Der Präsident lebt den Optimismus für den Club weiter vor. RWE-Boss Rolf Hempelmann zieht am Ende eines Jahres traditionell Bilanz und gibt einen Einblick in seine Gedanken, die er sich im Laufe von knapp zwölf Monaten angesammelt hat. Die 2007-Themen sind vielfältig beim Deutschen Meister von 1955, schließlich musste man durch ein emotionales Wellental:

RWE: Boss Rolf Hempelmann: "Ich fühle mich im Zeitplan"

Die Bagger werden rollen

Oliver Gerulat
21. Dezember 2007, 08:39 Uhr

Der Präsident lebt den Optimismus für den Club weiter vor. RWE-Boss Rolf Hempelmann zieht am Ende eines Jahres traditionell Bilanz und gibt einen Einblick in seine Gedanken, die er sich im Laufe von knapp zwölf Monaten angesammelt hat. Die 2007-Themen sind vielfältig beim Deutschen Meister von 1955, schließlich musste man durch ein emotionales Wellental:

Jubiläumsjahr, Abstieg, neuer Anlauf in Liga drei, das neue Stadion, zuletzt das Theater gegen Fortuna Düsseldorf, das vom DFB empfindlich geahndet wurde. Gegen die Strafe wehrt sich RWE, eine Reaktion aus Frankfurt wird noch in dieser Woche erwartet, eine mögliche Verhandlung wohl aber erst für das neue Jahr terminiert. Zu allen Aspekten hat der SPD-Bundestagsabgeordnete verbales Kapital abzuliefern. Ohne großes schriftliches Konzept, spontan, gewissermaßen auch neudeutsch "Infotainment".
Rolf Hempelmann, es ist kurz vor Weihnachten...
...und wir finden uns wieder zusammen, das ist schon eine traditionell gemütliche Runde.
Diesmal beim Brunch.
Eigentlich hatten wir alles schon eine Woche früher geplant, aber mir kam eine Sitzung des Bundestags in Berlin dazwischen. Ich muss einfach mehrere Aufgaben koordinieren.
Und jetzt fassen Sie das Jahr zusammen.
RWE wurde 100 Jahre, beim Blick zurück gibt es einige Schlaglichter. Alleine für die Vorbereitung des runden Geburtstags wurde viel Arbeit investiert. Wir starteten mit enormem Elan, wir hatten den Aufstieg in Liga zwei im Rücken. Je näher der Geburtstag dann aber kam, um so mulmiger wurde uns, wir standen am Ende der Tabelle, das gefiel uns überhaupt nicht.
Eine emotionale Gratwanderung, oder?
Es ging darum, die Herausforderung mit Anstand zu bestehen, wir haben das auch recht professionell hingekriegt. Schlimmer konnte es ja eigentlich nicht mehr kommen. Wir hatten natürlich große Sorgen, wie es weiter gehen könnte. Auch die folgende Jahreshauptversammlung war dadurch geprägt, die Leute machten sich Gedanken. Der Verlauf der Veranstaltung konnte sich in der damaligen Zeit aber sehen lassen. Die Enttäuschung konnte verarbeitet werden, die Vorbereitung des neuen Teams machte viel Hoffnung. Ein Thema wie das neue Stadion spielte auch eine große Rolle.
Der Ligastart erschreckte.
Die Kulisse von über 15000 Fans machte aber klar, wie groß die Euphorie trotzdem war. Der Auftakt war nicht wirklich glücklich, wir verloren drei Heimspiele, das war schon ein gefährlicher Moment, das war durchaus brisant, es war eine erneute Enttäuschung.

Man kriegte die Kurve.
Alles durch gutes Teamwork, das Schiff wurde wieder auf Kurs gebracht. Geschäftsführung, Sportliche Leitung, Trainerteam, und Mannschaft rückten ganz eng zusammen. Auch wenn es noch Aussetzer gab.

