Warum nicht eine kurze Städte-Reise nach London mit knackigem englischen Herzblut-Fußball verbinden? Was im Vorjahr bereits ebenfalls zur Dezember-Zeit mit Crytsal Palace gegen Queens Park Rangers (3:0) im Selhurst Park geklappt hatte, das funktierte auch diesmal. Nur ein paar Kilometer weiter in die andere Richtung - und über die Stadtgrenze der englischen Hauptstadt hinaus.

Ortstermin - FC Watford - Bristol City 1:2

Acht Stunden für drei Tore

Thomas Tartemann
11. Dezember 2007, 08:53 Uhr

Warum nicht eine kurze Städte-Reise nach London mit knackigem englischen Herzblut-Fußball verbinden? Was im Vorjahr bereits ebenfalls zur Dezember-Zeit mit Crytsal Palace gegen Queens Park Rangers (3:0) im Selhurst Park geklappt hatte, das funktierte auch diesmal. Nur ein paar Kilometer weiter in die andere Richtung - und über die Stadtgrenze der englischen Hauptstadt hinaus.

Das zuvor aus Deutschland gesendete offizielle Anfrage-Fax wurde vom Elton John-Club FC Watford mit einem "Yes" beantwortet, die Karten wurden zur Abholung bereitgelegt. Also stand dem Spitzenspiel gegen Bristol City an der Vicarage Road nichts mehr im Wege.

Zusammen mit London-Insider Thomas, der mit mir seit gemeinsamer Schulzeit die Themse-Metropole zum fast jährlichen Pflicht-Termin auserkoren hat, ging es am Vormittag des Spieltags vom Londoner Zentrum aus los. Doch die Reise mit der Metropolitan Line, die eigentlich in 45 Minuten Watford erreichen könnte, entpuppte sich als Fiasko.

An der Station Wembley Park, eigentlich das Mekka für Fußball-Fans, aber an diesem Tag schlichtweg uninteressant, war Endstation. London Transport hatte den Samstag zu Gleisbau-Arbeiten auserkoren und gleich mehrere Strecken-Abschnitte dicht gemacht. Doch für Abhilfe war gesorgt.

Von Wembley aus startete eine rote Doppel-Decker-Bus-Flotte, um eben per Diesel-Betrieb rund zehn Kilometer zurückzulegen.
Irgendwo im Vorort Northwood, wo auf diversen Wiesen hobbymäßig gekickt wurde, wurde die Bus-Ladung wieder in die U-Bahn verfrachtet. Doch die nächste Falle wartete schon: Der Abzweig nach Watford war nicht direkt erreichbar, also mussten wir zunächst an der Stadt vorbeifahren, erneut umsteigen und dann über einen Umweg ans erste Ziel gelangen. Nach zwei Stunden war der Trip schließlich beendet.

Dass wir auf dem windigen Bahnsteig gleich von kräftigem Regen und der einsetzenden Dämmerung begrüßt wurden, ließ nichts Gutes erahnen. So war es auch kaum verwunderlich, dass sich der auf Watfords Homepage angekündigte Zehn-Minuten-Fußmarsch bis zum Stadion als halbstündiges Pfützen-Treten herausstellte.

Doch der professionell-freundliche Ablauf an der Vicarage Road, wo wegen der TV-Übertragung erst zur ungewöhnlichen Anstoßzeit 17.20 Uhr angepfiffen wurde, entschädigte für alle Mühen. Nach dem Passieren des Eisentors und dem Schlängeln durch einen engen Gang folgte die Begrüßung am Akkreditierungs-Tisch. Die Karten lagen wie angekündigt in einem schicken Umschlag bereit, eine kurze Einweisung nebst Aufwärmen im Guest-Room und Begutachten der Sky Sports-Live-Konferenz von den anderen Plätzen folgte.

Auf der Tribüne gab es bei Dauerregen allerdings wenig Höhepunkte, wenn man von der Einlage Danny Shittus ein Mal absieht. Watfords Verteidiger knallte nach einem Luftkampf dermaßen mit dem Rücken in den Matsch, dass man das Schlimmste befürchten musste. Da sich aber auf der Reservebank nicht Mal die Physiotherapeuten regten, war die Sorge unangebracht. Englische Härte eben. Shittu machte unter Applaus weiter, konnte aber im turbulenten Schluss-Spurt zwei Treffer der clever agierenden Bristol-Truppe nicht verhindern. Die Atmosphäre bei den rund 16.000 Waford-Fans hielt sich während der 90 Minuten in Grenzen, meist richtete sich der Unmut gegen Referee P.J. Joslin.

Die 600 Bristol-Supporters taten das, wofür der Insel-Fußball so berühmt ist: Sie veranstalteten 90 Minuten Theater. Nach dem Sieg schien das Verhältnis zwischen Team und Fans allerdings etwas unterkühlt. Das obligatorische Bedanken endete 20 Meter vor dem City-Block mit einem flüchtigen Winken. Schwach! Immerhin machte Manager Gary Johnson zwei kurze La Ola-Wellen für die "Reds"-Anhänger.

Uns stand dagegen eine lange Rückreise Richtung London bevor. In der Endsumme mit An- und Abfahrt sowie der Verweildauer im maroden Stadion standen acht Stunden für drei Tore zu Buche. Fazit: Das nächste Spiel wird wieder in den Londoner Stadtgrenzen besucht.

Autor: Thomas Tartemann

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