Das erste halbe Jahr haben die Regionalliga-Kicker hinter sich gebracht. Also ein perfekter Zeitpunkt, die Hinserie zu beleuchten. Bei Fortuna Düsseldorf gab es zweifelsohne viel Licht und Schatten und auch die eine oder andere für den Verein typische Kuriosität. Aber daran hat man sich als Fortuna-Fan mittlerweile gewöhnt. Neun Kriterien sollen aufzeigen, wie es bisher lief und weitergehen kann.

Fortuna Düsseldorf – Die Hinrundenbilanz 2007/08

Melka mit Anfangs-Furore

Christian Krumm
21. Dezember 2007, 08:36 Uhr

Das erste halbe Jahr haben die Regionalliga-Kicker hinter sich gebracht. Also ein perfekter Zeitpunkt, die Hinserie zu beleuchten. Bei Fortuna Düsseldorf gab es zweifelsohne viel Licht und Schatten und auch die eine oder andere für den Verein typische Kuriosität. Aber daran hat man sich als Fortuna-Fan mittlerweile gewöhnt. Neun Kriterien sollen aufzeigen, wie es bisher lief und weitergehen kann.

Ausgangslage
Wie bei so vielen Vereinen wurde vor der Spielzeit das klare Ziel Qualifiaktion für die neue Dritte Bundesliga ausgegeben. Inzwischen weiß man, dass es für die Fortuna eine Klasse höher gehen muss. Anders ist der Rauswurf des bis dahin zumindest punktemäßig mehr als im Soll liegenden Coach Uwe Weidemann nicht zu erklären. Hinzu kommt die nach wie vor angespannte finanzielle Situation, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zulässt, weiterhin nur in der dritthöchsten deutschen Liga zu kicken.

Torhüter
Zu Beginn der Saison sorgte genau dieser für Furore. Michael Melka blieb 802 Minuten ohne Gegentreffer, sicherte mit zwei gehaltenen Elfmetern ganz wichtige Punkte. In zwölf von 20 Partien hielt „der Lange“ seinen Kasten sauber – absolute Liga-Spitze. Genauso wie die bisher nur zwölf kassierten Tore. Natürlich muss man dazu sagen, dass ein Torwart alleine hinten nicht alles dicht halten kann, dennoch muss man Melka eine überdurchschnittliche Hinserie attestieren. Gerade bei hohen Bällen lässt der ehemalige Gladbacher gar nichts anbrennen, auch in Eins-gegen-Eins-Situationen rettete er mehrfach glänzend. Und sollte Melka einmal ausfallen, brauchen sich die Landeshauptstädter auch keine Sorgen zu machen, denn dahinter hat man mit Michael Ratajczak und Patrick Nettekoven gleich zwei hervorragende Ersatzleute, die schon in der Oberliga-Truppe richtig starke Leistungen gezeigt haben.

Abwehr
Die Defensive ist bei der Fortuna einfach das große Prunkstück. Abwehrchef Jens Langeneke spielt bis dato eine nahezu perfekte Saison, hält den Laden hinten immer wieder dicht. Und egal, wer neben ihm agiert, die Jungs machen ihre Sache in den meisten Fällen gut. Man darf nicht vergessen, dass die Viererkette in zig Varianten sehr erfolgreich zu Werke gegangen ist. Durch Sperren und Verletzungen musste erst Uwe Weidemann später Wolf Werner immer wieder umbauen, ohne dass man einen großen Leistungsverlust spüren konnte. Auch auf den Außenpositionen muss man vor allem vor den Youngstern den Hut ziehen. Während David Krecidlo auf rechts zunächst gar nicht in Tritt kam, hat er sich in den letzten Partien vor der Winterpause reingebissen. Das hat sich auch Fabian Hergesell, wenn er auf dem Platz stand, obwohl die eine oder andere Aktion noch zu überhastet und unruhig angegangen wird. Hamza Cakir, de Cock (beide rechts) und Henri Heeren (links) überzeugen alleine schon durch ihre Erfahrung.

Mittelfeld
Wenn man sich die Namen des Stammpersonals durchliest, schnalzt man erst einmal mit der Zunge. Defensiv Markus Anfang und Olivier de Cock, davor Andreas Lambertz und Marco Christ. Auf den ersten Blick hat die Regionalliga nicht viel besseres zu bieten, doch die langen Verletzungen von Anfang und Lambertz merkte man deutlich, da deren Ersatzleute selten so viel Qualität mitgebracht haben. De Cock spielte seine ungewohnte Rolle als Abräumer vor der Abwehr ganz hervorragend, Christ ließ leider noch zu selten seine herausragende Klasse aufblitzen. Er ist ein Regisseur, der durch wenige Szenen Matches entscheiden kann. Dahinter lauern Leute wie Ahmet Cebe, der an die super Form aus der letzten Rückrunde bei weitem nicht anknüpfen konnte sowie Claus Costa, Marek Klimczok, Oliver Hampel und Sebastian Heidinger, von denen deutlich mehr kommen muss.

