Seit acht Monaten ist die fünfköpfige Kreisspruchkammer um ihren Vorsitzenden Ulrich Pütz nun im Amt. Zeit ein erstes Fazit zu ziehen, denn das Credo des Mannes, der selbst 19 Jahre lang Schiedsrichter war, lautet:

Kreis DU/MH/DIN: Ulrich Pütz (Vorsitzender Kreisspruchkammer) im Interview

"Das Bewusstsein muss sich ändern"

hg
10. Dezember 2007, 16:31 Uhr

Seit acht Monaten ist die fünfköpfige Kreisspruchkammer um ihren Vorsitzenden Ulrich Pütz nun im Amt. Zeit ein erstes Fazit zu ziehen, denn das Credo des Mannes, der selbst 19 Jahre lang Schiedsrichter war, lautet: "Gewalt im minderschweren Fall gibt es nicht." Ein hartes Durchgreifen ist somit erwünscht, doch im Interview macht der 38-Jährige deutlich, dass es nicht immer das Höchstmaß wie im Fall Dönmetz vom 1. FC Hagenshof sein muss.

RevierSport online: Sie sind jetzt acht Monate im Amt. In dieser Zeit haben Sie sicher eine Menge Urteile gesprochen...

Ulrich Pütz: Das ist wohl wahr. Und bis auf zwei Einsprüche haben die Vereine unsere Urteile akzeptiert. Das zeigt, dass unsere Strafen angemessen sind. Dennoch wissen wir sehr wohl, dass wir uns aktuell in der Winterzeit befinden und die spannenden Wochen für uns erst kommen, wenn die Begegnungen in die entscheidende Phase gehen, sprich wenn es um alles geht. Dann wird sich zeigen, ob wir als Kreisspruchkammer eine gute Arbeit geleistet haben und es sich rumgesprochen hat, dass wir hart gegen Rüpel auf dem Platz vorgehen. Dennoch wissen wir sehr wohl, dass es immer Probleme auf dem Platz geben wird.

RevierSport online: Was können Sie dagegen tun?

Ulrich Pütz: Der Fußball lebt von Emotionen. Für uns als Kreisspruchkammer ist es ja auch nicht die Aufgabe, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Das können wir auch gar nicht. Wir können die Gewalt nur sportgerichtlich im Rahmen unserer Möglichkeiten bestrafen. Und da behandeln wir jeden Fall einzeln
sehr genau, um ein gerechtes Strafmaß auszuloten. Gegen Wiederholungstäter gehen wir natürlich hart vor.[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/005/623-5707_preview.jpeg Greift hart durch und kämpft gegen Vorurteile: Ulrich Pütz, seit April 2007 Vorsitzender der Kreisspruchkammer[/imgbox] Das Bewusstsein bei den Akteuren auf dem Feld muss sich aber grundsätzlich ändern. Der Sportplatz ist kein rechtsfreier Raum. Gegen Tätlichkeiten und grobe Beleidigungen kann man auch Zivilklage erheben und davon sollten die Betroffenen auch Gebrauch machen, denn Anklagen in diesem Bereich haben empfindlichere Folgen als eine Sperre, wo ein Spieler dann halt mal für sechs Monate in eine Hobbymannschaft ausweicht.

RevierSport online: Und was kann der Verband tun?

Ulrich Pütz: Der FVN tut in dem Bereich sehr viel. Die Trainer werden ausgebildet. Es findet seit Jahren regelmäßig ein runder Tisch statt, wo sich der Verband, die Polizei und die Staatsanwaltschaft zusammensetzen und über diverse Dinge konstruktiv reden. Die Gewaltbereitschaft ist ein gesellschaftliches Problem. Das sieht man auch Woche für Woche wieder, wenn die Fans auch bei Profi-Klubs über die Stränge schlagen. Wichtig ist auch, dass die Verantwortlichen in den Vereinen, wo es vermehrt Probleme gab, sich vernünftig engagieren und auch selbst darauf achten, wer für ihre Mannschaft aufläuft. Da hat der Verband aber keinen Einfluss drauf.

RevierSport online: Also ziehen Sie ein positives Fazit Ihrer bisher getätigten Arbeit?

Ulrich Pütz: Ja. Unser Team besteht durchweg aus Leuten, die von der Basis kommen. Jeder kennt sich in dem Bereich gut aus. So denke ich, dass wir unseren Teil dazu beitragen können, dass es auf den Plätzen friedlicher zugeht und so auch sehr motiviert in das Jahr 2008 starten können, was wir aus unserer Sicht gerne ruhig erleben würden.

Autor: hg

Kommentieren