In den letzten Monaten durchschritt der FCR Duisburg ein emotionales Wellental. Die überragende WM in China mit vierfacher Beteiligung des Clubs im erfolgreichen Kader (Simone Laudehr, Sonja Fuss, Annike Krahn, Lira Bajramaj), das sich stark „Verkaufen“ im aktuellen Meisterschaftsrennen, dazu aber das überaus bittere Aus im Pokal sowie das übervolle Lazarett. Schon traditionell unterhält sich Reviersport in der Winterpause mit Boss Ferdi Seidelt.

FCR Duisburg: Nach WM-Euphorie folgte bitteres Pokal-Aus

Emotionales Wellental

Oliver Gerulat
05. Januar 2008, 09:14 Uhr

In den letzten Monaten durchschritt der FCR Duisburg ein emotionales Wellental. Die überragende WM in China mit vierfacher Beteiligung des Clubs im erfolgreichen Kader (Simone Laudehr, Sonja Fuss, Annike Krahn, Lira Bajramaj), das sich stark „Verkaufen“ im aktuellen Meisterschaftsrennen, dazu aber das überaus bittere Aus im Pokal sowie das übervolle Lazarett. Schon traditionell unterhält sich Reviersport in der Winterpause mit Boss Ferdi Seidelt.

Ferdi Seidelt, 2007 wird sicherlich auch für den FCR 2001 Duisburg als ganz besonderes Jahr in die Annalen eingehen.

Zweifelsfrei! Die Deutsche Vizemeisterschaft, das Pech-Spiel in Berlin, die Deutsche Meisterschaft unserer B-Mädchen, der fulminante Auftritt der 2. Mannschaft in Liga II, die WM, der bisherige Verlauf in der Bundesliga, das unglückliche Ausscheiden im aktuellen Pokal.
Ein Jahr voller außergewöhnlicher Ereignisse. Welche Spuren hat die WM bei den Löwinnen hinterlassen?
Das allein ist ein Kapitel für sich. Jubel ohne Ende, waren doch vier Löwinnen dabei. Laudehr spielte ein Turnier der Extraklasse, machte das umjubelte Finaltor Nr. zwei, Bajramaj überraschte mit ihrer unbekümmerten Spielweise, Krahn bildete in der Abwehr eine Chinesische Mauer und Fuss zeigte von der Bank aus beste Teamqualitäten. Alle Spielerinnen waren und sind immer noch in den Schlagzeilen. Die WM 2007 hat Gesichter produziert, jetzt heißt es nicht mehr immer nur Prinz, Prinz, Prinz.

Umso ärgerlicher, dass nach der WM die halbe Finalmannschaft über kurz oder lang verletzt auf der Strecke blieb.
Natürlich! Es ist schon eine schwierige Situation, dass WM-Endspiel, Rückflug, Empfang in Frankfurt und Einstieg in das Vereinstraining im 24-Stunden-Takt und ohne jegliche Erholungspause auf der Agenda standen. Wenn dann Verletzungen auftreten oder auch nur der Akku leer ist, ist das kein Wunder. Auch Fußballerinnen sind keine Maschinen.
Wie hat sich die WM – neben dem Medienrummel und den vielen Ehrungen – an der Basis ausgewirkt?
Unsere nächsten Heimspiele wollten deutlich mehr Menschen als sonst sehen. Alle Mannschaften des FCR 2001 Duisburg tragen noch selbstbewusster das FCR 01-Emblem auf der Brust. Unsere Sponsoren erkennen die Vorwärtsentwicklung unserer Sportart an, weitere Partner wurden gewonnen, etliche Gespräche stehen hier noch an.
Ärgerlich ist da sicherlich das Pokal-Aus. Schließlich bringt „Berlin“ immer ein hübsches Sümmchen extra.
Unsere Schatzmeisterin stellt den Vereinsetat seriös und nachhaltig auf. Zuerst einmal ohne Pokal-Geld. Mit einem Weiterkommen im laufenden Wettbewerb wäre es viel leichter gefallen, in Strukturen zu investieren.
Strukturen? Kann es ein wenig konkreter sein?
Jeder weiß, welche Pläne Vorstand und Aufsichtsrat haben. Ganz oben auf der Wunschliste steht der Bau eines Kunstrasenplatzes. Es ist zwar toll, wie uns die Freunde des TV Angermund im Winter aus der Patsche helfen, doch die 365-Tage-Verfügbarkeit eines Kunstrasens ist wichtig, um uns als Leistungszentrum für Mädchen- und Frauenfußball noch stärker zu profilieren.

Bundesliga! Dreimal Deutscher Vizemeister in Serie. Wie schaut es aktuell aus?
Der knüppelharte Termindruck will es, dass wir ab Mitte Februar innerhalb von 15 Tagen vier schwere Spiele haben. Holen wir gegen Neuenahr und in Wolfsburg zwei Siege, geht’s als alleiniger Tabellenführer nach Frankfurt. Dann kommt München. Spannende Perspektiven, vorab aber Knochenarbeit ohne Ende. Bleibt nur zu hoffen, dass sich unser Lazarett mit acht Verletzten bis dahin lichtet.
Ein Blick auf die Revierkonkurrenz. Stellt der Pott auch in der kommenden Spielzeit drei Erstligisten?
Zu wünschen wäre es. Zum einen, weil so sechs knackige Revierderbys anstehen und zum anderen, weil Schönebecks Coach Trainer Ralf Agolli und Wattenscheids Trainerin Tanja Schulte aus den vorhandenen Rahmenbedingungen das Beste machen.
Wie sieht es mit der Kaderplanung 2008-2009 aus, gibt es hier Aktuelles zu berichten?
Bei uns gilt die Regel, dass der Trainer bis zur Winterpause seine Vorstellungen entwickelt, diese sogleich in den Gremien beraten werden und dann gehandelt wird. Das dauert seine Zeit. Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen geben wir bekannt, wenn die Tinte auf dem Papier trocken ist. Es nützt weder der Spielerin noch dem Verein, wenn vorher wild herumspekuliert wird.
Gibt es für den Vorsitzenden des FCR 2001 Duisburg ganz spezielle Wünsche für das kommende Sportjahr?
Meine Wünsche dürften sich mit denen des Vereins decken. Zuerst einmal mögen alle Spielerinnen gesund werden und bleiben. Dann peilen wir einen respektablen Auftritt beim T-Home-Cup und die Deutsche Meisterschaft an. Parallel dazu hoffen wir, dass die 2. Mannschaft weiter so durch Liga II wie bisher wirbelt, dass unser 3. Team die Verbandsliga hält und dass unsere B-Mädchen wieder das nationale Parkett erreichen. Und natürlich ein edelmetallträchtiges Auftreten bei den Olympischen Spielen. Mit möglichst vielen Löwinnen im Team

Autor: Oliver Gerulat

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