Bevor er mit seiner Familie in der kommenden Woche in Rheda besinnliche Weihnachten verbringen kann und dann zwischen den Feiertagen beim Biathlon in der Arena an den Schießstand geht, hatte Schalkes Vorsitzender Josef Schnusenberg am gestrigen Freitag noch einen angenehmen Pflichttermin. Er und Peter Peters waren vor Ort in Nyon, wo die Auslosung des Achtelfinales in der Champions League alle Schalker in den Bann zog.

Josef Schnusenbergs Bilanz ist auch ein Bekenntnis zu Mirko Slomka

"Erhebendes Gefühl"

22. Dezember 2007, 09:32 Uhr

Bevor er mit seiner Familie in der kommenden Woche in Rheda besinnliche Weihnachten verbringen kann und dann zwischen den Feiertagen beim Biathlon in der Arena an den Schießstand geht, hatte Schalkes Vorsitzender Josef Schnusenberg am gestrigen Freitag noch einen angenehmen Pflichttermin. Er und Peter Peters waren vor Ort in Nyon, wo die Auslosung des Achtelfinales in der Champions League alle Schalker in den Bann zog.

Im Interview mit RevierSport zieht Schnusenberg, der den Vorsitz vor einem halben Jahr von seinem Vorgänger Gerd Rehberg übernahm, eine Bilanz der ersten sechs Monate seiner Amtszeit. Und zeigt darin klare Handlungsfelder für die Rückrunde auf.

Herr Schnusenberg, wie fällt Ihre erste Halbzeitbilanz als Vorsitzender des FC Schalke 04 aus?

Für mich persönlich war es eine neue Herausforderung, die ich gerne angenommen habe. Es macht ungeheuren Spaß diesen Verein zu führen. Trotz aller Problemchen , die es immer wieder mal gibt. Sportlich haben wir im Wesentlichen die Ziele erreicht, in den letzten Wochen den Anschluss an die Spitze wieder hergestellt. Wir sind im Achtelfinale der Champions League und auch im DFB-Pokal weiter vertreten. Das hat zur Folge, dass wir auch finanziell gut dastehen. Da wäre es vermessen zu sagen, ich wäre mit den ersten sechs Monaten meiner Präsidentschaft unzufrieden.

Da spricht aber eher der Finanzfachmann Schnusenberg!
Finanziell ist das Jahr 2008 - und das hatten wir seit meinem Antritt als Finanzchef 1994 noch nie- durch das Erreichen des Achtelfinales schon gelaufen. Die zwölf Millionen Euro, die als Mehreinnahmen im Raum stehen, sind eine vorsichtige Schätzung von mir und setzen sich zusammen aus den Geldern der UEFA, erhöhten Sponsoringeinnahmen sowie zusätzlichen Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Da der genaue Betrag nach dem komplizierten Verteilungsschlüssel der UEFA noch nicht feststeht, kann es vielleicht sogar etwas mehr werden. Das hilft uns sehr, den Ausbau der Mannschaft und der Infrastruktur weiter voranzutreiben.
Sie werden im Februar 67 Jahre alt, arbeiten auch noch in Ihrer Kanzlei als selbständiger Steuerberater. Wie kommen Sie mit der Doppelbelastung klar?
Das habe ich in der Tat ein wenig unterschätzt. Wenn man, wie ich, großen Wert darauf legt, den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren, dann bedingt das häufig weite Anreisen. Aber unsere Anhänger sind die Grundlage und das größte Kapital des Vereins. Wenn uns die Fans wegbrechen, können wir den Laden zu machen.
Denken Sie darüber nach, den Vorstand, der nach dem Ausscheiden Rudi Assauers zunächst von fünf auf vier Personen und nach der Ära Rehberg sogar auf drei Personen verkleinert wurde, wieder zu vergrößern?
Wir sind für die Größe unseres Vereins mit nur drei Vorstandsmitgliedern schon ziemlich knapp aufgestellt. Aber ich glaube nicht, dass wir uns auf der Vorstandsebene verbreitern müssen. Auf der mittleren Ebene sind jetzt einige junge Leute dazugekommen, die uns unterstützen.

Dennoch war in der Hinserie nicht alles Gold, was glänzt. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Schalke sein erklärtes Saisonziel, die erneute Qualifikation für die Champions Legaue, erreicht?
Wir werden uns in den nächsten Tagen in Ruhe zusammensetzen, das heißt: Vorstand und Trainer. Im Gespräch wollen wir analysieren, was in der Hinrunde gut war, was aber auch hätte besser laufen können.

