lässt sich der Weg von Franz-Josef Passek, dem neuen Trainer von Landesligist DSV 1900, an die Düsseldorfer Straße beschreiben. Per Zufall trafen sich 2004 bei einem A-Jugendländerspiel zwischen Deutschland und Portugal die Wege von Wolfgang Bloch und dem gebürtigen Hessen. „Als ich am Ticketschalter stand, um mir eine Karte zu kaufen, schlug mir jemand mit der Hand auf die Schulter und sagte ‘Hey, wir kennen uns doch?!

DSV 1900: Passeks „Kartenspiele“ / „Kleine Etappen“

„Ich schlafe nicht auf dem Baum“

ag
22. Januar 2008, 12:06 Uhr

Wie die Jungfrau zum Kind! So oder so ähnlich lässt sich der Weg von Franz-Josef Passek, dem neuen Trainer von Landesligist DSV 1900, an die Düsseldorfer Straße beschreiben. Per Zufall trafen sich 2004 bei einem A-Jugendländerspiel zwischen Deutschland und Portugal die Wege von Wolfgang Bloch und dem gebürtigen Hessen. „Als ich am Ticketschalter stand, um mir eine Karte zu kaufen, schlug mir jemand mit der Hand auf die Schulter und sagte ‘Hey, wir kennen uns doch?!

Du brauchst hier doch nicht für eine Karte zu bezahlen. Das mache ich schon, du bekommst eine von mir’“, erklärt der 51-Jährige das erste Aufeinandertreffen mit dem jetzigen Sportlichen Leiter bei den Wanheimerortern.

„Und der Kontakt riss nie ganz ab, auch weil ich seit einiger hier lebe. Ich bin dem Wunsch meiner Lebensgefährtin nachgekommen und von Nordhessen nach Mülheim gezogen, weil wir nach 15 Jahren keine Lust mehr auf Pendeln hatten“, schiebt Passek nach. Als dann auch noch die „Fußballschule Bernard Dietz“ einen Jugendtrainer brauchte, dachte Bloch gleich an seinen einstigen „Karten-Spezi“ – und so kam dann auch schnell der Gedanke, Passek, der nebenbei in der zweiten Mannschaft des DSV und in der Altliga-Elf des MSV kickt, als Nachfolger des zurückgetretenen Jörg Kessen ins Spiel zu bringen.

„Wir haben gute Gespräche über die Vereins- und die Jugendarbeit geführt und relativ schnell gemerkt, dass wir gemeinsame Ziele und Vorstellungen haben. Zudem ist der DSV eine große Familie, in die er auch perfekt reinpasst“, berichtet Kurt Oellig, der erste Vorsitzende von 1900.

Der Kontrakt läuft zunächst für 18 Monate. „Ich hoffe, dass mich alle akzeptieren, auch wenn ich hier in Duisburg unbekannt bin. Aber wir haben abgesprochen, dass ich im Eventualfall auf dem ganz kurzen Dienstweg sofort aussteigen könnte“, legt Passek nach, dessen letzte Trainerstation beim BC Sport Kassel auch schon fünf Jahre zurückliegt. „Aber dort gab es zu viele Intrigen. Danach hatte ich keine Lust mehr auf Fußball“, schmunzelt er, „und jetzt sitze ich hier.

Weil er nie ganz loslassen konnte. „Der DSV ist auch so ein Club mit Tradition wie der BC Sport. Es juckt einfach, weil ich mit Leib und Seele Fußballer bin, auch wenn ich meine aktive Laufbahn mit 38 Jahren an den Nagel gehängt habe. Mein Partnerin hat mich schon für verrückt erklärt, weil ich trotz meines Trainer-Ruhestandes fast jeden Sonntag auf den Plätzen des Ruhrgebietes – bis hin zur Kreisliga B – unterwegs bin und über die Dörfer gehe.“

Daher erübrigt sich auch die Frage nach den Infos über den Fußball hier in der Umgebung. „Ich schlafe nicht auf dem Baum und kenne mich hier aus. Mein neues Team hab ich aber auch einige Male beobachtet – allerdings nur auf Zuruf, weil ich mich bewusst raushalten wollte.“ Deshalb steht heute zum Trainingsauftakt erst mal das Kennenlernen bei einem gemeinsamen Frühstück auf dem Programm. „Warum mein Vorgänger gegangen ist, kann ich nicht sagen. Ob gewisse Strömungen, Intrigen oder Absprachen innerhalb der Mannschaft dazu geführt haben, weiß ich auch nicht. Allerdings hätte ich mir für Jörg Kessen einen schöneren Abgang gewünscht. Schließlich hat er sehr viel aufgebaut. Ohne ihn würde ich hier nicht sitzen.“

Ab heute zählt aber nur seine Arbeit. „Deshalb werde ich auch die Spieler in die Pflicht nehmen. Die Qualität ist da, dennoch sage ich ganz unmissverständlich: Wer hier nicht mitzieht oder sich zu schade ist, auch mal in der zweiten Elf aufzulaufen, den können wir hier nicht gebrauchen. Da werden wir schnell aussortieren. Trotzdem werde ich nicht in der Vergangenheit wühlen und alles hinterfragen, was hier in den letzten Monaten passiert ist.“ In den Tenor stimmt auch Bloch ein. „Alle fangen bei Null an. Wir wissen aber um die Klasse der Mannschaft und wollen noch ans obere Drittel der Liga anklopfen“, ballt der Sportliche Leiter die Faust. Oellig: „Eine vernünftige Restrunde erwarten wir schon. Dann werden wir nach der Eingewöhnungsphase weiterschauen.“

Verstärkungen sind neben Robert Delling im Torhüter-Bereich erst einmal nicht geplant, die Abgänge (Sven Adamietz, Waldemar Niemczewski) halten sich in Grenzen. „Für mich ist aber auch wichtig, dass wir den Nachwuchs aufbauen und nicht nur die erste Mannschaft. Da sind Thomas Brag, Wolfgang Bloch und Kurt Oellig uns einig. Das muss unser oberstes Ziel sein. Was die Senioren angeht, hilft uns nur gemeinsame Arbeit für den Gesamterfolg weiter – in enger Verbindung mit der zweiten Mannschaft“, setzt er auf die Familien-Karte und fügt an: „Kleine Etappen sind da in allen Bereichen die Marschroute, um den Weg in die nahe Zukunft zu öffnen.“

Autor: ag

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