Bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr war er dabei – jetzt ist die WM 2010 sein großes Ziel. Dr. Joachim Schubert, zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Deutschland noch Mannschaftsarzt von Togo, macht sich stark für die afrikanischen Fußballspieler - nach dem Motto: medizinische Chancengleichheit für alle.
Vor wenigen Wochen war Schubert im Sudan. Er ist dem weit gereisten Fußballtrainer und neuem Nationalcoach Kameruns Otto Pfister in die Hauptstadt des afrikanischen Landes, nach Khartum, gefolgt.

Dr. Joachim Schubert plädiert für medizinische Chancengleichheit

WM 2010 als Chance für Afrika

02. November 2007, 08:33 Uhr

Bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr war er dabei – jetzt ist die WM 2010 sein großes Ziel. Dr. Joachim Schubert, zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Deutschland noch Mannschaftsarzt von Togo, macht sich stark für die afrikanischen Fußballspieler - nach dem Motto: medizinische Chancengleichheit für alle.
Vor wenigen Wochen war Schubert im Sudan. Er ist dem weit gereisten Fußballtrainer und neuem Nationalcoach Kameruns Otto Pfister in die Hauptstadt des afrikanischen Landes, nach Khartum, gefolgt.

Im Sommer 2006 haben sie sich kennen und schätzen gelernt. Pfister war Trainer von Togo, Schubert der Mannschaftsarzt. Jetzt betreut der Afrikakenner Pfister seit knapp einem Jahr den sudanesischen Spitzenklub Al Merriekh und bat Schubert, den medizinischen Stand der Dinge in Augenschein zu nehmen. Acht Tage war der ehemalige Mannschaftsarzt des VfL Bochum vor Ort und musste ernüchtert feststellen: „Die Mannschaft ist in einem guten Zustand, aber die Qualität der medizinischen Betreuung ist leider extrem schlecht. Da wird zum Beispiel ein verletzter Spieler zunächst einmal drei Tage heim geschickt, um sich zu erholen – und nichts Weiteres passiert. Das ist deren Art von Ersttherapie, eine absolut kontraproduktive Herangehensweise.“

Moderne Sportmedizin und Physiotherapie, wie sie hierzulande an der Tagesordnung sind, hat Schubert auf dem Kontinent, der in drei Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet, noch nicht angetroffen. Ähnliches musste er bei seiner Tätigkeit für Togo feststellen. „Natürlich ist die Sportmedizin angesichts der allgemeinen gesundheitlichen Sorgen Afrikas vergleichsweise unwichtig. Aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, stellt diese Fußball-WM 2010 eine große Chance für den Kontinent und die Länder dar“, erklärt Schubert.

Der „Fußball-Zwerg“ Sudan will diese Chance ergreifen. Der Weg ist weit, die Qualifikation findet während des Afrikacups 2008 in Ghana statt. Für diese kontinentale Meisterschaft haben sich die Sudanesen seit 1976 erstmals wieder qualifiziert, sie schalteten hierzu sogar WM-Teilnehmer Tunesien aus. Sollte jetzt auch noch der nächste Schritt klappen, könnte sich dies durchaus als Königsweg erweisen: Das Land, das seit 2003 unter dem Darfur-Konflikt im Westen des Landes leidet, könnte bei der WM in Südafrika aus dem Schattendasein herauskommen und über den Fußball wieder positive Schlagzeilen schreiben.

„Der Fußball nimmt hier einen extrem hohen Stellenwert ein, ist für viele fast eine Religion.“ Dr. Schubert hat bei seinem Trip die grenzenlose Begeisterung gespürt und daraus für sich selbst eine neue Herausforderung entwickelt: „Die Begeisterung ist überwältigend. Die Fans in der Stadt sind derart fanatisiert, dagegen war die Stimmung bei unserem Sommermärchen eine laue Kaffeebrühe.“ Hilfe für Afrika bietet der Bochumer Sportmediziner auf seinem Gebiet an: „Ich stehe mit der FIFA in Kontakt und habe mich beim obersten Verbandsarzt für Chancengleichheit aller Länder auf dem medizinischen Gebiet stark gemacht. Was nutzen tolle Spieler, wenn sie nicht medizinisch optimal betreut werden - und zwar nicht nur während einer WM-Endrunde, sondern schon lange davor.“

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