Sturm
Kaum zu glauben, dass es ausgerechnet in diesem Bereich bisher hakt. Das Trio Axel Lawarée, Bekim Kastrati und Christian Erwig ist durchweg mit Profi-Erfahrung ausgestattet, läuft dennoch den Erwartungen deutlich hinterher. Lawarée ist zwar mit vier Treffern bester Düsseldorfer Torschütze, unter seinen Einschlägen waren jedoch auch zwei Elfmeter, die man sicher auch erst einmal verwandeln muss. Kastrati zeigte in Oberhausen eine klasse Partie, wusste ansonsten kaum zu überzeugen. Erwig erzielte zwei extrem wichtige Buden (1:0 in Wuppertal, 1:1 gegen Braunschweig in der Schlussminute), kam aber ansonsten zu kaum einer Möglichkeit. Das gilt auch für Kollege Lawarée, der in einer Tour unterwegs ist, immer rackert und alles gibt, aber dadurch kaum zu Strafraumszenen kommt – ein zweischneidiges Schwert.

Stärken
Wie schon gesagt, die Defensivarbeit war in der ersten Serie die absolute Stärke der Fortunen. Nur wenn man hinten nahezu nichts zulässt, kann man mit nur 17 selbst erzielten Treffern 33 Zähler einfahren. In diesem Bereich ist man auch auf der Bank extrem stark. Ob innen der gesetzte Langeneke, Cakir, Robert Palikuca oder Riesen-Talent Adrian Spier spielen, macht überhaupt keinen Unterschied. Auch auf den Außenbahnen ist man doppelt gut besetzt und kann Ausfälle kompensieren. Zudem hat man im Mittelfeld mit Lambertz und Christ Kreativposten, die immer wieder für eine unerwartete Aktion gut sind und dadurch ein Spiel entscheiden können, auch wenn man diese Szenen bisher zu selten zu Gesicht bekam.

Schwächen
Es gab zwei Varianten von Fortuna-Partien: Entweder hatte man zahlreiche Chancen und konnte sie fast alle nicht nutzen oder man bekam nahezu keine Möglichkeit, einen Treffer zu erzielen. Wem man den „Schwarzen Peter“ auch zuschieben möchte, fest steht: Stürmer werden an Toren gemessen und demnach ist die Bilanz von Düsseldorfs Angreifern erschreckend schwach. Zu dritt wurde acht Mal ins Schwarze getroffen, in der Regionalliga gibt es zehn Akteure, die genauso oft oder sogar häufiger jubeln durften. Das zeigt: Wenn man aufsteigen möchte, muss der Knoten der Abteilung Attacke in der Rückrunde ganz schnell platzen.

Umfeld
Gerade bei den Landeshauptstädtern ein interessantes Thema. Man konnte deutlich spüren, wie unruhig der Vorstand wurde, als nach dem tollen Start plötzlich die spielerischen Mängel deutlich und damit verbunden weniger Punkte gesammelt wurden. Diese Nervosität gipfelte im Rauswurf von Trainer Uwe Weidemann, der mit seinem Team zu diesem Zeitpunkt auf Platz drei lag mit zwei Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Ähnlich schwankend ist die Gemütslage bei den Zuschauern, die zwar ihre Mannschaft im Erfolgsfall grandios unterstützen, aber auf der anderen Seite auch gnadenlos auf sie „einprügeln“, wenn es nicht so läuft. Die Kicker sollten zusehen, dass sie die Fans auf ihre Seite bekommen, denn genau das könnte ein riesengroßer Pluspunkt im Kampf um den Aufstieg werden.
Prognose
Diese Mannschaft hat eigentlich das Zeug dazu, unter die besten beiden Truppen der Regionalliga zu kommen. Dass die Deckung bröckeln könnte, ist mehr als unwahrscheinlich, dafür war man bisher im hinteren Bereich einfach zu souverän. Der Erfolg ist davon abhängig, ob der neue Coach den Stürmern das nötige Selbstvertrauen verleihen kann und bei ihnen der Knoten endlich platzt. Wenn Lawarée an die Vorjahresquote beim FC Augsburg anknüpft, mischt man ganz vorne mit. Die Drittliga-Quali darf mit diesem Kader kein Problem werden.

Autor: Christian Krumm

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