Es hat sich so eingebürgert, dass Spieler, wenn sie sich nach ein paar Monaten nicht durchgesetzt haben, in der Winterpause direkt wieder den Verein wechseln. Leider Gottes regt sich auch niemand mehr darüber auf, dass die Kicker einem anderen Club, der mit mehr Geld winkt, direkt zusagen. So etwas wie Vereinstreue kennt doch heutzutage niemand mehr. Zu meiner Profi-Zeit war es so: Wenn ein Akteur mit seiner Situation unzufrieden war, hat er an sich selbst den Anspruch gehabt, sich durchzusetzen.

Interaktiv - Die Közle-Kolumne Teil 6

"So etwas wie Vereinstreue kennt doch niemand mehr"

Peter Közle
28. November 2007, 17:25 Uhr

Es hat sich so eingebürgert, dass Spieler, wenn sie sich nach ein paar Monaten nicht durchgesetzt haben, in der Winterpause direkt wieder den Verein wechseln. Leider Gottes regt sich auch niemand mehr darüber auf, dass die Kicker einem anderen Club, der mit mehr Geld winkt, direkt zusagen. So etwas wie Vereinstreue kennt doch heutzutage niemand mehr. Zu meiner Profi-Zeit war es so: Wenn ein Akteur mit seiner Situation unzufrieden war, hat er an sich selbst den Anspruch gehabt, sich durchzusetzen.

Natürlich gab es auch schon damals die Sorte, die ich zuvor beschrieben habe, aber da war dies noch lange nicht an der Tagesordnung. Mit dem Bosman-Urteil haben die Spieler dann so viel Macht bekommen, wie sie vorher die Vereine hatten.

In der jetzigen Zeit muss man schon lange suchen, um einen Fußballer bei uns in Deutschland zu finden, der über fünf, sechs Jahre auf absolutem Top-Niveau agiert hat. Und wahrscheinlich findet man nach akribischer Recherche immer noch keinen. Im Gegensatz dazu kann man sich die Weltmeister-Mannschaft von 1990 ansehen. Die Jungs haben ihre Leistung über viele Spielzeiten gebracht.

In der Tat muss man als Profi zusehen, dass man in seiner Karriere die Schäfchen ins Trockene bringt, aber bei uns waren das zehn bis zwölf Saisons, heutzutage reicht ein guter Vertrag über drei, vier Jahre aus, um ausgesorgt zu haben. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, dass schon die 19- oder 20-Jährigen sich Sorgen um die Kohle machen und mit Beratern auftauchen, die versuchen, das Doppelte vom ersten Angebot herauszuholen.
Aber das soll schon jeder selber wissen. Ich für meine Person habe immer selbst verhandelt, brauchte so etwas wie einen Agenten nie. Bei mir haben auch Verhandlungen meistens nur fünf bis zehn Minuten gedauert. Ich bin bei dem Vereinsvertreter, der dafür zuständig war, ins Büro gegangen, habe gesagt, dass ich gerne bleiben würde und wenn der Club das genauso gesehen hat, wurde das Finanzielle schnell geklärt und ich habe unterschrieben. Vielleicht hätte ich mit einem Berater viel mehr verdient, aber darum ging es mir doch gar nicht. Wenn ich einen Kontrakt unterzeichnet habe, war für mich klar: Über diesen Zeitraum reißt du dir jetzt für den Club den Arsch auf!

Wenn die Leute den Fans heute erzählen wollen, dass sie einige Angebote haben und trotzdem aus Treue zum Verein nicht wechseln, ist das einfach zu 90 Prozent erstunken und erlogen. Das Einzige, worum es geht: Sie wollen ihren eigenen Preis hochtreiben. Was mich zusätzlich noch belastet: Mit welcher Unverfrorenheit Nachwuchskicker zu Werke gehen. Sie genießen eine gute Ausbildung, verlassen ihren Club dann und waschen zusätzlich noch dreckige Wäsche in den Medien. Das ist ganz schlechter Stil. Ich weiß nicht, ob sich das nochmal ändern wird, aber wahrscheinlich ist es dafür zu spät...

Autor: Peter Közle

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