Auch 24 Stunden nach der Absage von Jens Lehmann, der am Freitag das Dortmunder Angebot eines bis zum Saisonende befristeten Vertrages ausschlug, war der geplatzte Transfer das Thema Nummer eins im „Marbella Paradise of Football and Sports“. „Uns war klar, dass es nicht leicht werden würde, ihn zu verpflichten, da uns Jens bereits von Anfang an deutlich gemacht hatte, dass die private Situation stimmen und vor allem seine Familie vom Wechsel überzeugt sein muss.

BVB nach Lehmann-Absage weiter auf Torwartsuche

„Sind natürlich enttäuscht“

Aus Marbella berichtet Matthias Dersch
13. Januar 2008, 12:13 Uhr

Auch 24 Stunden nach der Absage von Jens Lehmann, der am Freitag das Dortmunder Angebot eines bis zum Saisonende befristeten Vertrages ausschlug, war der geplatzte Transfer das Thema Nummer eins im „Marbella Paradise of Football and Sports“. „Uns war klar, dass es nicht leicht werden würde, ihn zu verpflichten, da uns Jens bereits von Anfang an deutlich gemacht hatte, dass die private Situation stimmen und vor allem seine Familie vom Wechsel überzeugt sein muss.

Das war leider nicht der Fall, insofern sind wir natürlich etwas enttäuscht über das Ergebnis“, stellte Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch einmal klar, dass die Absage der deutschen Nummer eins keinesfalls finanzielle Gründe hatte: „Das hatten wir in fünf Minuten geklärt.“[box_rsprint]

Zugleich wehrte sich der 48-Jährige dagegen, den geplatzten Lehmann-Transfer in die lange Reihe der kassierten Absagen (Andreas Hinkel, Marcelinho, David Rozehnal, Yildiray Bastürk) einzuordnen: „Wir hatten eine kühne Idee, die eigentlich für alle Beteiligten gepasst hätte, aber man muss auch akzeptieren, wenn ein Spieler das mit seiner Familie nicht unter einen Hut bekommt. Das ändert nichts an dem guten Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und Jens Lehmann.“

Trotzdem hinterlässt der geplatzte Transfer, vor allem aber das darum gemachte öffentliche Theater Spuren. So beteuerte zwar Sportdirektor Michael Zorc jederzeit, vollstes Vertrauen in den bisherigen Ersatzmann Marc Ziegler zu besitzen, diese Aussagen dürften dem 30-Jährigen jedoch angesichts der intensiven Bemühungen um Lehmann wie blanker Hohn vorgekommen sein.

Noch hält sich der Schlussmann allerdings zurück, wenn er betont: „Ich wurde über die gesamte Situation informiert, möchte jetzt aber ungern zurückblicken. Ich freue mich auf die Bundesliga und darüber, dass ich zwischen den Pfosten stehen kann.“ Innerlich dürfte es bei ihm dagegen brodeln.

Doch nicht nur auf diesem Feld wird, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, verbrannte Erde zurückbleiben. Gerade auf Michael Zorc, der in der Vergangenheit bereits häufig herbe Kritik an seiner Verhandlungsweise einstecken musste, wird starker Gegenwind zukommen. Weite Teile der Fans sehen in dem 45-Jährigen den Hauptschuldigen für die lange Liste der Absagen, auf der nicht nur Namen von oben genannten Spielern, sondern auch die von Ottmar Hitzfeld und Felix Magath zu finden sind. Dortmunds Führung hat mit der Verlängerung seines auslaufenden Kontrakts zwar ein deutliches Zeichen gesetzt, wirkliche Ruhe dürfte in der fast schon endlosen Diskussion um den Posten des Sportdirektors trotzdem nicht einkehren.

Dabei kann man dem früheren Mittelfeldmann im Falle Lehmanns kaum Vorwürfe machen, denn der bei Arsenal auf dem Abstellgleis stehende Keeper unterstrich bei seiner Absage glaubhaft: „Es tut mir leid, dass ich die Verantwortlichen beim BVB enttäuschen muss, denn sie haben sich sehr professionell um mich bemüht. Es hat rein private Gründe.“ Und auch die Absage von Rechtsverteidiger Andreas Hinkel scheint nicht auf Zorc zurückzuführen zu sein.

Das Problem liegt vielmehr in der gesunkenen Attraktivität und Anziehungskraft des Champions League-Siegers von 1997. Borussia Dortmund gehört nach Jahren des Mittelmaßes einfach nicht mehr zu den Spitzenvereinen Europas. Eine Erkenntnis, die in Dortmunds Führungsetage, aber auch in Fankreisen, noch nicht vollständig gereift zu sein scheint.

Der gefallene Status dürfte im Hinblick auf die weiterhin geplante Verpflichtung eines neues Schlussmannes allerdings keine Rolle mehr spielen. „Wir haben rein rechnerisch nach Roman Weidenfellers Verletzung einen Torwart zu wenig, und werden auf jeden Fall noch einen Keeper verpflichten“, bestätigt Zorc die Suche nach Ersatz, die zunächst auf die Dortmunder Regionalliga-Truppe bezogen sein wird. Ein Hintertürchen, dass eventuell doch noch ein gestandener Bundesliga-Keeper zum BVB stoßen könnte, ließ er allerdings offen. Die gehandelten Namen Hans-Jörg Butt oder Georg Koch dürften bei diesen Überlegungen allerdings keine Rolle spielen.

Autor: Aus Marbella berichtet Matthias Dersch

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren