Was für ein Niederrheinderby zwischen RWO und RWE. Diese Umstände wird es beim hauchdünnen 1:0-Erfolg der Kleeblätter gegen den Rivalen aus Essen selten gegeben haben. Weltuntergangs-Wetter brachte fast abenteuerliche Bedingungen, 11326 Zuschauer trotzten trotzdem dem peitschenden Regen und dem Wind in Orkanstärke. Und bevor es zur Analyse geht, muss man den 26 eingesetzten Kickern Respekt zollen.

RWO mit geschichtsträchtigem Dreier im Derby gegen RWE

Lüttmann knallt RWO auf Aufstiegsrang, Bonan kündigt „Angriff“ nach Winterpause an

Christian Brausch
02. Dezember 2007, 18:28 Uhr

Was für ein Niederrheinderby zwischen RWO und RWE. Diese Umstände wird es beim hauchdünnen 1:0-Erfolg der Kleeblätter gegen den Rivalen aus Essen selten gegeben haben. Weltuntergangs-Wetter brachte fast abenteuerliche Bedingungen, 11326 Zuschauer trotzten trotzdem dem peitschenden Regen und dem Wind in Orkanstärke. Und bevor es zur Analyse geht, muss man den 26 eingesetzten Kickern Respekt zollen.

Denn klar war, fußballerisch wird nichts gehen, daher war Kampf gefragt: Und den brachten alle Spieler, keiner schonte sich nur eine Sekunde lang, die Teams gingen ans Limit.

Mit dem glücklicheren Ende für RWO, der Lohn: Bis zum kommenden Wochenende klettert man auf einen Aufstiegsrang. Der Sieg der Elf von Trainer Hans-Günter Bruns nimmt zudem schon historische Züge an. Denn es war der erste Derby-Doppelsieg von Oberhausen gegen RWE seit der Saison 1933/34. Vor 74 Jahren, damals noch mit Willi Jürrissen im Kasten, schafften die Oberhausener das gleiche Kunststück.

Exakt seit der Spielzeit, seit der RWO auch unter dem Namen Rot-Weiß Oberhausen aufläuft. Den Sieg perfekt machte Julian Lüttmann nach 53 Minuten. Und wie bei diesem Wetter klar, das Glück musste etwas mithelfen. Denn eine missglückte Flanke von Marcel Landers knallte an den langen Pfosten und sprang von da vor die Füße von Lüttmann, der am schnellsten reagierte. Landers gab zu: „So sollte der Ball nicht kommen, aber das Glück stand in der Szene auf unserer Seite.“

Vor der RWO-Führung bestimmte RWE in der ersten Hälfte die Partie und hatte die besten Chancen durch Sören Brandy und Markus Kurth. Für RWO verzog Tuncay Aksoy aus aussichtsreicher Position. Bruns merkte an: „Das war das erste Mal in dieser Saison, dass wir in den ersten 20 Minuten Nerven gezeigt haben. Vielleicht haben meine Jungs gesehen, wo man hinkommen kann. Ansonsten fällt es mir schwer, eine Spielanalyse vorzunehmen, denn bei diesem Boden war klar, es geht nur über den Kampf, den haben alle Spieler super angenommen.“

Nach dem 1:0 gab es weitere brenzlige Momente, zunächst vergab Oberhausen mehrere Konteraktionen, dann warf RWE alles nach vorne. Wie aber schon viele Teams vorher, scheiterte man kollektiv am erneut glänzend aufgelegten RWO-Keeper Christoph Semmler. Daher musste RWE-Coach Heiko Bonan nachher eine Niederlage bilanzieren. „Oberhausen war der glücklichere Sieger. Wir haben kämpferisch alles abgerufen, daher können und müssen wir mit dieser Pleite leben. Ich bin sicher, wir sind trotzdem auf einem guten Weg. Jetzt müssen wir nochmals alles mobilisieren, um dann am nächsten Wochenende gegen Düsseldorf zu gewinnen.“

Und nach der Winterpause soll es dann bei Essen rundgehen. Bonan: „Dann sitzt in der Kabine eine Mannschaft, die ich so noch nie gesehen habe. Denn dann kommen viele Verletzte wieder und dann greifen wir an.“

Weitere Stimmen zum Spiel

Essens Daniel Masuch betonte: „Beim Tor kann ich nichts machen, die Flanke war richtig schnell, da kam ich nicht ran.„ Für das Ex-Kleeblatt war es der zweite negative Ausgang gegen die Ex-Kollegen. Seine Meinung: „Ist doch egal, gegen wen das war. Für unsere Fans ist die Pleite richtig bitter. Jetzt müssen wir alles tun, um nicht noch weiter abzurutschen vor der Winterpause. Kämpferisch kann man niemandem einen Vorwurf machen. Beide haben alles gegeben, auf dem Platz war nicht mehr möglich.“
Oberhausens Benjamin Reichert: „Es war klar, dass es am Ende knapp wird, wir standen richtig hinten drin. Aber Christoph Semmler hat dann erneut alles rausgeholt. Wir hatten zwar auch etwas Glück, aber die besseren Chancen lagen auf unserer Seite. Obwohl RWE die erste dicke Möglichkeit hatte.“ Zum Derby äußerte der Kapitän: "Auch wenn das Wetter schlecht war, für die Zuschauer ist ein Derby auf diesem Boden doch geil, da war richtig was drin. Für die Anhänger war das sicher sensationell, beide Partien gegen RWE als Sieger zu verlassen.“

Oberhausens Marcel Landers: „Das war eine riesen Sache für uns, die Fans und den Verein. Es bleibt aber dabei, wir denken von Spiel zu Spiel. Obwohl man jetzt natürlich auch auf einem Aufstiegsplatz überwintern möchte. Mal sehen, was nächste Woche in Wuppertal geht. Vorher brauchen wir ein, zwei oder drei Tage, bis wir wieder fit sind, das war brutal. Das war sicher das härteste Match in meiner Karriere, für die Muskeln war das der Horror.“

Essens Michael Lorenz: „Das war ein absolutes Kampfspiel auf schwierigem Geläuf. Das Tor war dann wohl typisch für die aktuelle Oberhausener Situation, die spielen fast schon über deren Verhältnissen. Trotz allem sind wir noch dran, aber um ruhiger in die Winterpause zu gehen, wäre es wichtig, im letzten Spiel gegen Düsseldorf noch einen Dreier einzufahren.“

Autor: Christian Brausch

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren