Wo andere Sport gucken wollen, warten sie nur auf die Gelegenheit, sich splitternackt ins Geschehen zu mischen: die so genannten Flitzer. Was treibt sie dazu, Millionen von Menschen ihre Genitalien zu zeigen? Wir haben nachgeforscht. Er war der Erste. Michael O’Brian tat es 1974. Ein Bild ging damals um die Welt. Drei Bobbys führen einen Bärtigen mit wehender Mähne vom Spielfeld der Rugbypartie England gegen Wales ab.

Flitzer im Porträt

Mit schleuderndem Gemächt

Christian Dittmar
27. Dezember 2007, 11:20 Uhr

Jimmy Jump

Eigentlich kein Flitzer, sondern – wie der Name schon sagt – ein Jumper. Aber da der Katalane für Frieden und Freiheit springt, haben wir ihn trotzdem gnädigerweise in unsere Liste aufgenommen. Zudem hat er sich eine ähnlich beeindruckende Anzahl an Festivitäten wie der Doyen des Flitzens Mark Roberts ersprungen. Jene erstreckt sich von Mehmet Scholls Abschiedsspiel bis zum Warmup der Formel eins in Barcelona 2004. Die Krönung seiner Jumperlaufbahn war gleichwohl das Finale der Europameisterschaft im selben Jahr. Hier setzte er nicht nur zu einem beherzten Lauf über das Spielfeld mit finalem Sprung ins Tornetz an, sondern wedelte auch vor Portugals Mittelfeldstar Luís Figo mit einer Barça-Fahne herum, nachdem der vier Jahre zuvor das Sakrileg gewagt hatte, vom FC Barcelona zu Real Madrid zu wechseln. Genau umgekehrt war es im April 2006, als Thierry Henry im Halbfinale der Champions-League in Villarreal zu Gast war. Jimmy Jump warf ein Barcelona-Trikot mit der Aufschrift »Henry 14« in Richtung des Franzosen vom FC Arsenal und gut ein Jahr später unterschrieb der schon lange von Barça Umworbene beim katalanischen Traditionsklub. Er bekam die Nummer 14.

Der 33-Jährige, der im wahren Leben Jaume Marquet Cot heißt, springt auch für die Unabhängigkeit Kataloniens, dessen Symbol immer noch der FC Barcelona - als ehemaliges Bollwerk gegen Franco – ist. Aus diesem Grund setzte er bei seinen Sprüngen schon diverse Male Spielern die barretina auf, wie bei Samuel Eto’o während eines Spiels von Barça gegen den FC Sevilla. Die rote Wollmütze mit dem schwarzen Rand gilt ebenfalls als Erkennungsmerkmal der katalanischen Nationalisten. Neben seinen politischen Bekenntnissen versucht der Mann aus Sabadell, mit seinen Jumps eine Hollywoodkarriere anzukurbeln – bisher allerdings erfolglos. Es meldete sich nur eine kanadische Produktionsfirma, die sein Leben inklusive aller Sprünge verfilmen will. Immerhin springt er schon seit 23 Jahren. Ein Leben, das dem seines großen Vorbildes Don Quijote ähnelt, kämpft er doch mit seinen Sprüngen für Frieden und Verständigung auch gegen Windmühlen an.

Autor: Christian Dittmar

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