UEFA-Boss Michel Platini hatte es ein bisschen die „gute-Laune-Miene“ im Vorfeld der EM-Auslosung verhagelt: Angeblich sollen 26 Partien aus unterschiedlichen Wettbewerben der UEFA durch die asiatische Wettmafia manipuliert worden sein. Betroffen sind überwiegend Teams aus Ost- und Südosteuropa. Europol ermittelt. Nun kann man auf mannigfache Weise auf diese Nachricht reagieren.

RS-Kommentar: Wetten dass…

Über Manipulationen, Kalmücken und klingelnde Telefone

Ralf Piorr
05. Dezember 2007, 18:11 Uhr

UEFA-Boss Michel Platini hatte es ein bisschen die „gute-Laune-Miene“ im Vorfeld der EM-Auslosung verhagelt: Angeblich sollen 26 Partien aus unterschiedlichen Wettbewerben der UEFA durch die asiatische Wettmafia manipuliert worden sein. Betroffen sind überwiegend Teams aus Ost- und Südosteuropa. Europol ermittelt. Nun kann man auf mannigfache Weise auf diese Nachricht reagieren.

Mit moralischer Empörung, die allerdings ignoriert, dass der Sport generell zu einem riesigen Geschäft geworden ist. Wo es um Geld geht, wird eben auch ausgebootet und gefälscht. Doping und Betrügereien sind dabei zwei Seiten einer Medaille.

Die zweite Variante ist das Abwiegeln auf vermeintliche Schurkenregionen. Wo wurde manipuliert? Natürlich, bei den Kalmücken im heimtückischen Osten und Südosten! Dieses Klischee übersieht die soziale Komponente: Manipulierte Spiele sind (auch) die Rache der armen Vereine an den Euro-Fleischtöpfen der UEFA. Wer sollte denn die millionenschweren Münchener Bayern bestechen können? Dagobert Duck? Es kann ja nicht jeder so bescheiden sein wie anno 1971 die Königsblauen, die ein Spiel für 2.300 Mark pro Knappen-Nase verkauften. In Estland oder Weißrussland dagegen kann bereits ein kleines Geldköfferchen den Jahresetat eines Klubs decken. Würden Sie da als Vereinspräsident wirklich herzlos „Nein“ sagen?

Mich würde allerdings interessieren, wie die Wettmafia Kontakt zu den Vereinen aufnimmt. Per Telefon, bei Borschtsch und Piroggen in einem usbekischen Restaurant? Werden Zigarren geraucht und die Pistolen und MGs vorne am Eingang abgegeben? Kommt es zu der in gutturaler Tonlage vorgetragenen Frage: „Ich mache Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können!“

Und wenn Asien das Paradies der Zocker ist, wie ist dann folgende Meldung zu verstehen: Drei Bundesligisten wollen im Dezember eine Werbetournee durch Fernost starten, um ihre „Auslandsvermarktung“ voranzutreiben. Wer das ist? Energie Cottbus, Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund. Deren bisherige Saisonleistungen sind doch einzigartige Empfehlungsschreiben an die wettenden Asiaten. Ich jedenfalls höre schon in deren Geschäftszentralen die Telefone klingeln: „Hallo, es ist ein Ferngespräch…“

Autor: Ralf Piorr

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