Wo setzen Sie da an?
Die Zusammenstellung der Mannschaft kann man sicher nicht kritisieren. Heiko Westermann ist ein Volltreffer, auch Jermaine Jones ist eingeschlagen. Und so langsam merken auch alle, was für ein Juwel wir mit Carlos Grossmüller verpflichtet haben.

Der aber wegen seines Ausrasters in Frankfurt, den Sie scharf kritisiert haben, noch vier Spiele gesperrt ist. Woran liegt es, dass Schalke über weite Strecken der Saison eher dürftige Leistungen abgeliefert hat und in der Bundesliga hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb?
Wir müssen uns bei den vielen verletzten und angeschlagenen Spielern sicher hinterfragen. Auch die Disziplinfrage müssen wir stellen. Hier ist nicht alleine der Trainer in der Verantwortung. Vielleicht hätten wir uns um den einen oder anderen Spieler intensiver kümmern sollen. Wenn es uns gelingt, diese Schwachstellen auszuräumen, dann werden wir eine gute Rückrunde spielen.

Wäre Ihre Halbzeitbilanz anders ausgefallen, hätte der Nürnberger Marek Mintal am vergangenen Samstag in der letzten Minute nicht den Pfosten, sondern ins Tor getroffen?
Nein, grundsätzlich nicht. Wenn Sie auf meine Kritik an Mirko Slomka nach dem Spiel gegen den Karlsruher SC ansprechen, das resultierte aus einer spontanen Verärgerung. Wobei ich diese Kritik grundsätzlich nach wie vor für richtig halte und das Recht auch für mich in Anspruch nehme. Aber das ist ausgestanden, auch zwischen Mirko Slomka und mir persönlich.

Also stellt sich für Sie die Trainerfrage nach den jüngsten Erfolgen nicht mehr?

Diese Frage ist hat sich bislang nicht gestellt - sicher auch deshalb, weil der Fall des Misserfolges nicht eingetreten ist. Und diese Situation sehe ich jetzt auch auf lange Zeit nicht mehr.

Zum Thema Neuzugänge: Schon wieder ein Brasilianer, stöhnen die Fans beim Gedanken an Ze Roberto II. Warum verpflichtet Schalke so viele Südamerikaner, bei denen zumindest immer ein gewisses Risiko besteht, ob sie mit der deutschen Fußballkultur klar kommen?
Es ist nun einmal so, dass die besten Fußballerspieler aus Südamerika kommen. Und die Entwicklung ist dort noch lange nicht zu Ende. Die Menschen haben erkannt, welches Potenzial sie mit ihren jungen Fußballern haben. Das Problem in Südamerika und insbesondere in Brasilien ist eher, dass dort Menschenhandel betrieben wird. Man weiß oft nicht, wer welche Rechte an welchem Spieler hat. Aber natürlich versuchen wir auch in Europa unsere Fühler auszustrecken.
Entfernt sich Schalke mit solchen Spielern nicht dennoch immer weiter von seinen Fans?
Das ist ja nur die halbe Wahrheit. Unser größtes Augenmerk legen wir auf die Entwicklung der eigenen jungen Leute. Es wird immer über die Entwicklung der jungen Wilden bei den anderen Vereinen gesprochen. In Valencia hatten wir ein Durchschnittsalter von 23,5 Jahren auf dem Platz. Und wir sind erst am Anfang unserer Entwicklung. Wir haben weitere hochkarätige junge Spieler in der A- und B-Jugend, die wir unbedingt halten und aufbauen wollen. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Mannschaft um Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Christian Pander, aber auch Rafinha, der jung zu uns gestoßen ist, noch drei oder vier Jahre zusammenbleibt, dann können wir hier wieder die Erfolge haben, von denen die Leute immer schwärmen.

Aktuell drückt der Schuh im Sturm, außerdem steht eine Ergänzung zu Christian Pander in der Diskussion!
Für die linke Abwehrseite findet man ja kaum gute Leute. Deshalb halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass hier schnell etwas passiert. Aber es ist richtig, dass wir wegen der Verletzungsanfälligkeit von Christian, mit dem wir weiter planen, etwas tun müssen. Aber das lässt sich nicht von heute auf morgen lösen. Im Sturm sieht das schon anders aus. Wenn es uns gelingt, hier zum Abschluss zu kommen, werden wir das noch machen.
Ist es der Uruguayer Vicente Sanchez von Deportivo Toluca?

Als der Name Anfang der Woche öffentlich bekannt wurde, war ich sehr erstaunt, denn der Spieler war mir bis dahin unbekannt. Aber wenn Andreas Müller mit einem Spieler einig ist,

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