Es ist ein historisches Datum in der gelb-schwarzen Geschichte: der 18. Mai 1947. Vor 27.000 Zuschauern im Herner Stadion am Schloss Strünkede schlug der BVB im strömenden Regen den FC Schalke 04 mit 3:2 und sicherte sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Westmeisterschaft. „Schalke 04 vom Westfalenthron gestürzt“, stellte der Herner Sport-Kurier einen Tag später fest und konstatierte: „Zum ersten Mal seit der Bildung der Westfalenliga im Jahr 1933 trägt eine andere Elf als
Schalke 04 den Titel des westfälischen Fußballmeisters!“

1947: Schwarz-gelbe Zeiten!

"Meister der Eleganz"

18. Oktober 2007, 17:46 Uhr

Es ist ein historisches Datum in der gelb-schwarzen Geschichte: der 18. Mai 1947. Vor 27.000 Zuschauern im Herner Stadion am Schloss Strünkede schlug der BVB im strömenden Regen den FC Schalke 04 mit 3:2 und sicherte sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Westmeisterschaft. „Schalke 04 vom Westfalenthron gestürzt“, stellte der Herner Sport-Kurier einen Tag später fest und konstatierte: „Zum ersten Mal seit der Bildung der Westfalenliga im Jahr 1933 trägt eine andere Elf als
Schalke 04 den Titel des westfälischen Fußballmeisters!“

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/005/045-5127_preview.jpeg Alfred „Adi“ Preißler, 1958. Der gebürtige Duisburger gilt als eines der größten Idole des BVB. Unvergessen seine fußball-philosophische Wendung: "Grau is alle Theorie, maßgebend is auffem Platz."[/imgbox]

Ist die erste Wahrnehmung der Zeitgenossen noch in erster Linie darauf gerichtet, dass der „Schalker Kreisel“ ins Stocken geriet, so stellte sich in der Oberliga West mehr und mehr die Erkenntnis ein, dass nunmehr Borussia Dortmund der „neue Fußball-Stern des Westens“ sei. 1948, 1949 und 1950 - drei Jahre in Folge dominierte der BVB die Liga, und selbst Schalkes Vereinschronist, der Journalist Theodor Krein, musste feststellen, dass „das Kraftzentrum des westfälischen Fußballs vom Schalker Markt zum Borsigplatz gewandert“ sei.

Gerade im Jahr 1949 rückte der BVB verstärkt in den Fokus, denn parallel zum Siegeszug der Gelb-Schwarzen in der Oberliga West stabilisierte sich die junge Bundesrepublik, nahm das kommende Wirtschaftswunderland erste Konturen an und boomte der Fußball in der neu entdeckten Freizeitkultur. Die Westdeutsche
Allgemeine Zeitung berichtete ausführlich über Dortmunds Endrundenteilnahme. Als der BVB den 1. FC Kaiserslautern im Halbfinale mit 4:1 entzauberte, kommentierte die WAZ: „Der Westen darf auf diesen Meister berechtigt stolz sein. Borussia ist schon ein würdiger Nachfolger des FC Schalke 04. Dass die Mannschaft spieltaktisch nicht in die Fußstapfen der Knappen tritt, ist kein Nachteil. Diesen klaren und ausgeprägten Erfolgsfußball Dortmunds hat selten eine Mannschaft gespielt.“ Nur die Krönung des BVB blieb aus. Im Endspiel 1949 unterlag man dem VfR Mannheim in der „Hitzeschlacht von Stuttgart“ mit 2:3 nach Verlängerung. „Kein Spiel, sondern ein Kampf“, so die WAZ. Der Spieler-Generation um Erich Schanko und Pat Koschmieder blieb ein nationaler Titel verwehrt.

Erst Mitte der 1950er Jahre sollte die Zeit für den ersten Meistertitel der Borussia reif sein. Unter Trainer Helmut Schneider hatte sich eine Mannschaft herauskristallisiert, die zwei Jahre lang den deutschen Fußball beherrschen sollte. „Die sporthistorische Einmaligkeit, dass der BVB 1956 und 1957 mit der gleichen Elf die Deutsche Meisterschaft gewonnen hat, führte erst dazu, dass die deutschen Sportjournalisten neben den Kategorien ‚Sportler-/in des Jahres’ die Kategorie ‚Mannschaft des Jahres’ einführten. Und der erste Titelträger war eben der BVB“, so Gerd Kolbe, der seit Jahrzehnten als nebenamtlicher Pressesprecher, Buchautor und Fan mit der Borussia verbandelt ist.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/005/050-5132_preview.jpeg Der BVB vor dem Horster Starrenkasten, einer erhöhten Holztribüne für etwa 80 Personen (v.li.): Herbert Erdmann, Gerd Schweinsberg, Adi Preißler, Pat Koschmieder (hinten), Max Michallek und Herbert Hammer, Horst-Emscher, September 1949.[/imgbox]

Obwohl die Elf als „Meister der Eleganz“ gefeiert wurde, kamen Adi Preißler, Alfred Niepieklo, Max Michallek & Co nur selten zu internationalen Ehren. Den 5:0-Endrundensieg über den Hamburger SV nutzte der „Fußball-Sport“ zu einem bissigen
Seitenhieb auf Nationaltrainer Sepp Herberger: „Schade, dass von diesem Gruppenspiel kein Lehrfilm aufgenommen wurde. Dann könnte ich mir alle Worte sparen und Ihnen, lieber Leser, diesen Film schicken und recht viel Vergnügen wünschen. Ist es nicht zum Lachen, dass von dieser Mannschaft kein einziger gut
genug sein soll, in der Nationalelf zu spielen.“ Nationalmannschaft hin und her - Borussia jedenfalls war im Pantheon der deutschen Fußballmeister angekommen und sollte im „goldenen Jahrzehnt“ durch weitere Erfolge diesen Anspruch bestätigen: Meisterschaft 1963, DFB-Pokalsieg 1965, Europapokalsieg 1966.

Gerd Kolbe, dessen private BVB-Sammlung mit über 30.000 Exponaten gerade dem Dortmunder Stadtarchiv übergeben und im Jubiläumsjahr 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, bringt die Bedeutung der Jahre von 1947 bis 1963 in der fast 100-jährigen BVB-Geschichte auf den Punkt: „In der Oberliga West gelang es Borussia, den übermächtigen Schatten von Schalke 04 abzulegen und sich als großer westdeutscher Verein zu etablieren.“

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