Sie denken an die 180 Minuten zuhause gegen Cottbus II und in Verl, oder?
Insgesamt lässt sich die Bilanz sehen. Man stelle sich vor, wir wären besser aus den Blöcken gekommen, dann stünden wir auf einem Aufstiegsplatz. Die Darbietungen im Pokal hätten nicht besser sein können. Auf das anstehende Match gegen den Hamburger SV freuen sich alle. Wir haben noch alle Aussichten, das gesteckte Ziel zu erreichen. Trotz der Schwierigkeiten hat der Club Stabilität bewiesen. Wir haben sportliche Perspektiven, die Leitung hat demonstriert, wie man das Unternehmen auf Kurs halten kann. Wichtig ist auch, wie gut die Arbeit im Nachwuchsbereich funktioniert.
RWE war zuletzt wieder in den Schlagzeilen, weil es beim Match gegen Düsseldorf zu Vorfällen kam.
Davor gab es Ausschreitungen gegen Rostock, die zum Beispiel mit den Geschehnissen gegen die Fortuna nicht vergleichbar sind. Uns wurde durch die Geschäftsführung unseres Gastes ausdrücklich bestätigt, dass unser Ordnungsdienst sehr gut funktionierte. Von Hansa kamen damals gegenteilige Vorwürfe. Fortuna entschuldigte sich für das Verhalten seiner Fans, von Hansa haben wir in dieser Hinsicht nichts gehört. Damals ließen sich auch Fans von RWE in das Theater verwickeln, gegen Fortuna blieben unsere Anhänger vorbildlich. Das wurde auch durch den DFB-Kontrolleur vor Ort so bestätigt, das galt auch für das Wirken unseres Ordnungsdienstes.
Trotzdem wurde vom Kontrollausschuss eine Strafe in Höhe von satten 40000 Euro gefordert!
Bislang legten wir nie Einspruch ein, jetzt taten wir es. Wir tragen für unsere Anhänger und unseren Ordnungsdienst Verantwortung. Ich gehe davon aus, der DFB wird seine Entscheidung überdenken, denn positives Verhalten muss sich für Anhänger lohnen.

Kommen wir zu einer positiven Entwicklung. Was war am 16. Dezember um 17.34 Uhr?
Aus dem Faxgerät kam das Schreiben von Dr. Michael Kölmel, die finanziellen Angelegenheiten mit MK Medien sind endgültig und rechtsverbindlich geklärt, unterzeichnet werden die Verträge später im ersten Quartal 2008.
Der Club steht bekanntlich noch millionenfach beim ehemaligen Rechteverwerter in der Kreide.
Diese Klärung war wichtig für weitere große Projekte, die wir vorhaben.
Vor allen Dingen das neue Stadion.
Ganz klar, die durch eine neue Arena gewährleistete bessere Wettbewerbssituation soll bedingen, dass Gewinne auch in die Kasse des Clubs fließen.
Und nicht zu Kölmel, nur so überzeugt man weitere private Investoren.
Die Kosten für das Stadion werden sich ungefähr bei 43 Millionen Euro einpendeln. Um aber öffentlich mit allen Fakten aufzutreten, muss das Gesamtpaket klar sein, ich kann einfach noch nicht sagen, dass vier oder fünf Investoren unterzeichnet haben.
Es gibt auch noch nicht den endgültigen Ratsbeschluss der Stadt Essen, richtig?
Vor allen Dingen gibt es keinen linearen Verlauf. Manchmal muss man fünf Schritte nach hinten gehen, um danach drei erfolgreiche nach vorne zu vollziehen. Es ist ein teures Projekt, alle potenziellen Partner können überall die Nummer eins sein. Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir es hinkriegen, so dass jeder dort platziert ist, wo er sich wohl fühlt.
2010 ist Essen Kulturhauptstadt Europas.
Natürlich ist klar, dass wir so wenig wie möglich Zeit verlieren dürfen, zu diesem Zeitpunkt soll das Stadion stehen, schließlich gibt es genügend Veranstaltungen, die die Größe eines Stadions benötigen. Als Bauzeit sind 18 bis 21 Monate veranschlagt. Die Realisation würde der Stadt gut tun. Wir haben auch Signale der Stadt, das Mögliche möglich zu machen.
Eine Beteiligung von mehr als 7,5 Millionen Euro soll erzielt werden.
Es geht um die Berücksichtigung von realistischen Zahlen, die zum Beispiel für die Unterhaltung und Sanierung des Georg Melches-Stadions aufgewendet werden müssten. Aber wir sind uns der Haushaltslage bewusst, verlangen nicht, dass uns ein Stadion auf Kosten anderer Gebiete finanziert wird, wir denken in den richtigen Bahnen und sprechen eine Sprache mit der Stadt. Ein wesentlicher Teil des Neubaus wird privat finanziert.

Sie kündigten das Rollen der Bagger innerhalb der nächsten sechs Monate an, oder?
In fühle mich noch im Zeitplan. Es wird mehr als ein Stadion, es wird eine Begegnungsstätte im Sinne der Infrastruktur des Essener Nordens. Wir wissen, RWE ist Lebensinhalt, RWE ist Gesprächsstoff. Wir reden über mehr als Profifußball, wir wissen um die Bedeutung, wenn Menschen sagen, das ist mein Verein. Für alle Investoren wird das ein tolles Engagement. Dafür muss man in den Verhandlungen Nähe schaffen, Klischees abbauen, es geht nicht darum, wer von den Unternehmen der Platzhirsch ist. Für uns ist es vor allen Dingen auch ein Projekt im Sinne der sozialen Symetrie.

Autor: Oliver Gerulat

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